Mitten in ZornedingDie Rache des Zebrastreifens

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Kaum sind die Pläne geschmiedet, den Übergang zu entfernen, muss sich das Zornedinger Rathaus Heerscharen von wütenden Eltern erwehren

Glosse von Andreas Junkmann

Er ist so etwas wie der schwarze Ritter des Straßenverkehrs. Über Monate hinweg hat er sich wacker im unerbittlichen Kampf mit der Gemeinde geschlagen, schließlich aber war er mit seinen Kräften am Ende und musste seine Niederlage vorerst hinnehmen. Doch damit ist die Geschichte noch nicht vorbei, denn nun ist er zurück: Die Rede ist vom tapferen Zebrastreifen in Pöring.

Der nämlich war dem Zornedinger Rathaus beziehungsweise der zuständigen Polizei schon lange ein Dorn im Auge. Ohne sich an die geltenden Gesetze zu halten, soll er sein Unwesen in der Eglhartinger Straße getrieben haben. Man munkelt, er habe tagtäglich unerlaubterweise Kinder, die von der Grundschule in den Hort wollten, sicher über die Straße geführt. Ein Skandal, war man sich in der Gemeindeverwaltung einig. Schließlich hatte die Polizei den Zebrastreifen bei einer Verkehrsschau doch als illegal eingestuft. Zu nah soll er an einer Abzweigung gelegen haben, zu gefährlich sei er deshalb für die Kinder. Der Zebrastreifen musste weg - koste es, was es wolle.

Kaum waren die Pläne geschmiedet, musste sich das Rathaus um Bürgermeister Piet Mayr den Heerscharen von wütenden Eltern erwehren, die sich für den tapferen Straßenübergang einsetzten. Doch selbst eine Demonstration samt Unterschriftenliste konnte den Zebrastreifen nicht retten. Zum Jahreswechsel bereiteten mit einem Farbeimer bewaffnete Gemeindemitarbeiter dem Treiben in Pöring ein vermeintliches Ende. Der Zebrastreifen war verschwunden und dafür ein neuer, gestrichelter Übergang auf die Straße gemalt.

Offenbar aber hatte man im Rathaus den Feind unterschätzt, der nun grausige Rache an seinen Peinigern nimmt. Die ehemals weißen Streifen des Übergangs haben sich in tiefes, glänzendes Schwarz verwandelt. Dadurch ist der Zebrastreifen nun bereits von weitem zu erkennen, besser als er es je zuvor war. Der Anblick dieses schaurigen Spiels führt nun erst recht dazu, dass Autofahrer vor Schreck auf die Bremse drücken - und so geleitet der schwarze Zebrastreifen von Pöring selbst aus dem Jenseits seine Kinder weiterhin sicher über die Straße.

© SZ vom 04.02.2021 - Rechte am Artikel können Sie hier erwerben.
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