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Mitten in Vaterstetten:Ein ewiges Auf und Ab

Die Aufzüge an den Bahnhöfen in Vaterstetten und Baldham sind des öfteren außer Betrieb. Was weniger auf technische denn auf menschliche Unzulänglichkeiten zurückzuführen ist

Glosse von Wieland Bögel

Der Schwerkraft zu entfliehen ist bekanntlich ein uralter Traum der Menschheit, dessen Erfüllung der technologische Fortschritt inzwischen längst ermöglicht hat. Und das sogar in verschiedensten Variationen, da ist natürlich das Fliegen, aber auch das alltägliche Auf und Ab der mechanischen Helferlein. Lifte und Rolltreppen haben einen festen Platz im Leben der meisten Menschen. Was um so interessanter ist, wenn man bedenkt, dass sie selbst ja einen solchen per Definition gar nicht haben dürfen - es sei denn, sie sind kaputt. Diese zugegeben plumpe Überleitung führt nun direkt zu einem Problem, das man in Vaterstetten seit Jahren vehement beklagt: Die Aufzüge an den S-Bahn-Stationen.

Denn auch diese haben des öfteren einen festen Platz, sind also außer Betrieb. Was, wie ebenfalls seit Jahren bekannt ist und beklagt wird, weniger auf technische denn auf menschliche Unzulänglichkeiten zurückzuführen ist. Konkret geht es um Vandalismus, der an den Stationen Baldham und Vaterstetten sein destruktives Potenzial offenbar besonders gerne in Richtung der Aufzüge entfaltet. Vor gut fünf Jahren gab es dazu im Gemeinderat einen größeren Aufschlag, verbunden mit der Forderung, die Gemeinde möge doch einmal bei den Verantwortlichen Druck machen, dass diese öfter mal die Aufzüge reparieren lassen. Nach kurzem Studium der Akten war dann klar, dass der Weg zum Zuständigen überschaubar ist, laut eines in den 1980ern mit dem Schienenkonzern geschlossenen Vertrages sei die Gemeinde Vaterstetten für Wartung und Reparatur der Aufzüge an den beiden Bahnstationen zuständig.

Weitere fünf Jahre später stellt sich nun heraus: Das ist nur zum Teil zutreffend. Wie nun im Bauausschuss zu erfahren war, sind die beiden Aufzüge mittlerweile in einem so schlechten Zustand und haben zudem ein Alter erreicht, dass ein kompletter Austausch ansteht. Dieser würde um die 185 000 Euro kosten, rechnete das Bauamt vor. Hier sei man aber in Verhandlungen mit der Bahn, diese solle die neuen Lifte einbauen und die Gemeinde übernähme dann wie gehabt den Betrieb und die Verkehrssicherung, wie es eben bereits im Vertrag von 1986 festgehalten sei. Wobei man bei deren Durchsicht festgestellt hatte, dass man eigentlich nur für den Aufzug in Baldham zuständig sei - ein entsprechender Vertrag für den Vaterstettener Lift sei weder in der Rathausverwaltung noch bei der Bahn aufzufinden gewesen. Ob das nun aber bedeutet, dass man am Bahnhof Vaterstetten neben der Schwerkraft künftig auch den Unterhaltskosten entfliehen kann, muss sich noch zeigen.

© SZ vom 03.04.2021
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