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Mitten in Poing:Leise gurgelt der Hydrant

Des Nachts kann es zu ungewohnten Geräuschen kommen, die sich in die Hörgewohnheiten fräsen

Der Sitznachbar in der S-Bahn, der den Rotz durch die Nase hochzieht. Die Flößerbands, die ihre Evergreens den Sommer über ins Isartal blasen. Das Schlucken des Ehepartners, den man aufgehört hat zu lieben: Geräuschbelästigungen gehören zu den nervenzerreißendsten Erfahrungen des Menschen. Via Gehörgänge das Hirn zu malträtieren ist auch eine beliebte Foltermethode der Geheimdienste. So hat die CIA in Guantánamo Gefangene mit Popsongs, Heavy Metal oder sogar der Titelmusik aus der Sesamstraße in ohrenbetäubender Lautstärke dauerbeschallt.

Und dann gibt es noch - und da wird es fast metaphysisch - diese fiesen, unlokalisierbaren Kakofonien, die den akustischen Alltag untergraben und Schneisen in die Hörgewohnheiten fräsen. International berühmt wurde Anfang der Achtziger der Geist "Chopper", der in einer Zahnarztpraxis bei Regensburg spukte, aus Spucknäpfen und Kloschüsseln quäkte, krakeelte und Patienten beleidigte: "Du stinkst aus dem Maul." Fernsehteams kamen, die Post suchte mit Fangschaltungen nach ihm und das LKA ermittelte. Am Ende kam heraus, dass eine 16-jährige Zahnarzthelferin dahintersteckte.

Nachtschwärmer in Vaterstetten, Pliening, Poing und Zorneding sollten darauf gefasst sein, demnächst ebenfalls Unvertrautes zu vernehmen. Das Kommunalunternehmen VE München Ost (Vemo), das in den drei Gemeinden für die Trinkwasserversorgung zuständig ist, nimmt dort im September Arbeiten am Versorgungsnetz vor. Und zwar in den Nachtstunden zwischen ein und fünf Uhr.

Vemo warnt, dass es durch einen kontrollierten Wasseraustritt "zu ungewohnten und störenden Geräuschen im Umfeld der Hydranten" kommen könne, also "zu Lärmbeeinträchtigungen der Anwohner" und wirbt für Verständnis. Die Betroffenen dürften, derart vorbereitet, die Arbeiten gelassen wahrnehmen - solange kein Hydrant die Titelmelodie der Sesamstraße gurgelt.