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Mitten in Poing:Da ist Musik drin

Sich im Internet zu verirren, kann ganz unterhaltsam sein. Bisweilen führen ein paar kleine Buchstaben auf Abwege

Glosse von Wieland Bögel

Respice finem - bedenke das Ende" ist ein bekannter Sinnspruch, der zur Vorsicht mahnt. Vermutlich tut er das schon sehr lange, angeblich handelt es sich um die lateinische Übersetzung eines Textes des altgriechischen Dichters Aesop. Auch gut zweieinhalb Jahrtausende nach dessen aktiver Zeit ist der Spruch nach wie vor aktuell, Vorsicht kann schließlich nie schaden. Und "bedenke das Ende" hat in der schönen neuen Digitalwelt noch einen ganz anderen Aspekt verpasst bekommen: Bedenke die Endung. Ansonsten kann man sich in diesem großen Internetz ganz schön verirren - was manchmal indes an interessante Orte führt, wie im Fall von Poing.

Dass es sich dabei um die zweitgrößte Gemeinde des Landkreises - noch, denn Poing wächst und wächst - handelt, die außerdem sehr praktisch sein soll, dürfte zumindest in der Gegend rund um Poing den meisten Leuten bekannt sein. Dass damit in Poing eine gewisse Art von Architektur Einzug gehalten hat, die nicht alle schön finden, ist vor allem bei Leuten bekannt, die etwas weiter weg von Poing leben - und das auch gefälligst als positive Charaktereigenschaft verstanden wissen wollen. Bei vielen Leuten, die noch weiter von Poing wegwohnen, als die S-Bahn reicht, ist der Name dagegen wieder positiv besetzt: Da steht er für Musik.

Allerdings nur, wenn man das Ende, beziehungsweise die Endung bedenkt: Wichtig ist das .com anstelle des .de hinter Poing und schon landet man statt auf der zweifellos sehr informativen Gemeindewebsite auf der Seite des niederländischen Radiosenders - genau: PoingFM, Renegade Radio. Statt Wissenswertes über die Wachstumsgemeinde zu erfahren, kann man dort den ganzen Tag Drum-and-Bass-Musik hören.

Ob die Niederländer ihren Sender nach der oberbayerischen Wachstumsgemeinde benannt haben, wenn ja, warum und wenn nein, wonach dann, lässt sich indes nicht eruieren. Eine gleichnamige holländische Ortschaft hat das Internet zumindest nicht finden können. Für die Poinger - also die mit der Wachstumsgemeinde - könnte sich daraus aber vielleicht eine Gelegenheit ergeben, niederländische Touristen anzulocken: Poing, daar zit Muziek erin.

© SZ vom 22.06.2021
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