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Mitten in Grafing:Weihnachtsfrieden gecancelt

Absender dieser Nachricht ist nicht der Organisator einer Querdenker-Demo - sondern eine Schule im Landkreis Ebersberg

Glosse von Anja Blum

Was, in Gottes Namen, wollen wir Corona eigentlich noch alles opfern? Soziale Kontakte, ganze Wirtschaftszweige, nun den Weihnachtsfrieden gar? Geht's noch? Selbst wer sich normalerweise nicht durch Querdenkertum hervortut, muss schlucken bei einem Satz wie diesem: Bitte beachten Sie, dass der Weihnachtsfrieden in diesem Jahr ausgesetzt werden muss. Aha.

Doch ruhig Blut! Absender dieser, hier zugegebenermaßen stark verkürzt wiedergegebenen Nachricht ist eine Schule im Landkreis, und bei dem sogenannten "Weihnachtsfrieden" handelt es sich um eine Vereinbarung zugunsten der Schülerschaft, dass zwei Tage vor den Winterferien keine Proben mehr geschrieben werden. Da der Beginn der unterrichtsfreien Zeit nun allerdings vom Kultusministerium wegen der Pandemie um zwei Tage nach vorne verlegt wurde, ist diese Abmachung heuer hinfällig: Auch an den beiden letzten Schultagen, am 17. und 18. Dezember, könnten noch Leistungsnachweise abgehalten werden, wird per Elternbrief mitgeteilt. "Dies ist sicher im Sinne unserer Schülerinnen und Schüler, denn eine Verschiebung der für diese beiden Tage angesetzten Leistungsnachweise würde unvermeidlich zu einer Schulaufgabenballung nach den Ferien führen." Und das kann nun wirklich keiner wollen.

Aber wie ist das jetzt generell, mit dem Weihnachtsfrieden 2020? Wird der in diesen Zeiten leichter zu haben sein, weil die Ablenkung kleiner und das Bedürfnis nach Hoffnung und Zusammenhalt größer ist? Oder werden vielmehr monatelanger Lagerkoller und verknappte Gästelisten ein harmonisches Familienfest schier unmöglich machen? Wer weiß. Die Note in der Latein-Ex, die kurz vor den Ferien noch geschrieben wurde, wird unterm Baum jedenfalls noch keine Rolle spielen. Die gibt's dann erst im nächsten Jahr - das hoffentlich für alle besser wird.

© SZ vom 02.12.2020
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