Mitten in Grafing Süße Lektion

Kinder schauen ihren Eltern heutzutage beim Einkaufen genau auf die Finger: Ökologisch korrekt soll alles sein, was im Einkaufswagen landet. Doch es gibt auch Ausnahmen

Kolumne von Anja Blum

Überall ist derzeit die Rede davon, dass die Jugend aufbegehrt. Dass sie sich auflehnt gegen den Konsum und die ökologische Gedankenlosigkeit der Älteren. Sei es im Netz oder auf der Straße. Doch wen wundert's? Schließlich werden die Kinder heutzutage bereits in der Grundschule entsprechend geeicht: Sie lernen, welche Arten Müll es gibt, und wie man ihn korrekt trennt. Dass Plastik die Meere vermüllt und Autofahren ganz schlecht ist für die Luft. Dass es Lebensmittel gibt, die sehr ungesund weil süß respektive fettig sind, und solche, deren Ökobilanz verheerend ausfällt. Die süß-saure Kiwi aus Neuseeland zum Beispiel. Und dass Essen dieser beiden Kategorien keinesfalls in den Einkaufskorb gehört. Der nämlich sollte gefüllt sein mit Waren des guten Gewissens: also gesund, bio, regional oder wenigstens fair gehandelt. Was das für den Geldbeutel der Eltern bedeutet? Egal!

"Sind die Karotten denn auch bio?", fragt der Zehnjährige aus Grafing beim Einkaufen im Supermarkt also seine Mama. "Ja, natürlich", gibt diese zurück. Glück gehabt! Auch Milch und Butter stoßen beim kritischen Nachwuchs dank entsprechenden Etiketts auf Einverständnis, schwieriger wirds da schon bei der Pasta aus Italien und dem Kaffee von sonst woher. Erst nach einer eher unerfreulichen Diskussion dürfen diese Dinge im Einkaufswagen landen.

"Ist ja alles schön und gut", denkt sich die Mutter, und ersteht bei nächster Gelegenheit eine Süßigkeit nach des Sohnes neuem Geschmack: ganz gesunde Bio-Gummibärchen. Der Julius freut sich - zunächst. Als er nämlich die ersten Gummitiere in den Mund geschoben und etwas zerkaut hat, verzieht sich sein Gesicht. "Bähhh!" Die restliche Tüte, aus Plastik wohlgemerkt, landet dann ganz schnell wieder bei der Mama.

Tja, man kann eben nicht immer alles haben im Leben, so lautet diese kleine Lektion. Ein gutes Gewissen und Genuss - das schließt sich leider manchmal einfach aus.