bedeckt München

Mitten in Ebersberg:Zunge raus zu Radiohead

"What the hell am I doing here?" Ein Abstecher ins Corona-Testzentrum gibt Anlass zum Schmunzeln - und zum Nachdenken

Glosse von Franziska Langhammer

Gerade ist es schon verzwickt. Da kratzt es ein bisschen im Hals, dann kommen vielleicht noch Gliederschmerzen dazu, und der Kopf drückt auch. Was tun, als verantwortungsvoller Citoyen des Landkreises? Man will ja nicht wie Typhoid Mary dazumal umherwandeln und unwissend die Umgebung in Mitvirusschaft ziehen.

Aus Verunsicherung wird der Arzt des Vertrauens angerufen, der - natürlich - zum Coronatest rät. Blöd erwischt haben es diejenigen, die Donnerstagabend erste Symptome zeigen. Denn erst am Montag lässt sich die Teststation zur Terminvergabe wieder anrufen.

So. Am Montag ist das Kratzen weg, die Gliederschmerzen auch, nur der Kopf drückt immer noch. Die nette Arzthelferin bekräftigt: "Machen Sie vorsichtshalber einen Test." Heißt aber auch, dass man bis zum Testergebnis eigentlich logischerweise in die Quarantäne muss. Pfff. Das Display des Handys beweist es: 42 Versuche hat es gebraucht, ehe man gegen Montag Spätnachmittag endlich telefonisch bei der Teststation durchkommt und einen Termin ausmachen kann. Den bekommt man allerdings erst am Dienstag Vorabend.

Endlich ist es soweit. Mittlerweile fühlt man sich zwar wieder rundum gesund, aber es geht hier ums Prinzip. Alle anderen, die an diesem grauen Dienstagnachmittag vor dem Testzentrum warten, scheinen genauso fit wie man selbst. Einige Papas und Mamas sind mit ihren Kleinen auf dem Arm gekommen. Das ist wohl die Schnupfnase, die getestet werden muss.

Im Vorraum der Teststation wartet ein tanzender Alien. Von oben bis unten in Schutzkleidung gehüllt, verweist der hektisch nach vorne und hinten tippelnde Mensch auf ein X, auf das man sich stellen soll. Der Soundtrack könnte nicht passender sein: Laut wummert eine Technoversion von "Creep" der Band Radiohead durch den Raum. Man bekommt einen Zettel in die Hand gedrückt und wird in den nächsten, ungleich größeren Raum komplimentiert. Auch hier wartet wieder das X. "What the hell am I doing here? I don't belong here...", dröhnt es. Zum Grinsen bleibt keine Zeit, der nächste Alien tippelt auf einen zu, Mund auf, Zunge raus, Stäbchen rein, und bitte jetzt raus aus dem Zimmer. Vorbei ist die Testdisco.

Etwas bedröppelt steht man vor der Teststation und überlegt noch, was eigentlich gerade passiert ist, da wird man schon von der nachfolgenden Testperson überrannt, die aus dem Zimmer ins Freie purzelt. Zwei Tage und einen halben dauert es, da piepst das Handy: "Ihr Testergebnis ist negativ ausgefallen." Erleichterung? Eher Bestätigung. Oder, wie Radiohead es ausdrücken würden: "You float like a feather in a beautiful world."

© SZ vom 27.10.2020

Lesen Sie mehr zum Thema

Zur SZ-Startseite