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Mitten in Ebersberg:Von Böllern und Bienen

Immer wieder wird dazu aufgerufen, statt für Feuerwerk das Geld für Wichtigeres auszugeben. Doch eine neue Initiative führt womöglich auf die falsche Fährte

Manche Tätigkeiten scheinen bei manchen Mitmenschen einen Widerspruchsreflex auszulösen. Je nach Zielgruppe sind das etwa Rauchen, Fleisch essen, alkoholische Getränke konsumieren oder Sitzen, weil das ist ja bekanntlich das neue Rauchen. Besonders viel - wenn auch angesichts seiner Dauer offensichtlich komplett zweckloser - Widerspruch schlägt ja gemeinhin der Böllerei entgegen. Neben den üblichen spielverderberischen Argumenten - "zu laut", "zu stinkig", "zu grell" - hält sich auch beharrlich die "Statt"-Argumentation. Also mit weltverbesserlicher Vehemenz vorgetragene Vorschläge, was sich doch mit dem Geld für die Ballerei und Raketenschießerei so alles Besseres machen ließe.

Klassiker ist der seit den 1980er Jahren geprägte Spruch "Brot statt Böller", trotz des seit ebenso langer Zeit von Skeptikern und/oder Witzbolden vorgebrachten Einwandes, dass weder mit Semmeln noch mit Baguette oder Pumpernickel ein ordentliches pyrotechnisches Spektakel hinzubekommen sei. Pragmatiker verweisen hier auf die besonders in Bayern verbreitete Weisheit, dass Brot auch in flüssiger Form vorkommt und fordern "Bier statt Böller". Was bei konsequenter Anwendung zumindest dem Konsumenten eine Art von Feuerwerk bescheren kann: in Form der Sternchen, die sieht, wer nach zehn Halben den Laternenmasten übersieht.

Aber genug der Spöttelei, schließlich soll mit der "Statt"-Krittelei ein Mitmensch von der Verschwendung durch den Kauf von Ballerprodukten ab- sowie dazu angehalten werden, mit dem Geld Sinnvolleres zu tun. Etwa die Bienen retten. So hoffen es zumindest Grüne, ÖDP, Bund Naturschutz und Landesbund für Vogelschutz. Die Initiatoren eines Volksbegehrens für den Schutz der Artenvielfalt haben nun den Slogan ausgerufen "Bienen statt Böller". Wer das Anliegen unterstützt, soll doch neben seiner Unterschrift auch eine kleine Spende dalassen, am besten zu bezahlen aus dem Böller-Fonds, so die Hoffnung der Artenschützer. Die offenbar selbst der Böllerei völlig unverdächtig sind, sonst hätten sie wahrscheinlich einen anderen Slogan gewählt: Ist doch die "Einstiegsdroge" für alle Böller- und Raketenfans bekanntlich ein kostengünstiges und ganzjährig frei verkäufliches Feuerwerksprodukt mit dem Namen "Tolle Biene". . .