Süddeutsche Zeitung

Mitten in Ebersberg:Einmal Foodstyling, bitteschön!

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Manche Berufe sind selten. Und selten sind sie alltagstauglich. Gerade an Geburtstagen kann das ganz schön doof sein.

Glosse von Franziska Langhammer, Ebersberg

Joey hatte schon immer einen Riecher für das große Geld. Und so hat der Charakter aus der Sitcom Friends bereits vor 25 Jahren vorhergesehen, was sich wirklich lohnt: die Tätigkeit als Handmodel. Während eines Trips der Freunde nach Las Vegas findet Joey zufällig an einem Roulette-Tisch seinen Händezwilling - eineiig noch dazu! Begeistert versucht er, auch den anderen Hand-Träger davon zu überzeugen, dass sie zusammen ganz groß rauskommen können. Hands up!

Tatsächlich sind Handmodels heute sehr gefragt. Sie werden zum Beispiel bei Nahaufnahmen von Promis verwendet, oder für Werbezwecke. Bewerben kann sich, wer weder Narben noch Muttermale an den zehn Griffeln vorzuweisen hat, dafür lange Nagelbetten, ebenmäßigen Teint und keine hervorstehenden Knochen. Die Hexe von Hänsel und Gretel wäre also schon mal raus.

Apropos ungewöhnliche Jobs. Die Neuzeit bringt davon ja so einige mit sich. Siehe Industriekletterer, Golfballtaucher, professionelle Schlangesteher. Und Food Stylisten. Das sind Menschen, deren Aufgabe es ist, Lebensmittel auf die schönste Art zu präsentieren. Sie dekorieren, rezipieren, ästhetisieren. Mitbringen müssen sie vor allem Geduld und Kreativität.

So einen Food Stylisten, den würde man am liebsten einmal im Jahr buchen. Und zwar zum eigenen Geburtstag. Da gibt es nämlich immer wieder Missverständnisse zwischen der Backform und dem Liebsten. Der Liebste will einen Kuchen backen, der Kuchen will nicht aus der Backform. Nicht erst einmal stand dann auf dem liebevoll geschmückten Geburtstagstisch ein grauenhaft zusammengefallener Klumpen Teig mit einer Kerze drin.

So hässlich waren die Kuchen, dass sie schon in der Familie zum geflügelten Wort wurden. Letztens aber, zum Geburtstag der Oma, da hat der Opa sich im Rezept vertan. Statt einer leckeren Apfelweintorte wurde auch die Oma mit einem undefinierbaren Bröselknödel bedacht. Schlecht schmeckte er nicht, das musste sie zugeben. Gut aber auch nicht.

Ja, vielleicht hätte auch dieser Kreation eine Überarbeitung durch einen professionellen Food Stylisten nicht geschadet. Der Opa hat schließlich ein bisschen Sahne drüber gemacht und dem Nachbarn ein großes Stück vorbeigebracht. Und dem hat es geschmeckt, so berichtet es der Opa stolz. Oder zumindest hat er sich nicht getraut, was anderes zu sagen.

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