Mitten in Ebersberg Sonderbares im Saumbiotop

Eine Autofahrt ist langweilig? Von wegen - an den Straßenrändern kann man bisweilen spannende Beobachtungen machen!

Kolumne von Jessica Schober

Randzonen sind interessant. Die Biologie nennt sie Ökoton und meint damit jene Saumgebiete zwischen zwei Landschaften, in denen sich besonders viel Leben tummelt. Hecken an Wald- und Feldrändern sind beispielsweise wahre Oasen der biologischen Diversität, weshalb allerorten Umweltverbände für die Rückeroberung der Hecke kämpfen, damit sich dort wieder Insekten und Kleintiere ansiedeln können. In dem Bereich zwischen Wald und weiter Flur ist die Natur eben am vielfältigsten, dort ist das Gekrabbel und Gekrauche am buntesten. Und eben dieses Phänomen lässt sich auch in einem anderen Randgebiet beobachten, dem Ebersberger Straßenrand.

Nähert man sich jenem mit der gebotenen ethnologischen Neugier bei gleichzeitiger Deckung im eigenen Fahrzeug, kann man dort eine atemberaubende Vielfalt studieren. Innerhalb nur einer Tages kann man so beispielsweise im Ebersberger Forst einem BMW-Fahrer dabei zuschauen, wie er auf einen Feldweg abbiegt und vor einem Kruzifix parkt. Nicht etwa um Schwammerl zu sammeln oder Abbitte zu leisten - sondern um sich anderweitig zu erleichtern. Blasphemische Blasenschwäche? Man weiß es nicht.

Nur wenige Kilometer weiter, kurz vor dem Forstinninger Ortsteil Moos, zeigt sich in den Randzonen der Staatsstraße ein anderes sonderbares Verhalten der menschlichen Spezies: Ein junger Mann hat seinen Golf auf dem Feld geparkt und praktiziert offensichtlich jenes Balzverhalten, das die jüngere Generation auf Youtube gern unter "Shuffle-Dance" verschlagwortet: ein rhythmisches, wenngleich absurd anstrengendes Hüpfgebaren zu basslastiger Musik.

Lässt man den einsamen Zappler seiner Leidenschaft vor der Motorhaube frönen und nähert sich dem Biotop erneut in den frühen Morgenstunden, sieht man den Schlag von Mensch, der sich auf die Pirsch begibt: Vor einem Wahlplakat der SPD-Kandidatin Doris Rauscher am Ebersberger Ortseingang hat sich ein Wesen eingefunden, das der Abgebildeten erstaunlich ähnlich sieht. Der Versuch, sich selbst und das Wahlplakat mit dem Smartphone abzulichten, kann hierbei wiederum als faszinierendes Beispiel anthropozentrischen Rasseverhaltens gewertet werden: Wenn am Straßenrand einmal das Leben tobt, dann will es eben auch gesehen werden.