Mitten in EbersbergSchrankwand für unterwegs

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Vor einer beliebigen Zeitungsredaktion in einer beliebigen Kreisstadt stellt ein Lieferwagen die Parkplätze zu. Skurril wird es vor allem, wenn man einen Blick in den Laderaum riskiert

Von Wieland Bögel

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Werbung und Wirklichkeit sind zwei Welten, die nicht weiter auseinander liegen könnten, als sie es denn eben tun; was der mündige Konsument natürlich längst weiß - "weißer als weiß" sogar, um mit einem Klassiker der Werbeslogans zu sprechen. Bei allzu kühnen Versprechungen ist allerdings manchmal juristisches Einschreiten erforderlich, wie vor einigen Jahren, als ein Gericht einem Produzenten von Milchprodukten offiziell die Gleichsetzung von Joghurt mit gebratenen Rinderscheiben untersagte. Ganz ganz selten indes scheinen sich die Sphären der schönen Warenwelt und der echten Welt zu überschneiden, so geschehen nun auf einem beliebigen Parkplatz vor einer beliebigen Zeitungsredaktion in einer beliebigen Kreisstadt.

Dieser ist schon seit langem ziemlich knapp bemessen, seit kurzem aber noch deutlich knapper - die Hälfte der Plätze nehmen seit einiger Zeit nämlich dort abgestellte Lieferwagen ein. Im Moment ist es jener eines Möbelhauses. Auf dessen Seite natürlich ein Werbespruch prangt, geworben wird für Qualität aus eigenen Werkstätten. Dass der Spruch tatsächlich zu stimmen scheint und dass wirklich drin ist, was draufsteht, wird nach einem Blick auf, genauer in den Lastwagen ersichtlich. Dort befindet sich nämlich - ja genau: eine Werkstatt. Voll eingerichtet, samt Schreiner und Kreissäge und beide sind auch fleißig bei der Arbeit.

Eigentlich vorbildlich in Zeiten, wo sich alle über die ausufernde Lieferanten-Unkultur aufregen. Statt Möbel auf die Reise zu schicken, am besten jedes Brett mit einem eigenen Lieferdienst, kommt künftig einfach die mobile Fabrik direkt zum Kunden. Und die muss ja nicht auf Mobiliar beschränkt sein. Schließlich gibt es noch immer viel zu viele Produkte, für deren Erwerb man entweder den mühsamen Weg in einen Laden oder das nicht minder mühsame Warten auf den Lieferanten auf sich nehmen muss. Statt des Würstelstands kommt künftig etwa der Weißwarenimbiss und bietet Waschmaschinen zum Mitnehmen am Straßenrand...

Gegen Büroschluss macht sich die mobile Schreinerei dann wieder auf den Weg zum nächsten Einsatzort, dem Betrachter bleibt nur die Spannung auf den nächsten Morgen. Welcher Lastwagen wird wohl dann den Parkplatz einnehmen? Beim Blick durch das Büro bleibt dieser auf den schon sehr in die Jahre gekommenen Grünpflanzen hängen - da wird es doch Zeit, dass endlich ein mobiles Gewächshaus mit Straßenverkauf mal vorbeikommt.

© SZ vom 11.01.2017 - Rechte am Artikel können Sie hier erwerben.
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