bedeckt München

Mitten in Ebersberg:Odyssee eines Eherings

Wie ein im Schnee verlorenes Kleinod der Liebe dank des Engagements einer Ebersberger Familie wieder zu seinem Besitzer findet

Glosse von Franziska Langhammer

Die Liebe gleicht einem Ring, und der Ring hat kein Ende, besagt ein russisches Sprichwort. Aus diesem Grund streifen sich Paare meistens am Tag der Eheschließung ebendiesen um den Finger, als Zeichen der endlosen Liebe. Der Plan ist, den Ring ein Leben lang zu tragen. Dass aber auch manchmal der Ring zwischendurch verschwindibus gehen kann, davon kann Elvira Weißmann-Polte ein Liedchen singen.

Die Ebersberger CSU-Politikerin war nämlich kürzlich mit ihrem Mann rund um den Egglburger See spazieren. Unterhalb der Kapelle bei Vorderegglburg machte ihr Mann eine Entdeckung im Schnee. "Ich dachte zuerst, das ist ein umgedrehter Flaschenverschluss", erzählt er am Telefon. Als er das glänzende Stück dann mit dem Fuß lüpft, hat er einen Ring vor sich liegen. Einen sehr wertvollen Platinring, fügt Elvira Weißmann-Polte hinzu. Zuhause nimmt ihr Mann den Ring unter die Lupe. Das Hochzeitsdatum ist eingraviert, der 3. November 2011, sowie ein Name, den das Ebersberger Ehepaar für einen fremd klingenden Männernamen hält.

Elvira Weißmann-Polte ruft beim Fundamt an. Dort wird ihr gesagt, dass sie das Fundstück behalten könne, wenn sich in einem halben Jahr immer noch keiner gemeldet habe. "Das wollte ich ja gar nicht", so Weißmann-Polte. Kurzerhand postet sie ein Foto des Rings auf Facebook, ihre beiden Töchter - alte Hasen in Sachen Social Media - unterstützen sie tatkräftig, posten, verschicken Mails. Mehr als 160 mal wird der Post geteilt. "Ich hab dazugeschrieben, bitte per Messenger melden", sagt Elvira Weißmann-Polte. "Und dass der eingravierte Name angegeben werden muss." Ein Franz oder ein Sepp, die hätten den Ring nicht bekommen. Denn der eingravierte Name ist so ungewöhnlich, dass er der ehemaligen Lehrerin Elvira Weißmann-Polte in 45 Jahren Schuldienst noch nie untergekommen ist.

Tags darauf, wieder am Egglburger See. Spaziergänger beobachten eine junge Frau und ihren Sohn dabei, wie sie mit einem Metalldetektor den Weg absuchen. Was sie denn suche, fragen sie die junge Frau. Diese antwortet, ihr Mann habe vor wenigen Tagen seinen Ring verloren, ungefähr hier. Er habe seine Hände im Schnee sauber gemacht und dabei wohl aus Versehen das Kleinod vom Finger gestreift. Die Spaziergänger werden hellhörig. Hatte da nicht jemand kürzlich was gepostet? Schnell führt die Spur zu Elvira Weißmann-Polte.

"Die Frau war hin und weg", berichtet diese über die Rückgabe des Rings. So glücklich sei sie gewesen, dass sie das Ehepaar Polte zum Essen einladen wollte. Elvira Weißmann-Polte jedoch, Mitgründerin des Frauennotrufs Ebersberg, schlug eine Spende für ebendiesen vor. Und so gab es in den letzten Tagen noch eine dritte Partei, die sich über den wiedergefundenen Ring freuen konnte.

"Wir waren selbst erstaunt, wie schnell das alles gegriffen hat", sagt Weißmann-Polte über den kurzzeitig herrenlosen Ring. Mit freundlicher Erlaubnis der jungen Frau postete sie nun ein Foto von beiden Eheringen nebeneinander mit der Bemerkung: "Was zusammengehört, soll zusammen bleiben."

© SZ vom 21.01.2021
Zur SZ-Startseite

Lesen Sie mehr zum Thema