Mitten in EbersbergMorgen wird ausgezogen

Bei "zu viel Familie" im Elternhaus hilft nur die Wohnungssuche - nur blöd, dass derzeit anderswo so gar nichts los ist

Glosse Von Nathalie Stenger

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Seitdem das älteste der Geschwister ernsthaft beschlossen hat auszuziehen, und diesen Gedanken auch mit der nächsten Verwandtschaft geteilt hat, ist das der Running Gag in der Familie. Sobald die Stimmung schlecht ist, etwas nicht passt, wird von neuen Wohnorten gesprochen. Altersunabhängig! "Boah, ich zieh aus", sagt dann beispielsweise der Neunjährige, wenn er wieder mal sein Zimmer aufräumen soll. Oder früher als der Rest ins Bett muss. Das ist noch verständlich, aber auch das Familienoberhaupt, das für Miete und Verpflegung sorgt, spricht gelegentlich - wenn die Kinder mal wieder maximal faul sind - davon. Eigentlich müsste das Haus längst leer stehen.

Nun ist es aber so, dass auch die tatsächliche angehende Weggezogene ihren Plan noch nicht in die Tat umgesetzt hat. Bringt im Moment doch schließlich herzlich wenig, irgendwo hinzuziehen, wenn man ohnehin nur schwer Leute kennenlernen, geschweige denn irgendetwas tun kann. Dafür wird die Liste der Dinge aus dem Elternhaus, die voraussichtlich nicht vermisst werden, stetig länger: Die Teamkonferenzen des Kleinsten zum Beispiel, bei denen er kichernd für seine Schulfreunde durch die Zimmer rennt und seine Schwestern filmt. Oder die ständigen Diskussionen über Film- und Musikauswahl.

Besonders akut wird der Wunsch flügge zu werden, wenn sich der gesamte Clan morgens oder abends im Bad einfindet. Als gebe es ein geheimes Zeichen, woraufhin alle beschließen, genau jetzt, zu diesem Zeitpunkt, Zähne putzen zu müssen. Dann spricht sogar der Kleinste aus, was alle denken: "Zu viel Familie!". Wenn das so weitergeht, ist er noch vor der Großen aus dem Haus.

© SZ vom 10.03.2021 - Rechte am Artikel können Sie hier erwerben.
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