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Mitten in Ebersberg:Montagsmaler, Dienstagsköchin

Ein echtes Praktikum vor Ort in einem Betrieb ist in diesen Tagen nur schwer möglich. Gut, dass der Lockdown trotzdem zahlreiche Möglichkeiten bietet, in verschiedene Branchen hineinzuschnuppern

Glosse von Nathalie Stenger

Bei einem Praktikum handelt es sich um einen ehemals guten Weg für Heranwachsende, um herauszufinden, in welche berufliche Richtung es mal gehen soll. "Ehemals" deshalb, weil diese Herangehensweise nun doch schon wirklich veraltet ist. Wozu ein aufregendes Vorort-Erlebnis mit echten Kolleginnen und Kollegen, wenn man auch eine Pandemie haben und deshalb zu Hause in verschiedene Branchen hineinschnuppern kann? Das geht schneller und ist bestimmt genauso hilfreich für Schulabgänger.

Den Anfang der Berufsorientierung daheim macht das Paradebeispiel Homeschooling. Spielte man tatsächlich mal mit dem Gedanken, sich nach dem Lernen am Lehren zu versuchen, so gibt es heute nicht mehr viel zu diskutieren. Das hat sich, um es mit neutralen Worten zu formulieren, in der letzten Zeit einfach immer weiter herauskristallisiert. Beim Englischlernen mit dem Jüngsten im Haus zum Beispiel. What can you find in the livingroom? Schlechte Laune, lots of it.

Vielleicht ist ein Job, der ein bisschen mehr handwerkliches Geschick erfordert, besser geeignet? Friseurin? Ein Blick in den Spiegel und auf die Köpfe von Teilen der Familie zeigt ein gar nicht mal so übles Ergebnis, geht es über Spitzenschneiden hinaus, könnte es aber schwierig werden. Ähnlich verhält es sich es mit dem Gärtnern und der Floristik. Wer es schon nicht schafft, alle Pflanzen am Leben zu erhalten, während man ohnehin nur daheim ist, der hat sein Gießverhalten wohl auch nach Ende des Lockdowns nicht im Griff. Gekocht, gebacken, gemalt und dekoriert wurde ebenfalls schon, Gastronomie und Innenarchitektur sind somit auch abgehakt.

Womöglich macht eine Anstellung im informationstechnischen Bereich mehr Sinn. Immerhin hat man sich in diesen Monaten mehr denn je mit dieser Branche beschäftigt. Jetzt fehlt eigentlich nur noch ein Reinschnuppern in die Medizin, vielleicht sollte man sich hierfür allerdings doch um ein echtes Praktikum bemühen. Zukunftssicher ist die Branche.

© SZ vom 16.02.2021
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