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Mitten in Ebersberg:Lautlos Sterne schnuppern

Viele freuen sich, dass es wieder 360 Tage dauert, bis zum nächsten Feuerwerk - und tolle Lichteffekte am Himmel gibt es auch ohne Krach

Mit voller Kraft voraus ins neue Jahr! Nach diesem Motto starten, gezwungenermaßen, 2020 auch viele Hals-Nasen-Ohren-Ärzte im Landkreis. Grund dafür sind nicht nur fröhliche Rotznasen überall, sondern auch das gnadenlose Geböller, mit dem das neue Jahr traditionell in der Silvesternacht begrüßt wird. Dem grolligen Wumm-Wuiiiii folgt nämlich nicht selten ein hartnäckiges Piep-piep im Ohr, das, zu spät behandelt, schnell zu irreversiblen Hörschäden führen kann. Bis zu 150 Dezibel laut knallt es demjenigen in den Lauschapparat, der sich während der Zündung in unmittelbarer Nähe des Böllers befindet. Zum Vergleich: Ein vorbeiratternder Filzenexpress kann schon mal auf seine 85 Dezibel kommen, was auch so ziemlich genau die Grenze des für das Ohr Erträglichen darstellt. Bei einem solchen Lärmpegel ist es also schon egal, ob man es selber knallen lässt oder nur zuschaut. Da hilft auch kein ausgestreckter Zeigefinger Richtung östliche EU-Nachbarn, wo die Polenböller dank extra Blitzknallsatz bis zu 180 Dezibel erzeugen können. Zu laut ist zu laut, da sind sich die Experten einig, und raten schon seit Jahren, sich mit Ohropax oder Kopfhörern die Schallkanäle zu verstöpseln.

Mal abgesehen von den Lärmschäden: Braucht es diesen Abfall verursachenden Böllerwahn überhaupt? Und, wie sich jeder Leser bestimmt längst fragt, wieso bekomme ich so einen Artikel jetzt zu lesen, ein paar Tage danach und mehr als 360 Tage davor? Die Antwort findet sich, wie so meist bei den ganz großen Fragen, in der Natur. Diese hält nämlich, pünktlich zum Start des neuen Jahres, ein unvergleichliches Himmelsspektakel bereit, das umweltverträglich, ressourcenschonend und vor allem eines ist: lautlos. Besser noch: Wer dran glaubt, kann sich sogar etwas wünschen. Dazu muss man sich nur des Nachts unter freien Himmel begeben und nach oben schauen.

Derzeit und noch bis zum 5. Januar nämlich lässt sich dort besonders gut der Sternschnuppenregen der Quadrantiden beobachten, ein äußerst seltenes Gestirnen-Event. Vor allem in der zweiten Nachthälfte, wenn der Mond untergegangen ist und die Sterne die Vorherrschaft am Himmel übernehmen, sind diese sichtbar. Vielleicht eine Möglichkeit für den ein oder anderen, sich sein frisch erworbenes Piep-Piep wieder wegzuwünschen. Ganz ohne Wumm-Wuiii.

© SZ vom 04.01.2020
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