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Mitten in Ebersberg:Humor zu verschenken

Das kann doch nicht sein, mag sich der ein oder die andere  vielleicht denken. Den Humor kann man doch nicht verlieren. Scheinbar schon

Glosse von Nathalie Stenger

Der eigene taugt nichts mehr. Er weiß nicht mehr, was lustig ist und was nicht und selber Witze reißen kann er ebenso wenig. Nach so vielen Tagen, Wochen und Monaten, in denen so wenig zum Lachen, dafür so viel dramatisch war, ist ihm einfach nicht mehr zu helfen. Ein tragischer Fall.

Das kann doch nicht sein, mag sich der ein oder die andere nun vielleicht denken. Den Humor kann man doch nicht verlieren. Scheinbar schon.

Man muss sich das in etwa vorstellen, wie das Verhalten nach dem Konsum zu vieler alkoholischer Erfrischungen. Man lacht dann über Sachen, die man im Normalzustand nicht so bis gar nicht lustig gefunden hätte. Und nun tut man das eben ganz ohne Getränke.

Überhaupt ist das gesamte Sozialverhalten hinüber. Wenn man in weiter Zukunft also tatsächlich eine lustige Person finden beziehungsweise treffen würde - die Tiefen des Internets raten für ein Training des Humors unter anderem dazu, sich das Lustigsein von Spaßmachern abzuschauen, sich sozusagen von ihnen und ihrer Art inspirieren zu lassen - wüsste man nicht mal mehr, wie man sich ordentlich vorstellt. "Hallo, ich habe das letzte Jahr über nur gekocht und mein Haus ausgemistet. Und selbst?". Apropos, wie schüttelt man noch mal Hände? Und wie tanzt man eigentlich zu zweit? Allein bei dem Gedanken an künftige Sozialsituationen überkommt einen das bereits beschriebene unkontrollierbare Kichern.

Ein weiterer Tipp für aufpolierte Witzigkeit ist übrigens das Führen eines Humortagebuchs. Dort werden komische und potenziell lustige Erlebnisse aus dem Alltag festgehalten, um diese später bei gesellschaftlichen Ereignissen als Anekdote zur Belustigung aller präsentieren zu können. Da stellt sich nur die Frage, inwiefern jemand aktuelle Geschehnisse aus fremden vier Wänden für amüsant befinden kann. Also doch: Abholung nur privat, kein Versand.

© SZ vom 14.01.2021
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