Nachdem die Anti-Verbotsparteien das Gendern an Schulen treffender Weise zuerst in den Freistaaten Bayern und Sachsen verboten haben, ausschließlich und allein zum Schutz der Kinder freilich, bietet sich bei dem Thema ein Fokuswechsel auf die Altersklasse darunter an, also auf die Kindergartenkinder. Die sind bekanntlich noch nicht so verdorben von der linksgrünversifften Sprachpolizei, weswegen zum beispiel Paul, 4, gänzlich ohne Sternchen, Binnen-I’s oder Doppelpunkte auskommt. „Du bist mein bester Freund“, stellt er, konzentriert übers Bilderbuch gebeugt, fest – und begründet: „Weil du bist mein Patentanter“.
Von der Kausalität mal ganz abgesehen eine bemerkenswerte Wortneuschöpfung, in Fachkreisen auch Neologismus genannt, die sich offenbar weder von woker Sprachpolizei noch deren politischen Gegnern bevormunden lässt. Und die männliche Wortform tolldreist von der weiblichen ableitet. Paul traut sich was!
Von seiner Altersklasse lässt sich in Sachen gendersensible Sprache überhaupt so einiges lernen. Im Plausch mit Paula, ebenfalls vier Jahre alt, nicht jedoch Pauls Zwillingsschwester, ist unlängst die Berufswahl Thema. Paula erzählt, sie wolle später einmal als Krankenschwester arbeiten. Womöglich hängt der Wunsch mit bisweilen Elsa-blauer Dienstkleidung zusammen. Aber das ist eine andere Geschichte. Jedenfalls fährt Paula fort: „Und passend zu mir wird der Emil dann Krankenbruder.“
Der Emil ist Paulas kleiner Bruder. Nach seinen Karriereplänen wurde der Zweijährige zwar ausführlicher noch nicht befragt, grundsätzliches Interesse an Blaulichtern ist den Eltern zufolge aber vorhanden. Möglicherweise jedoch eher aus dem Feuerwehr-Kontext, weil unter deren Vertrag zusätzlich ein Helm getragen werden darf, bestenfalls sogar mit Funkenschutz im Nacken. Etwaigen Wünschen nach „cooleren“ Berufsbezeichnungen könnte Emil aber auch im Krankenhaus mit der nötigen Geschlechtersensibilität nachkommen. Zum Beispiel durch die Abwandlung von Krankenbruder zu „Krankenbro“.
Vorerst wird die Sprachpolizei wohl weiter von Erwachsenen besetzt. Das muss aber nicht immer die angemessene Perspektive sein. Als vor ein paar Tagen die Tram einfährt und Paula darauf hingewiesen wird, dass diesmal sogar eine Straßenbahnfahrerin vorne drinsitzt, stutzt die Vierjährige. „Ja, wer denn sonst?“


