MeinungMitten in EbersbergKinder zur Sprachpolizei!

Glosse von Thorsten Rienth, Ebersberg

Lesezeit: 1 Min.

Rosa, blau, gelb: Kleine Kinder mögen es gerne bunt. Das gilt auch für Geschlechtszuordnungen.
Rosa, blau, gelb: Kleine Kinder mögen es gerne bunt. Das gilt auch für Geschlechtszuordnungen. Carsten Rehder/dpa

Intuitives Gendern: Wenn der Krankenbruder mit dem Patentanter spielt. Von Vierjährigen lässt sich in Sachen sensibler Sprache so einiges lernen.

SZ bei Google bevorzugen

Nachdem die Anti-Verbotsparteien das Gendern an Schulen treffender Weise zuerst in den Freistaaten Bayern und Sachsen verboten haben, ausschließlich und allein zum Schutz der Kinder freilich, bietet sich bei dem Thema ein Fokuswechsel auf die Altersklasse darunter an, also auf die Kindergartenkinder. Die sind bekanntlich noch nicht so verdorben von der linksgrünversifften Sprachpolizei, weswegen zum beispiel Paul, 4, gänzlich ohne Sternchen, Binnen-I’s oder Doppelpunkte auskommt. „Du bist mein bester Freund“, stellt er, konzentriert übers Bilderbuch gebeugt, fest – und begründet: „Weil du bist mein Patentanter“.

Von der Kausalität mal ganz abgesehen eine bemerkenswerte Wortneuschöpfung, in Fachkreisen auch Neologismus genannt, die sich offenbar weder von woker Sprachpolizei noch deren politischen Gegnern bevormunden lässt. Und die männliche Wortform tolldreist von der weiblichen ableitet. Paul traut sich was!

Bildung der Zukunft
:Es ist Wissen, das zählt – nicht Papier

Wie Eltern ihre Kinder durch die sich wandelnde Bildungslandschaft begleiten können, weiß Pädagoge und KI-Experte Christian Pohl. Im Interview sagt er, worauf es in der Schule wirklich ankommt, nennt nützliche Lern-Apps und zeigt den Weg auf zum virtuellen Nachhilfelehrer.

SZ PlusVon Michaela Pelz

Von seiner Altersklasse lässt sich in Sachen gendersensible Sprache überhaupt so einiges lernen. Im Plausch mit Paula, ebenfalls vier Jahre alt, nicht jedoch Pauls Zwillingsschwester, ist unlängst die Berufswahl Thema. Paula erzählt, sie wolle später einmal als Krankenschwester arbeiten. Womöglich hängt der Wunsch mit bisweilen Elsa-blauer Dienstkleidung zusammen. Aber das ist eine andere Geschichte. Jedenfalls fährt Paula fort: „Und passend zu mir wird der Emil dann Krankenbruder.“

Der Emil ist Paulas kleiner Bruder. Nach seinen Karriereplänen wurde der Zweijährige zwar ausführlicher noch nicht befragt, grundsätzliches Interesse an Blaulichtern ist den Eltern zufolge aber vorhanden. Möglicherweise jedoch eher aus dem Feuerwehr-Kontext, weil unter deren Vertrag zusätzlich ein Helm getragen werden darf, bestenfalls sogar mit Funkenschutz im Nacken. Etwaigen Wünschen nach „cooleren“ Berufsbezeichnungen könnte Emil aber auch im Krankenhaus mit der nötigen Geschlechtersensibilität nachkommen. Zum Beispiel durch die Abwandlung von Krankenbruder zu „Krankenbro“.

Vorerst wird die Sprachpolizei wohl weiter von Erwachsenen besetzt. Das muss aber nicht immer die angemessene Perspektive sein. Als vor ein paar Tagen die Tram einfährt und Paula darauf hingewiesen wird, dass diesmal sogar eine Straßenbahnfahrerin vorne drinsitzt, stutzt die Vierjährige. „Ja, wer denn sonst?“

© SZ - Rechte am Artikel können Sie hier erwerben.
Zur SZ-Startseite

Neue Wege in der Bildung
:„Einmal ums Schulhaus rennen. Das kann Wunder bewirken“

Das Gymnasium in Kirchseeon macht vieles anders. Die Idee: Kinder brauchen Bewegung, um ihre innere Mitte zu finden - und gute Noten zu erzielen. Besuch in einer ziemlich einmaligen Schule.

SZ PlusVon Anja Blum und Peter Hinz-Rosin

Lesen Sie mehr zum Thema

  • Medizin, Gesundheit & Soziales
  • Tech. Entwicklung & Konstruktion
  • Consulting & Beratung
  • Marketing, PR & Werbung
  • Fahrzeugbau & Zulieferer
  • IT/TK Softwareentwicklung
  • Tech. Management & Projektplanung
  • Vertrieb, Verkauf & Handel
  • Forschung & Entwicklung
Jetzt entdecken

Exklusive Gutscheine für SZ-Abonnenten: