Am Rand vom Ebersberger Marktplatz steht ein Schild, dessen Botschaft eine Unschärfe enthält. "Jeden Mittwoch Wochenmarkt 6-18 h" steht drauf. Was nicht hundertprozentig stimmt, weil es eben Ausnahmen gibt. Gerade etwa grätscht der Feiertag dazwischen. Mariä Himmelfahrt ist da - deswegen ist der Ebersberger Marienplatz jetzt leer. Der Markt und seine Menschen sind vom Marktplatz verschwunden.
Die Kirchenuhr zeigt gerade kurz nach zwölf an. Markt-Halbzeit also. Eigentlich würde hier jetzt der Hendlmann stehen, bei dem es den Ketchup manchmal gratis dazu gibt. Und die Gemüsefrau, die immer so lacht, als hätte sie gerade einen Witz erzählt bekommen. Doch mit Feiertagen ist in Bayern nicht zu spaßen. Nirgendwo sieht man das besser als hier, wo gerade ein Bub mit seinem Radl über den Platz Richtung Kirche flitzt. So viel Freiheit wird er hier an einem Mittwochmittag nie wieder haben. Jetzt ist der Bub weg, und es wird so still, dass man das Uhrwerk im Kirchturm zu hören glaubt.
Viel weiter droben ertönt jetzt das Rauschen eines Flugzeugs. Wo das hinfliegt, ist bestimmt nicht Feiertag. Aber was hilft einem das, wenn hier nicht einmal der Brunnen plätschert, weil er mal wieder kaputt ist. Es läuft irgendwie nicht so richtig gerade. Wird gut sein, wenn diese Zeit überstanden ist. Nächstes Jahr zum Beispiel, da fällt Mariä Himmelfahrt auf einen Donnerstag. Oder nächste Woche - wenn am Mittwoch wieder normal Markt ist. Ja, man kann Märkte vermissen. Ist es mit dem Ebersberger Markt doch wie mit einem lieben Menschen. Manchmal muss er weg sein, um zu erkennen, was man an ihm hat.

