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Mitten in Ebersberg:Der Sommer wird sehr groß

Bislang haben alle aufregenden Tiere einen Bogen um den Landkreis gemacht, doch das könnte sich bald ändern. Der erste Auftritt des Wolfs jedenfalls war vielversprechend

Glosse von Wieland Bögel

Es ist nun schon wieder geraume Zeit her, da wurde an dieser Stelle das konsequente Fehlen sogenannter Sommertiere im Landkreis Ebersberg beklagt. Also jener Kreaturen, die dafür sorgen, dass auch der Sommer dahoam zumindest einen Hauch von Abenteuer bekommt. Heiße Kandidaten sind trotz ihres wechselwarmen Charakters natürlich diverse Reptilien im Badesee, schon allein wegen ihrer schuppigen und Jurassic-Park-mäßigen Anmutung. Aber auch ein dichtes Fell ist kein Hinderungsgrund für eine Sommertierkarriere, man erinnere sich an die Kuh Yvonne, die sich für ein Leben als Reh entschieden hatte, und natürlich an Problembär Bruno, der dann trotz unbestrittener Flauschigkeit allerdings kein so gutes Ende nahm. Um den Landkreis Ebersberg haben bislang indes alle aufregenden Sommertiere einen Bogen gemacht - vielleicht könnte sich dies heuer aber ändern.

Denn in den vergangenen Tagen hatte ein Kandidat für das mutmaßlich erste Sommertier im Landkreis sein Vorstellungsgespräch: Ein Wolf oder eine Wölfin war Ende April bei Niclasreuth gesichtet worden, hatte mutmaßlich mindestens ein Schaf verspeist und war dann wieder in den Wäldern und Filzen des südlichen Landkreises verschwunden. Was insgesamt ein durchaus gelungener Auftritt in Pflicht wie in Kür darstellt: Das unvermittelte Auftauchen, noch dazu in einer Art und Weise, dass es bislang nicht gelungen ist, ein eindeutiges Foto zu schießen, lässt das Publikum weiter gespannt sein: Ist es wirklich ein Wolf? Wo kam er her? Ist er noch da? Ist er überhaupt ein er? Denn auch hier ist das potenzielle Sommertier vorbildlich, indem es sich nicht einfach als "der" Wolf vorstellt, sondern auf dem Feld der Sommerlochvermeidung in geradezu Habeck'scher Manier die Gleichberechtigung voranbringt. Auch der für ein Sommertier zwar optionale, aber in der Gesamtbewertung nicht zu vernachlässigende Hauch von Gefahr kam durch das gefressene Schaf zum Ausdruck, alles in allem also ein gelungener erster Eindruck.

Nun heißt es: Nicht nachlassen, weitere Auftritte müssen bald folgen! Gerade in diesem Jahr wäre ein aktives Sommertier für den Landkreis wichtig wie selten zuvor. Für die von Corona so arg gebeutelte Touristik- und Gastronomiebranche könnte ein wilder Wolf eine nicht zu unterschätzende Werbeaktion sein, und für alle anderen, die mal wieder den Urlaub dahoam verbringen müssen, gäbe es immerhin einen Hauch von Abenteuer.

© SZ vom 08.05.2021
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