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Mitten in Ebersberg:Das tangiert nur peripher

Wenn die Sprachwelten zweier legobauender Kinder aufeinandertreffen, kann das zu amüsanten Situationen führen

Glosse von Nathalie Stenger

Ein Freund des kleinen Bruders hat einen Wahnsinnswortschatz. "Oh, ich muss mal eben umdisponieren", sagt er öfter mal, wenn sie sich am Telefon zum Spielen verabreden. Oder: "Ich muss nochmal nachfragen, ob ich Zeit habe, ich bin gerade desorientiert." Erkundigt man sich dann später beim Spielenachmittag, wie oder woher das Kind denn diese besonderen Begriffe kenne, zuckt dieses nur mit den Schultern. "Die merke ich mir, wenn meine Schwester die deutschen Übersetzungen zu ihren Lateinvokabeln vorliest." Aha. "Manchmal nervt es auch", heißt es dann, "wenn ich einen Vortrag halte, weiß ich nicht, welches Wort ich nutzen soll. Oder welche Sprache." Lehrersohn.

Das eigene Bruderherz spricht irgendwie ein bisschen anders. Vielleicht weil sich sein Wortschatz aus fragwürdigen Gaming-Videos aus dem Internet und der Jugendsprache seiner Schwester (der anderen Schwester!) nährt. Wenn man dies gerne ändern möchte, und deshalb komplexere Wörter im Alltag nutzt und sie ihm im selben Atemzug erklärt, bringt das aber auch nichts, kommt dann nämlich meist ein "Juckt mich nicht!".

Tatsächlich ist es aber auch recht lustig, wenn die beiden Sprachwelten beim Legobauen oder Radfahren aufeinandertreffen. Vor allem, wenn dem Freund gelegentlich eine Redewendung entfährt, die in bestimmten Zusammenhängen schlichtweg falsch ist. Dampf ablassen bedeutet nicht einfach, in die nächste Straße abzubiegen. Naja, ist ja auch egal in dem Alter. Oder: Juckt nicht.

© SZ vom 02.03.2021
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