Süddeutsche Zeitung

Mitten in Ebersberg:Da steppt der Bärli

Ein kleiner Ebersberger Kater ist ein bisschen berühmt geworden. Doch das Tier hat Besseres zu tun, als sich um seine Follower zu kümmern

Kolumne von Franziska Langhammer

Ein paar Jährchen ist es schon her, da erfuhr Sixto Rodriguez von seinem Ruhm. Der Musiker lebte zu diesem Zeitpunkt in bescheidenen Verhältnissen in Detroit, USA. Er ahnte nichts davon, dass er in Südafrika während der 70er zum Star avanciert war und immer noch als Legende galt, unter anderem durch seinen Song "Sugar Man". Ähnlich geht es derzeit einem flauschigen Ebersberger Landkreiskater, über den an dieser Stelle vor einigen Tagen berichtet wurde, und der wahrscheinlich nichts davon ahnt, dass er derzeit viral geht.

Bärli, so heißt das prächtig-befellte Tierchen, bettelt anscheinend an einem Ebersberger Supermarkt die Einkäufer an. Deshalb hat sein Besitzer ein Foto von Bärli dort aufgehängt mit der Aufforderung: "Bitte nicht füttern!" Seit wir in einer Kolumne darüber berichteten, steht das Telefon nicht mehr still. Also fast nicht. Der SZ-Bayernteil twitterte Bärlis Foto samt Ausführungen dazu. Die BR Abendschau rief an und wollte mehr Infos, zu sehen ist Bärli nun in der Sendung vom vergangenen Donnerstag etwa ab Minute 19. Ein paar Tage später stellt die Kollegin einen weiteren Anruf durch: "Vom Sat1 Frühstücksfernsehen, für dich." "Wegen Bärli?" "Ja, ich verbinde mal!"

Ach Bärli. Wenn du wüsstest, wie sehr sich die Welt derzeit über eine Auszeit von Trump und Corona freut, wie sehr sich die Menschen nach Geschichten von einem zufriedenen Strawanzer wie dir sehnen. Und dann, vor zwei Tagen, kommt es zu einer eindrücklichen Begegnung. Beim Joggen in Ebersberg, nahe dem Supermarkt, an dem Bärli nicht gefüttert werden darf, spaziert eine dickfellige Katze neben einer kinderwagenschiebenden Frau. Bleibt mal stehen, holt dann wieder auf, schaut nach links und rechts. Es braucht keinen zweiten Blick, das muss er sein! Ein vorsichtiges "Bärli?" bestätigt, dass es sich um das Katerchen handeln muss, das derzeit in allen bayerischen Medien gefragt ist. Doch Bärli hat keine Zeit für seine Follower, er folgt lieber seiner Spazierpartnerin, nicht jedoch ohne vorher den Schwanz grüßend nach oben gedreht zu haben. Und dann ist er weg.

Man bleibt zurück, lächelnd, irgendwie froh. Und ärgert sich dann doch, den kleinen Ebersberger Promi nicht um ein gemeinsames Selfie gebeten zu haben.

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Quelle:
SZ vom 13.11.2020
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