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Mitten in Ebersberg:Auf ins Himmelreich

Der Wind, der vor allem oft nachts mit Stärke 8 bis 9 ums Haus pfeift, nervt mittlerweile viele Ebersberger. Eine mögliche Beschwerdestelle ist aber gar nicht so weit entfernt

Mittlerweile dürfte selbst dem größten Ignoranten klar sein, dass mit dem Klima auf der Welt nicht mehr alles so in Ordnung ist. Und nur der große Donald über dem großen Teich glaubt noch daran, dass nicht die Menschheit daran schuld ist. Und wenn, dann aber auch nur die EU oder China. Den Winter 2019/20 können wir jedenfalls getrost vergessen. Statt klirrender Kälte und Schneeschippen tosen nämlich Stürme auch durch den Landkreis. Erst das Sturmtief Sabine, dann das Orkantief Victoria, danach Xanthippe, gefolgt von Yulia, das am Wochenende über uns fegte, und Zehra steht schon vor der Tür.

Was die Winterdienste freut, nervt mittlerweile eine ganze Menge Ebersberger: Ein Wind, der vor allem oft nachts mit Windstärke 8 bis 9 ums Haus pfeift. Das sind immerhin Windgeschwindigkeiten von 62 bis 88 Stundenkilometern. Wer das Glück hat, in den geschützten Lagen oder inmitten von anderen Häusern zu leben, bekommt die ganze Wucht gar nicht zu spüren, alle anderen fragen sich am nächsten Morgen: Was ist heute wieder flöten oder kaputt gegangen, obwohl man sich doch diesmal sicher gewesen ist, dass alles sturmsicher gemacht wurde. Aber was hat dann gegen 1 Uhr nachts so draußen gescheppert?

Ein gefundenes Fressen für die stürmischen Mädels sind Mülltonnen, die abends herausgestellt wurden, weil früh morgens die Müllabfuhr kommt. Vor allem die gelben Säcke sind Spielbälle vom himmlischen Kind. Hey, was macht es Spaß, sie durch die Luft zu wirbeln und den Inhalt zu verstreuen. Inwieweit Sabine, Yulia und Co. politisch interessiert sind, ist unbekannt. Auf jeden Fall wissen sie offenbar nicht, dass man sich strafbar macht, wenn man Wahlplakate beschädigt oder zerstört (Paragraf 303 StGB). Es droht eine Freiheitsstrafe von bis zu zwei Jahren. Aber wohin soll man den Strafbefehl senden? Petrus? Im Volksglauben wird der Apostel Petrus als verantwortlich für das Wetter angesehen und in diesem Zusammenhang auch als Wettergott bezeichnet. Und da er der Chef ist: Sankt Petrus, Himmelspforte 1, Himmelreich? Aber welches? Allein in Deutschland gibt es zehn Himmelreiche. Davon fünf in Bayern. Das nächste ist übrigens nicht weit weg, sondern in der Gemeinde Bodenkirchen im Landkreis Landshut. Für Ebersberger, also aus der Kreisstadt, laut Google Maps in exakt einer Stunde mit dem Auto zu erreichen. Von wegen, dass das Himmelreich nicht für jeden zu erreichen ist. Auto genügt.

© SZ vom 25.02.2020
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