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Mitten in der Region:Wachssiegel des Internets

Es gibt einige Gründe, sich die eigene E-Mail-Signatur mal genauer anzuschauen

Mails sind die Geisel moderner Kommunikation. Es fliegen schlicht zu viele täglich ins Postfach. Das eigentlich Schlimme daran ist, dass der schieren Menge wegen die einzelne Nachricht lustlos weggetippt wird. Was muss es für ein erhabener Moment gewesen sein, als Briefe noch feierlich mit Wachssiegeln verschlossen wurden? Dabei war das Siegel kaum etwas anderes als das, was man heute "E-Mail-Signatur" nennt.

Und damit sind wir beim Thema: uninspiriert hingerotzte Signaturen. Darin zu finden sind in der Regel Kontaktdaten - die man dank des Mailaustauschs ja eh schon hat. Wie eine Blume, die aus dem Dunghaufen der Signaturen erblüht, kommt einem da der Zusatz unter Mails eines Münchner PR-Büros vor: "Die Queen rennt auch nicht." Wahrheiten können manchmal so schlicht daher kommen und doch so tief greifen. Denn: Warum sollte man sich stressen, wenn selbst die Königin das verweigert? Es sollte mehr von solchen gedanklichen Schmankerln geben. Die Signatur, das Wachssiegel des Internets, ist dafür ein idealer, wenngleich vollkommen unterschätzter Platz. In Anlehnung an ein afghanisches Sprichwort bietet sich für Pendler an: "Wir haben die Uhren und die S-Bahn die Zeit." Wer das verstanden hat, fährt viel entspannter in die Arbeit. "Was? Ein überfluteter Tunnel?" Der Blick auf die Uhr hilft ja auch nicht weiter, wenn die S-Bahn sich die Zeit nimmt. Für Fatalisten, denen das Pendeln antrainiert hat, nicht mehr an die Macht des eigenen Willens zu glauben, böte sich an: "Die Titanic ist doch auch gesunken." Wer sich dem Fitness- und Optimierungswahn entziehen will, dem sei mit Blick nach Fernost dies empfohlen. "Von Buddha gibt es nur Statuen im Sitzen." Oder haben Sie mal Buddha beim Bankdrücken oder Joggen gesehen? Eben. Der Hinweis, die Mail "der Umwelt zuliebe" nicht auszudrucken, passt übrigens weiterhin in jede Mail. Noch ein Grund, sich seiner Signatur mal ernsthaft anzunehmen.