Mitten in der Region Geschenke? Geschenkt!

Präsente sind etwas Wunderbares - wenn man sie freiwillig gibt. Eltern eines Schulkinds setzt das Thema im Juli hingegen oft gehörig unter Druck

Kolumne Von Carolin Fries

Vorneweg: Schenken ist eine großartige Sache. Das Bedürfnis, einer geschätzten Person mit dieser selbstlosen Geste eine Freude zu machen, ist zweifellos ein Gewinn für das Miteinander auf dieser Welt. Umso bedauerlicher ist es, dass die Bedeutung des Schenkens durch inflationären Gebrauch Schaden nimmt. Der Juli ist diesbezüglich ein trauriger Höhepunkt im Jahreslauf. Das Schuljahresabschluss-Schenken ist vor allem so grauenvoll, weil es, anders als zu Weihnachten, im Kollektiv stattfindet.

Ende Juni geht es bereits los. Es kommen erste E-Mails von den Klassenelternsprechern, was man denn der Lehrkraft des Kindes zum Schuljahresende schenken wolle. Die Frage beinhaltet die Voraussetzung, dass man der Lehrkraft etwas schenken will und dass man das gebündelt als Elternschaft tut. Die Tage darauf werden über den Verteiler von maximal fünf Personen Ideen ausgetauscht, die sich, je nachdem, ob es persönlicher oder praktischer sein soll, auf ein Büchlein selbstgemalter Bilder (also von den Kindern) oder Wein/Leckereien einigen. In den folgenden Tagen werden die Kinder von ihren Eltern gebeten, ein hübsches Bild für die Lehrerin zu malen ("Nein, nicht mit Maschinenpistole, Maxi! Mal' doch lieber eine Sonne und ein paar Blumen!") oder kriegen drei Euro mit. In der Zwischenzeit erreicht die Eltern die nächste E-Mail, dass man doch den Klassenelternsprechern für ihr Engagement eine Kleinigkeit schenken solle, und wer eine nette Idee hätte. Wer mehr als ein Kind in Kita oder Schule hat, gerät in einen wahren "Lasst-uns-schenken!"-Strudel.

Ein Entkommen ist kaum möglich. Deshalb ein Vorschlag zur Güte: Liebe Leute, schenkt, was das Zeug hält! Liebe Worte, selbstgemachte Bilder, Wein und Leckereien. Schenken ist eine sehr individuelle Angelegenheit, da sollte sich jeder ohne Zwang frei ausleben können, den Moment, die Art und den Umfang selbst bestimmen dürfen. Nicht jedes Kind will der Lehrerin eine Freude machen - dann halt nicht. Das ehrliche Geschenk ist immer wertvoller als das Alibi-Geschenk. Der Nebeneffekt: Entspanntere Mütter im Juli, die sich voll und ganz auf die Jahresabschlusskonzerte, -theateraufführungen und Sommerfeste konzentrieren können und die dazugehörigen kulinarischen Kreationen.