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Mitten in der Region:Ein Traum aus Schaum

Wer viel daheim ist, will es auch gemütlich haben. Doch nicht jede Verschönerungsaktion bringt den gewünschten Erfolg

Glosse von Nicole Graner

Nun, was macht man nicht alles, um die Zeit zu nutzen, die einem die Lockdown-Stille beschert? Man räumt, entrümpelt, mistet aus. Oder verschönert seine Umgebung. Entstaubt, putzt, auch dort, wo man noch nie geputzt hat. Wie schon im Frühjahr schweifen also die Blicke durch die Wohnung. Was gäbe es da bloß noch zu tun? Da, das Sofa! Die beliebte Familien-Lümmel-Landschaft hat es bitter nötig. Der helle Bezug ist doch etwas schmuddelig geworden. Also nichts wie ran.

Das Sofa wird auseinandergenommen, abgesaugt, die Spinnweben in den Ecken werden eliminiert. Und weil man es beim Kauf versäumt hat, doch auf einen waschbaren Bezug zu achten, muss man es irgendwie anders sauber kriegen. Mit Polster-Reinigungs-Schaum. Also schnell in die Drogerie gesaust und zwei Präparate gekauft. Ein teures und ein billigeres - müsste doch eh die gleiche chemische Formel sein, denkt man sich. Und dann frisch ans Werk. Die sogenannte Ottomane wird als erstes ordentlich eingeschäumt, dann abgerieben. Mit der zweiten Dose kommen die anderen beiden Sofateile dran. Jetzt gut einwirken lassen! Dann absaugen.

Zwei Stunden später: ein gellender Schrei! Die Ottomane ist schön hell geworden. Aber die anderen, die billiger Eingeschäumten? Sie sind zwar sauber, aber nun rosa! Wunderschön. Marmoriert rosa! Das kann doch alles nicht wahr sein! Ein paar Wuttränen. Und die Hätte-Hätte-Fahrradkette-Analyse! Ein Versuch: Mit dem guten Schaum nochmals drüber, aber nichts geht. Es bleibt dabei. Bei Tageslicht hat das Sofa nun Streifen, abends versenden sich die rosa Anteile im Kerzenlicht. Trotzdem ist die Laune im Keller, der Putz-Elan gestoppt. Ein paar Tage später: Man hat sich beruhigt. Nicht hinschauen hilft. Später einfach ein paar große Kissen drüber, natürlich passend zum neuen Look. Und der Trost: Lümmeln geht ja trotzdem noch.

© SZ vom 23.02.2021
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