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Mitmachen erwünscht:Per Achterbahn in die Zukunft

Wachsmaler, Wasserfarben und Buntstifte: Die Auswahl an Utensilien, die den kleinen Künstlern im Ebersberger Rathaus zur Verfügung stehen, ist groß. Außerdem hat jedes Kind ganz eigene Ideen, wie die Zukunft aussehen sollte. So entstehen die unterschiedlichsten Bilder.

(Foto: Christian Endt)

In einem Kooperationsprojekt zwischen Ebersberg und Dakar malen Kinder, wie sie sich ihr Leben später vorstellen und was sie sich wünschen

Stolz zeigt Mia ihr Werk, das sie mit Buntstiften auf Papier gebracht hat: Sie hat eine lange grüne Linie gemalt, die plötzlich einen Looping schlägt. Auf die Linie hat die Siebenjährige rote Wagen gemalt. "Ich möchte eine Achterbahn bauen", sagt sie. Sie macht mit anderen Kindern des Ebersberger Horts Sankt Sebastian bei dem Projekt "Little Future 2" mit. Dabei geht es darum, die Kinder nach ihren Vorstellungen für eine Zukunft in ihrem Heimatort und auf der Welt zu fragen.

"Meistens sind es die Erwachsenen, die meinen zu wissen, was gut für die Kinder ist", erklärt Roland Günther vom Dachsberg Institut, der das Projekt ins Leben gerufen hat. "Niemand fragt die Kinder selbst." Mit "Little Future" soll sich das ändern. Kinder aus Ebersberg und aus Dakar im Senegal sollen malen, was sie sich für die Zukunft wünschen. Dass eine Kooperation mit Afrika entstehen konnte, ist Antje Berberich, Galeristin und Stadtarchivarin in Ebersberg, zu verdanken: Sie stellte Günther vor ein paar Monaten den senegalesischen Künstler Kon-T, der für eine Ausstellung in Ebersberg war, vor. "Wir haben sofort gemerkt, dass wir eine sehr ähnliche Denkweise haben", erzählt Günther. Zusammen kamen sie auf die Idee, Kinder selbst ihre Zukunft malen zu lassen.

Mia hat noch eine Anmerkung zu ihrem Bild: "Die Achterbahnfahrt kostet gar nichts", betont sie. "Weil auch arme Menschen Spaß haben sollen, wenn sie wollen." Wie eine Achterbahn aussieht, die jedem Spaß macht, weiß die Siebenjährige ganz genau, denn auch Mia geht gerne auf wilde Fahrt: Einen Looping muss es auf jeden Fall geben. Ziel von "Little Future" ist es, den Kindern zu vermitteln, dass sie selbst ihre Zukunft gestalten können. "Außerdem soll es Horizonte erweitern", fügt die Grafinger Kunsttherapeutin Rusydah Ziesel, die das Projekt unterstützt, hinzu. Denn wenn alle Kinder der teilnehmenden Bildungseinrichtungen gemalt haben werden, fliegen ihre Bilder nach Dakar. Die Kinder dort, die auch gemalt haben, sehen dann, wie sich Gleichaltrige in Deutschland ihre Zukunft vorstellen. Danach sind die Bilder Teil der "Dak' Art", der wichtigsten Ausstellung für zeitgenössische Kunst in Afrika, bevor alle Bilder nach Deutschland kommen, so dass sich die Kinder hier anschauen können, was sich die Beteiligten in Dakar gedacht haben. Schließlich gibt es auch in Ebersberg eine Ausstellung.

Die ersten Kinder haben nun schon ihre Gedanken auf Papier gebracht. Dazu wurden sie von Bürgermeister Walter Brilmayer, neben Landrat Robert Niedergesäß einer der Schirmherren des Projekts, ins Rathaus eingeladen. Die kleinen Künstler liegen auf dem Boden, zwischen ihnen verschiedene Stifte, Pinsel und Farben. Konzentriert malen sie, manche mit schnellen Strichen, andere nehmen sich mehr Zeit und lassen vor Anstrengung beim Malen immer wieder ihre kleine Zunge zwischen den Zähnen durchblitzen. Jan strengt sich besonders an, während die meisten Kinder schon fertig sind, fügt er seinem Bild immer weitere Details zu. Er hat eine Stadt gemalt, mit Hochhäusern, Straßen und Autos, aber auch Grünflächen sind zu sehen. Im Hintergrund hat Jan mit warmen Farben einen Sonnenuntergang gezeichnet. "So stelle ich mir eine Stadt in der Zukunft vor", erklärt er. "Hochhäuser, ein paar Parks und viele Autos, was wahrscheinlich nicht so gut ist." Dann überlegt er kurz: "Vielleicht können manche Autos sogar fliegen!" Bei diesem Gedanken beginnt er zu lächeln. "Ziemlich viel Luxus", murmelt er, bevor er wieder zum Stift greift.

Mindestens 80 Kinder und Jugendliche aus dem Landkreis werden in den nächsten Wochen ihren Träumen mit Farbe Gestalt verleihen. Die jungen Künstler sind zwischen drei und 16 Jahren alt. "Es ist wichtig dass die Kinder sich Gedanken um ihre Zukunft machen, nicht nur wir Erwachsenen", sagt Günther.

Die bunten Bilder auf dem Boden des Rathauses zeigen ganz unterschiedliche Szenarien: Auf einem steht eine Geldmachmaschine - "damit es keine armen Menschen mehr gibt", hat die Künstlerin daneben geschrieben. Ihre Sitznachbarin hat eine Unterwasserwelt gemalt, sie wünscht sich, dass in Zukunft weniger Müll in den Meeren schwimmt. "Wie schreibt man Professor?", will Philip wissen. Er stellt sich vor, dass er in Zukunft im Dschungel forscht und allerlei erfindet. "Dazu gehört auch ein riesengroßer Panther", notiert er sich seinen Zukunftsplan. Laura hat einen großen Baum mit spiralförmigen Ästen gemalt. "Das ist ein Wunschbaum", erklärt sie. Auf ihrem Bild stehen Kinder unter dem Baum, die ihm ihre Wünsche sagen können, aber nicht jeder gehe sofort in Erfüllung, erklärt die Künstlerin. "Es kommt auf die Größe des Wunsches an." Ob der magische Baum wohl nur die Träume von Kindern erfüllt? Da schüttelt die Zehnjährige schnell den Kopf: "Auf keinen Fall! Jeder auf der Welt hat doch Wünsche."

Interessierte Kinder können noch mitmachen: Jeden Freitag wird im Ebersberger Rathaus gemalt. Weitere Information unter www.littlefuture2.org