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Mit Pauken und Paketen:Die Schattenmänner aus Grafing

Manni Glissmann und Lukas Voigt

Manni Glissmann und Lukas Voigt ziehen beim "Grafinger Jugendorchester" die Kabel im Hintergrund.

(Foto: Korbinian Eisenberger/oh)

Ohne sie geht nichts beim Grafinger Jugendorchester: Manni Glissmann und Lukas Voigt kümmern sich in Südafrika um die Technik - trotz eines kleinen Unfalls.

Die südafrikanische Musikerkarriere des Manni Glissmann endete an der scharfen Kante einer Instrumentenkiste. Es war am Sonntag, kurz vor dem großen Konzert, kurz vor dem musikalischen Highlight dieser Reise, da rutschte der Grafinger beim Ausladen mit der Hand ab und schnitt sich in die Fingerkuppe. Der rechte Mittelfinger ist seither verbunden, den Kontrabass kann er nun nicht mehr zupfen. Nur gut, dass der 50-Jährige noch viel mehr kann.

Sie sind die Männer, die im Hintergrund die Fäden ziehen, bevor oben auf der Bühne gespielt wird. Oder besser gesagt: die Kabel. Manni Glissmann und Lukas Voigt. Voigt, 27, ist ein gelernter Tontechniker aus München und kümmert sich darum, dass er das akustische Chaos auf der Bühne irgendwie geregelt bekommt, also um das Feintuning.

Manni Glissmann, Hausmeister aus Grafing, kümmert sich eher ums Grobe. Darum, dass die ganzen Kisten irgendwie in den engen Anhänger reinpassen. Und dass am Ende wieder alles aufgeräumt und sicher verstaut ist. Oder wie er sagt: "Ich bin eigentlich nur der Kabelträger vom Luggi."

Da war der Finger noch heil. Manni Glissmann am Kontrabass in Johannesburg.

(Foto: Korbinian Eisenberger/OH)

Eine Woche sind die 60 Musiker vom Grafinger Jugendorchester bereits hier in Johannesburg, sie haben beim Hinflug im Flugzeug gespielt, in einer Schule mit Kindern aus einem Township musiziert - und drei Konzerte gegeben, zuletzt in einem Altenheim.

Am Dienstagmittag sitzen sie auf der Hotelterrasse beisammen, eine Schafkopfrunde und viel Zeit fürs Mittagessen. Für Glissmann und Voigt hingegen steht schon wieder Arbeit an. Weil das Orchester am Abend noch einmal geschlossen auftritt: das letzte Konzert in Johannesburg, bevor es an diesem Mittwoch in ein Quartier nach Pretoria weitergeht.

Der Schnitt im Finger von Manni Glissmann ist noch nicht ausreichend verheilt. "Spielen kann ich vergessen", sagt er. Und trotzdem schaut er dabei drein wie ein Bub, der gerade eine neue Playstation geschenkt bekommen hat. Er hat schließlich auch eine gute Nachricht: Aus der Hotelküche haben die Musiker rohen Reis bekommen. Reis aus Grafing durften sie im Gepäck nach Südafrika ja nicht mitnehmen, sprich: Sie mussten ihre Rasseln vorher ausleeren.

Jetzt sind sie wieder gefüllt und einsatzbereit. "Dank dem Johannesburger Reis." Glissmann sagt das mit einer solchen Begeisterung - da muss schon mehr kommen als ein weher Finger, um diesem Mann die Laune zu verderben.

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Wenn die Musiker das Herz des Orchesters sind, dann sind die zwei Techniker seine Hauptschlagader. Weil ohne sie überhaupt nichts gehen würde. "Ich will mir das lieber nicht vorstellen, wenn die nicht dabei wären", sagt Hedwig Gruber, die Orchesterleiterin, und sowas wie die Herzkammer.

Lukas Voigt ist dem Ensemble deswegen direkt aus seinem Kroatien Urlaub über Zagreb und Doha nachgereist. Und gibt jetzt in der südafrikanischen Sonne Tipps, worauf es ankommt. "Am wichtigsten ist der Strom", sagt er, weil man pro Leitung nur eine begrenzte Anzahl an Watt nutzen könne.

Lieber früher da sein, damit am Ende nichts schief geht

"Im schlimmsten Fall haut's dir die Sicherung raus und alles ist dunkel", erklärt sein Kollege Glissmann. Deswegen kommen die beiden immer schon drei Stunden vor Konzertbeginn an den Ort des Geschehens.

Glissmann und Voigt sind die Männer im Schatten der Bühne. Sie machen die Arbeit, die im Publikum keiner mitkriegt, den großen Applaus bekommen andere. Wobei Manni Glissmann immerhin mit dem Kontrabass dabei war, bei den Auftritten in Soweto oder auf dem Nelson-Mandela-Platz - als der Finger noch unversehrt war. "Meine Highlights", sagt er.

Lukas Voigt hingegen hat seine Gitarre daheim gelassen. Juckt es einen da nicht in den Fingern? Der 27-Jährige winkt ab. "Dafür bin ich längst nicht mehr gut genug", sagt er, kein Kribbeln im Finger also. Doch es sind genau solche Hände, die ein Orchester wie das Grafinger ebenfalls dringend braucht. Ob mit Verband oder ohne.

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