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Mit digitalen Medien:Smarter lernen

An der Realschule Poing gibt es seit 2012 Whiteboards. Lehrerin Sonja Schraml baute sie sogleich in den Unterricht ein.

(Foto: Christian Endt)

Laut einer Studie fordern Eltern von Lehrern den verstärkten Einsatz digitaler Medien. Doch nicht jede Schule im Landkreis möchte sich bedingungslos anschließen

Von Johannes Hirschlach

Es quietscht nicht mehr in den Klassenzimmern des Franz-Marc-Gymnasiums in Markt Schwaben. Das Gänsehaut-Geräusch von über die Tafel schrammender Kreide gehört der Schule der Vergangenheit an. Zumindest sobald 2017 die Umrüstung aller Klassenräume auf moderne Medienhardware abgeschlossen sein soll. Momentan stehen bereits in 23 Zimmern sogenannte "Smartboards": große weiße Tafeln, die auf den Außenflügeln mit speziellen Stiften beschreibbar sind. Die mittige Fläche bildet eine Projektionsplatte für einen dazugehörigen Beamer. Dieser verwandelt die Tafel in eine interaktive Oberfläche. Mit dem Finger lässt sich so auf der Beamerprojektion herummalen, ein Computer schafft Zugang zum Internet. Rund 6000 Euro koste die Ausstattung pro Raum, schätzt der stellvertretende Schulleiter Peter Popp.

Die Kinder sollen schon auch noch lernen, mit der Hand zu schreiben

Mit der technischen Hochrüstung handelt das Franz-Marc-Gymnasium ganz im Sinne der deutschen Elternschaft, wenn es nach einer repräsentativen Umfrage der Meinungsforschungsinstituts "Innofact" geht. Laut der Studie, die der Lernspielzeughersteller "VTech" in Auftrag gegeben hat, wünschen sich 45 Prozent der Eltern mit Kindern zwischen vier und acht Jahren mehr Engagement für die digitale Entwicklung an Schulen. Nur ein Viertel glaubt, dass die Lehreinrichtungen ausreichend gewappnet sind.

Auch bei einer Mitgliederbefragung des Bayerischen Lehrerinnen- und Lehrerverbandes (BLLV) halten rund 66 Prozent der Befragten die mediale Ausstattung an Schulen für ungenügend. Die Modernisierung am Franz-Marc-Gymnasium sieht auch der Elternbeirat positiv. "Der mediale Unterricht kann sehr fördernd sein", sagt die Vorsitzende Charlotte Buchenrieder. Dennoch sei es wichtig, "dass Kinder auch noch lernen, mit der Hand zu schreiben". Die Mischung macht es, findet sie.

Die Realschule Poing setzte von Anfang an auf modernste Ausstattung

Für die Kombination von digitalen Medien mit dem analogen Unterricht haben die Schulen im Landkreis unterschiedliche Konzepte. In der 2010 gegründeten Dominik-Brunner-Realschule in Poing setzt man seit Bezug des Neubaus 2012 auf modernste digitale Ausrüstung: Smartboards, Beamer und Computer stehen in jedem Klassenraum, eine Dokumentenkamera ersetzt die klobigen Overheadprojektoren. Die Geräte seien "vergleichsweise einfach zu bedienen", sagt Schulleiter Matthias Wabner. Er könne das Vorurteil nicht bestätigen, wonach ältere Kollegen mit den Tücken der Technik zu kämpfen hätten.

Auch das Humboldt-Gymnasium in Vaterstetten hätte gerne flächendeckend auf Smartboards zurückgegriffen. Leider sei die Ausrüstung aller Räume zu teuer geworden, sagt Rektor Rüdiger Modell. Dennoch sei man einen großen Schritt vorangekommen. "Bis vor zwei Jahren herrschte eine große Unzufriedenheit der Elternschaft", berichtet Modell. Dann habe die Schule mit Ausnahme der acht Unterrichtscontainer alle Klassenzimmer mit Beamer, Rechner und Dokumentenkameras eingerichtet.

Am Gymnasium Kirchseeon gibt es eine Tabletklasse - als Pilotprojekt

Ein kleiner Pool mobiler Tablets ist je nach Verfügbarkeit für alle Klassen nutzbar. Am Gymnasium Kirchseeon ist man sogar noch einen Schritt weiter: Dort läuft momentan das Pilotprojekt einer Tabletklasse, in der jedes Kind über ein mobiles Endgerät verfügt. Wie sich der Versuch weiterentwickelt, hänge vom Feedback der Lehrer und Schüler ab, sagt der Mitarbeiter der Schulleitung, Stefan Mühlfenzl.

Einen konstruktiv kritischen Umgang mit der Digitalisierung pflegt Eberhard Laspe, Schulleiter der Ebersberger Realschule. Zwar seien zehn Klassenzimmer mit Smartboards ausgerüstet, Dokumentenkameras und Beamer stehen überall zur Verfügung. Einer exzessiven digitalen Vernetzung des Gebäudes steht Laspe jedoch ablehnend gegenüber. "In erster Linie müssen wir unterrichten, da brauchen wir kein Wlan", sagt er.

Alexander Bär, Schulleiter der Grund- und Mittelschule Ebersberg, ist bei der Digitalisierung ebenfalls vorsichtig. "Es ist bei den neuen Medien nicht alles Gold, was glänzt", sagt er. Die Tafel wolle man nicht durch Smartboards ersetzen. "Gerade im Grundschulbereich bleibt sie einfach das flexibelste Medium", sagt er. Auch von Beamern hält Bär nicht viel, der Lampenverschleiß sei zu hoch. Stattdessen hängen in den Klassenzimmern große LCD-Bildschirme, die mit Notebooks oder Tablets vernetzbar sind.

Manches funktioniert auch gut mit Tafel und Kreide

Die Grund- und Mittelschule Aßling hat eine ähnliche Stoßrichtung. Dort setzt man auf klassische Computerräume. "Das ist zweckmäßiger und technisch nicht so aufwendig", erklärt Rektor Michael Pollak. Bei der Ausstattung der Räume habe man sich für den Verbleib der Tafel ausgesprochen. Dennoch müsse die Schule den neuen Medien offen gegenübertreten. "Aber man darf nicht in die Denkweise verfallen, dass alles nur noch über das Digitale lösbar ist", sagt Pollak.

Obwohl das Franz-Marc-Gymnasium in der Modernisierung großen Wert auf die neuen Medien legt, versteht Peter Popp, auf was der Aßlinger Schulleiter anspielt. "Wenn ich eine Rechnung durchführe, ist es wirklich besser, das mit der Kreide auf der Tafel zu lösen", sagt Popp. Dynamische Geometrie wiederum profitiere von den interaktiven Möglichkeiten eines Smartboards. "Man muss die Chancen sehen, aber auch für eine sinnvolle Nutzung sorgen", sagt er. Die grobe Richtung immerhin gibt das bayerische Kultusministerium vor: Mit dem seit 2014 eingeführten Lehrplan Plus soll im Unterricht eine stärkere Gewichtung neuer Medien erfolgen.

© SZ vom 17.10.2016/moo
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