bedeckt München

Kultur aus Moosach:Sechs neue Projekte im Meta Theater

So sieht es aus, wenn im Meta Theater "hybrid" gearbeitet wird. Beim "Kick off" in Moosach stellen alle Künstlerinnen und Künstler aus dem Residenzprogramm ihre Projekt vor.

(Foto: Christian Endt)

Von Michaela Pelz, Moosach

Man mag es fast nicht mehr schreiben, weil es so traurig ist: Überall steht das öffentliche kulturelle Leben still. Umso größer die Freude, über etwas berichten zu dürfen, das zeigt, dass sich hinter den Kulissen auch weiterhin einiges bewegt. Die Rede ist von zwölf Stipendien für sechs Projekte, zusammengefasst als "Take-Care-Residenzen", die unter dem Dach des Meta Theaters in Moosach vergeben wurden.

Von dessen Gründer Axel Tangerding erfährt man, dass die Idee dazu nicht aus der Not heraus geboren wurde, wenngleich sie nun tatsächlich im Zusammenhang mit der Pandemie sehr zügig umgesetzt werden konnte. "Schon vor zweieinhalb Jahren haben wir uns mit dem Gedanken beschäftigt, wie man den Laborcharakter des Meta Theaters auch für künftige Generationen nutzbar machen könnte." Tangerdings Faible für die Möglichkeit, Zeit, Raum und Geld zur Verfügung zu haben, ohne schon im Vorfeld zu wissen, wohin der kreative Prozess führen wird, kommt nicht von ungefähr, sondern gehört zu einer seiner prägendsten Erfahrungen als junger Künstler.

An dieser Stelle kam das Bundesnetzwerk "Flausen" ins Spiel. Initiiert vom Theater Wrede in Oldenburg haben sich dort seit 2011 kleine und mittlere Theaterhäuser zur Förderung und Qualifizierung von Kunstschaffenden der Branche zusammengeschlossen. Diesen will man die Chance geben, sich niederschwellig auszuprobieren, herumzuexperimentieren oder etwas zu erforschen, ohne dass dies zwangsläufig in eine Premiere münden muss. Seit 2018 ist auch das Meta Theater Partner dieses Verbundes aus mittlerweile 25 Mitgliedern.

Daher brachte die Moosacher Bühne die perfekten Voraussetzungen mit, um auch Teil des Förderprogramms "Neustart Kultur" zu werden, aufgelegt von der Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien (BKM). Mit diesem Förderprogramm soll einerseits die Existenz professioneller Künstler und Künstlerinnen in der aktuellen, für viele prekären Situation stabilisiert werden. Gleichzeitig will man die Verbindung der Freien mit Theater- und Residenzhäusern stärken. Das ist der Grund, weswegen es für den Erhalt der Bundesmittel eine entsprechende Anbindung geben muss und nun sechs Projekte unter dem Dach des Meta Theaters angesiedelt sind.

Einzeln oder im Kollektiv wollen sich die zwölf beteiligten Künstlerinnen und Künstler mit ganz unterschiedlichen Themen beschäftigen. Einige stammen aus der Ebersberger Region, andere sind über ganz Deutschland verteilt. Mitte November gab es die erste virtuelle Begegnung, um sich gegenseitig die jeweiligen Vorhaben zu präsentieren. Die Süddeutsche Zeitung durfte sich zu der internen Veranstaltung dazuschalten und stellt die Macher und Macherinnen nun im Einzelnen vor Gelegenheit, sich selbst ein Bild zu machen, hat das Publikum bei vier Monatstreffen sowie dem Projektabschluss am 12. April, bei dem die Arbeitsergebnisse präsentiert werden. Abhalten will man die regelmäßigen Werkabende, soweit möglich, im Meta Theater, aber auch hybrid als Livestream mit Publikum.

Und dann gibt es noch diesen Aspekt "einer der für mich sinnvollsten Maßnahmen in dieser dunklen Zeit", wie der leidenschaftliche Theatermann Tangerding betont: "5 000 Euro für eine Netto-Forschungszeit von zwei Monaten bedeuten für die Stipendiaten eine Unterstützung, aber kein Almosen, denn sie sind mit einer künstlerischen Herausforderung verbunden. Es sind keine Brosamen, sondern man orientiert sich an den Mindeststandards - auch in der Krise." Als eine handfeste Form der Wertschätzung für die Kunst und jene, die sie trotz aller Widrigkeiten ausüben, ist das tatsächlich eine "frohe Botschaft", über die man gerne schreibt.

Der erste Werkabend findet statt am Montag, 14. Dezember, um 20 Uhr, Interessenten können über online teilnehmen, den Zoom-Link gibt es unter www.meta-theater.com.

© SZ vom 05.12.2020/koei
Zur SZ-Startseite

SZ PlusPolitik
:"Ebersberg hat keine Millionärs-Gegend"

In einem Haus in der Nähe von München sollen 14 Asylbewerber Zuflucht finden. Die AfD versucht, daraus einen Skandal zu machen - und verwendet ein falsches Foto. Über politische Inszenierung und die Faktenlage.

Von Korbinian Eisenberger

Lesen Sie mehr zum Thema