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Mehrere Varianten denkbar:Lieber mal was Neues

Das jetzige Gemeindehaus in Oberndorf hat wohl keine Zukunft mehr. Es liegt nahe, dass der Ebersberger Stadtrat am Dienstagabend den Abriss beschließt. Dann soll das Gebäude neu gebaut werden.

(Foto: Christian Endt)

Nach der enormen Kostensteigerung bei der Sanierung des Oberndorfer Gemeindehauses wird ein Ersatzbau wahrscheinlich. Eine endgültige Entscheidung soll an diesem Dienstag der Ebersberger Stadtrat treffen

Das alte Gemeindehaus in Oberndorf wird wohl abgerissen. Zumindest geht die nun im Technischen Ausschuss erkennbare Tendenz eindeutig in diese Richtung. Grund ist, dass die eigentlich geplante Sanierung finanziell komplett aus dem Ruder zu laufen droht. Statt 1,6 Millionen Euro, wie bei Projektbeginn veranschlagt, dürften es mindestens 2,6 Millionen werden, dafür könnte man schon einen Neubau bekommen. Und es gibt noch einen Grund, der für einen Abriss spricht: die Fördergelder.

Denn, wie Bürgermeister Walter Brilmayer (CSU) nun in der Sitzung erläuterte, waren für das aktuelle Sanierungsprojekt Zuwendungen aus zwei verschiedenen Fördertöpfen geplant. Dies ist möglich, weil in dem Gebäude zwei verschiedene Nutzungen stattfinden. So gibt es einerseits Wohnungen für deren Ertüchtigung das Wohnbau-Förderprogramm Geld zuschießt, etwa 30 Prozent der Kosten könnte die Stadt dadurch refinanzieren. Was, wie der Bürgermeister erklärte, aber auch für einen Neubau gelte, dies habe die Stadtverwaltung sich von der Regierung von Oberbayern bestätigen lassen.

Andererseits war man davon ausgegangen, dass auch Geld aus dem Kommunalinvestitionsprogramm (KIP) fließen wird, dieses bezuschusst unter anderem die barrierefreie oder energetische Sanierung kommunaler Einrichtungen. Als solche gilt das Gemeindehaus, weil sich dort Räume für die örtlichen Vereine befinden. Grundsätzlich wäre sogar ein Neubau über KIP förderfähig, allerdings endet das Programm definitiv zum Jahresende 2020. Was dann nicht abgerechnet ist, wird auch nicht gefördert, ein Zeitplan, der für den Neubau unmöglich einzuhalten ist. Allerdings wohl auch nicht für die aufwendiger gewordene Sanierung, so dass man die Förderung wohl in jedem Fall verliert.

Als Ende September die Kostenmehrung bei der Sanierung - Gründe sind unter anderem der schlechte Erhaltungszustand des Gebäudes - erstmals im Ausschuss behandelt wurde, gab es den Beschluss, die Arbeitsgruppe erneut einzuberufen, die schon mit dem ursprünglichen Konzept betraut war. Diese hat mittlerweile getagt und den zuständigen Architekten Alexander Frey beauftragt, mögliche Neubauvarianten zu skizzieren. Drei sind es am Ende geworden, sie wurden im Ausschuss vorgestellt.

Variante eins ist ein einfacher, mit 16 auf 14 Meter Grundfläche annähernd quadratischer Baukörper mit einem Walmdach mit Gauben und einer Traufhöhe von acht Metern. Der zweite Entwurf sieht zwei ebenso hohe, längliche und gegeneinander verschobene Gebäude vor, mit 16 zu sieben und 16 zu neun Metern wäre die Grundfläche etwas größer. Die maximal auf dem Grundstück mögliche Größe hätte der dritte Entwurf, ein Polygon mit einer ungefähren Grundfläche von 25 auf zwölf Meter.

Die unterschiedlichen Größen wirken sich natürlich auf die Nutzung aus, so würden bei Variante eins 310 Quadratmeter Wohnfläche entstehen, die man auf vier oder fünf Wohnungen verteilen könnte. 150 Quadratmeter hätten die Vereinsräume. Ebenfalls fünf Wohnungen, die mit insgesamt 370 Quadratmeter etwas großzügiger ausfallen, gäbe es bei Variante zwei, im Doppelbau hätten auch die Vereine mit 175 Quadratmeter etwas mehr Platz. Beim Maximalbau wären es wieder nur 150 Quadratmeter für die Vereine, dafür aber gut 490 Quadratmeter Wohnfläche, was sechs Wohnungen entspräche. Der Bestand biete, da die früher dort untergebrachte Krippe inzwischen dauerhaft ins Schulhaus umgezogen ist, Potenzial für sechs Wohnungen auf insgesamt 470 Quadratmeter plus 160 Quadratmeter für die Vereine.

Bei den Kosten liegt die erste Variante mit 2,35 Millionen Euro noch unter dem, was derzeit für die Sanierung veranschlagt ist. Zwei und drei liegen mit 2,85 und 2,95 Millionen etwas darüber. Allerdings kämen für alle noch jeweils rund 70 000 Euro für den Abriss des Bestandsgebäudes dazu, so Frey, zudem hätte man die bislang rund 100 000 Euro für die Planung der Sanierung umsonst ausgegeben.

Was die Stadträte allerdings nicht davon abhielt, sich für einen Neubau auszusprechen. "Es wird trotzdem billiger als die Sanierung", erwartet Martin Schechner (CSU), außerdem habe man dann ein modernes Gebäude. Dass dieses etwas kleiner werde - jedenfalls wenn man die von ihm favorisierte Variante eins umsetze - sei auch zu verschmerzen, und vielleicht sogar von Vorteil. Denn so könnte man die derzeit unübersichtliche Straßensituation verbessern. Oder, wie es Hans Hilger (FW) formulierte: "Wir haben die Gelegenheit, an der Stelle statt dem Klotz etwas Schönes zu machen."

Grundsätzlich sei er ja stets dafür, alte Gebäude zu erhalten, so Zweiter Bürgermeister Toni Ried (FW), "aber nur, wenn es auch erhaltenswert ist", und das sei hier nicht der Fall. "Der Neubau ist wahrscheinlich gescheiter", sagte auch sein Fraktionskollege Gerd Otter. Wenn man trotzdem die 30-Prozent-Förderung bekomme, sei er auch für den Neubau und zwar die Variante eins, so Philipp Goldner (Grüne), ähnliche Tendenzen gibt es in der SPD. Das Haus mit dem Walmdach könne sie sich gut vorstellen, sagte Elisabeth Platzer, allerdings wolle sie es zunächst in der Fraktion abstimmen.

Dies werden auch die anderen Parteien tun, eine endgültige Entscheidung darüber, wie es in Oberndorf weitergeht, soll dann im Stadtrat an diesem Dienstag fallen.