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Marktmusik in Vaterstetten:Singen im Paradis

Margit Heinzelmann und Beatrice Menz-Hermann, Sopran und Orgel Vaterstetten

Beatrice Menz

(Foto: Veranstalter)

Beatrice Menz hat eine Sängerin aus Buenos Aires eingeladen

Interview von Anja Blum

Bei der "Marktmusik" in der Vaterstettener Pfarrkirche an diesem Donnerstag spielen wie geplant die hervorragenden Vaterstetten Musiker Franz Draxinger, Horn, Irene Draxinger, Oboe, sowie die Organistin Beatrice Menz-Hermann. Als Initiatorin der Reihe hat die Kirchenmusikerin nun aber noch ganz spontan einen zusätzlichen Gast eingeladen: die Opern- und Tango-Sängerin Susanna Moncayo von Hase aus Buenos Aires. Die Marktmusik findet wieder um 10.15 Uhr, also im Anschluss an die Heilige Messe mit ewiger Anbetung, statt.

SZ: Bei der Marktmusik spielen Sie eigentlich mit befreundeten Kollegen. Wie kommt es, dass nun eine Sängerin aus Argentinien auftritt?

Beatrice Menz-Hermann: Susanna Moncayo von Hase und ich haben uns vergangene Woche kennengelernt, als wir eine große Hochzeit in Österreich gestaltet haben, mit Orchester und allem drum und dran. Der Bräutigam ist ihr Cousin, deswegen wurde sie extra aus Buenos Aires eingeflogen.

Wie kamen Sie auf die Idee, gerade diese Sängerin zur Marktmusik einzuladen?

Naja, die Reihe habe ich ja unter anderem ins Leben gerufen, um selbständige Kollegen zu unterstützen. Und was mir Susanna von Argentinien erzählt hat, ist wirklich schlimm. Dort ist kulturell noch viel weniger los als bei uns, und überhaupt: Susanna sagte, sie könne es überhaupt nicht glauben, in welchen paradiesischen Zuständen wir hier leben würden.

Das heißt konkret?

In Buenos Aires müssen wohl wirklich sehr, sehr viele Menschen wegen Corona hungern. Sie sind dort alle seit Mitte März in Quarantäne und müssen für jeden Ausgang eine Genehmigung anfordern. Und es gibt dort auch keine staatlichen Zuschüsse. Das monatliche Durchschnittseinkommen liegt bei etwa 120 Euro. Also, wer keine Ersparnisse mehr hat, muss hungern...

Deshalb wollten Sie Susanna Moncayo von Hase die Gelegenheit geben, in Vaterstetten aufzutreten?

Ja, genau. Aber auch, weil sie wirklich berühmt ist. Sie ist als Sängerin spezialisiert auf den ganz authentischen Tango, kennt in Südamerika und auch hier in Deutschland diese ganze Szene. Nun konnte sie ihren Flug nach Hause umbuchen und wird am Donnerstag mindestens zwei Stücke singen. Darüber ist sie überglücklich.

© SZ vom 16.09.2020
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