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Kultur:Neuer Verein für Theater und Kunst zieht nach Markt Schwaben

Die Theatermacher Karlheinz Thomas und Haide Sanders.

(Foto: Christian Endt)

Der "Förderkreis für Theateraktivitäten und Bildende Kunst" zieht unter das Dach eines Trödelladens und hat sich bereits Ziele gesteckt.

Er sei eigentlich gar nicht so der Witzemensch, sagt Karlheinz Thomas, das habe er nur eben in der Kiste im Fundus gefunden: Er hält "I woas no oan" hoch, ein altes Buch voller bayerischer Witze, rückt seine Brille zurecht und liest nach einem kurzen Lachen direkt gleich noch einen vor.

Was sich nicht alles auftut in einem Lager voller Requisiten! Anfang der Woche, ein Besuch in Forstinning. Karlheinz Thomas und Haide Sanders aus München, "ein Theatergespann, das den Karren seit vielen Jahren zieht", wie sie selbst von sich sagen, schieben gerade ein bunt bemalte Holzfigur in ihrem Lager - zwei große Garagen umfasst es etwa - hin und her. Hinter ihnen stapeln sich aufgerollte Perserteppiche, diverse Gemälde und federnde Sessel. Noch befindet sich der Fundus ihrer Theatervergangenheit hier in Forstinning, doch schon in den nächsten Tagen ziehen sie damit um nach Markt Schwaben.

Vielleicht sind dem einen oder anderen aufmerksamen Bürger die Plakate in Forstinning aufgefallen, die einen Theaterfundusverkauf für das vergangene Wochenende angekündigt haben. Hierbei ging es nicht etwa um die örtlichen Theaterfreunde - diese versichern auf Nachfrage, dass sie keinerlei Absichten hegen, sich aufzulösen, sondern schon gespannt darauf warten, mit großen Plänen wieder durchzustarten - sondern um einen ganz neuen Verein.

Tatsächlich gehören die Schilder zum "Förderkreis für Theateraktivitäten und Bildende Kunst", wie es in schnörkeligen Buchstaben auf der Visitenkarte steht, die Karlheinz Thomas aus seiner Jackentasche kramt. Der 83-Jährige ist der Vorsitzende des neu gegründeten Vereins, gemeinsam mit seiner langjährigen Schauspielkollegin Haide Sanders möchte er einen Kreis für Nachwuchskünstler aufbauen. "Es geht nicht nur um das Theater", betont er, "wir wollen auch anderen Künstlern, Musikern und Bildhauern helfen."

Damit der Umzug des Lagers nicht zu teuer wird, "verkaufen wir den Kleinkram", erklärt Thomas. Am Anfang habe ein Verein schließlich selten viel Geld - aktuell stemme er die Kosten selbst. "Am Samstag verlief der Verkauf gut, da war auch das Wetter schön", erzählt Haide Sanders, "danach leider nicht mehr wirklich." Nun werden die beiden wohl mit mehr Hüten, Sektgläsern und Schnick Schnack nach Markt Schwaben ziehen, als ursprünglich geplant. "Aber das macht nichts", räumt Sanders ein, "das passt zum Trödelladen." Denn die Färberstraße 23 wird nicht nur die zukünftige Probebühne der beiden Künstler beherbergen, sondern ist eigentlich das Reich von Barbara Kiefl, die in Markt Schwaben eine neue Heimat für ihren Trödelladen gefunden hat (die SZ berichtete). "Unsere Requisiten werden also teilweise auch dort zu finden sein", so Sanders.

Vor einem alten, kunstvoll bemalten Bauernschrank steht ein kleines Stoffpferd mit wallender Mähne.

(Foto: Christian Endt)

All die Mäntel, antiken Dosen und die "Entenzucht" - Karlheinz Thomas hält grinsend eine kleine Messingente und eine nassgewordene Strohente in die Höhe - stammen noch aus der Zeit, als es das Münchner "Ludwig-Thoma-Theater" im Künstlerhaus am Lenbachplatz noch gab, hier war der Künstler nicht nur Teil des Ensembles, sondern auch Teilhaber. Das ehemalige Theater "Piccola Bavaria" im Karlshof in München hat er sogar selbst gegründet. "Der neue Verein soll nun die beiden Theater, die es so in ihrer ursprünglichen Form nicht mehr gibt, stützen", erklärt Thomas das Prinzip des Förderkreises. "Damit die Stücke, die alle mal produziert und gespielt wurden, nicht verloren gehen."

Vor einem alten, kunstvoll bemalten Bauernschrank steht ein kleines Stoffpferd mit wallender Mähne. "Meine eigenen Perücken habe ich dafür geopfert", erzählt Sanders und wuschelt durch die Haarpracht, bevor sie daran vorbei führt, in den hinteren Teil des Fundus'. Dort deutet sie auf verschiedene Ohrensessel und Stühle, die abwechselnd bei Dürrenmatt- oder Thoma-Abenden in den ehemaligen Theatern zur Verwendung gekommen sind und in Zukunft mit der Unterstützung des Vereins wohl auch wieder kommen werden. Das Buch mit den Witzen ist aus einer Kiste, von der Thomas behauptet, sie enthalte so viele Anregungen, "da kann man Millionen mit machen!". Der heutige Münchner, ursprünglich aus Hannover kommend, durchlief eine Karriere als Opernsänger und Schauspieler für Theater, Film und Fernsehen, bevor er sich vor etwa 40 Jahren endgültig für den Beruf des "Theatermachers" entschied. "Da kann man endlich alleine die Stücke auswählen", sagt er.

Damit der Umzug des Lagers nicht zu teuer wird, "verkaufen wir den Kleinkram", erklärt Thomas.

(Foto: Christian Endt)

Da unter dem Dach des Trödelladens in Markt Schwaben nach jetzigem Stand keine Veranstaltungen möglich sind, wird dort lediglich geprobt werden. "Danach gehen die Produktionen auf die Reise", erklärt Thomas, "auf Theaterbühnen in Entfernungen von bis zu 200 Kilometern." Zuvor müssten sich aber erst einmal neue Schauspieler und passende Leute für den Verein finden, sagt Kollegin Sanders, lauter Laien voraussichtlich, denn Berufsschauspieler könne man sich gerade zu Coronazeiten einfach nicht leisten. "Das muss ein Verein wie dieser anders anpacken", fügt sie hinzu. Sobald das Virus es also zulässt, will man also Stücke aus dem Repertoire der beiden Chefs hervorkramen, zum Beispiel "Abendstunde im Spätherbst", denn Dürrenmatt, so Thomas, käme beim Publikum immer gut an. Danach könnten man sich langsam von Zwei- bis Vier-Personen-Stücken zu größeren Produktionen hocharbeiten.

Das nächste eigene Projekt, das der Theatermacher in Markt Schwaben umsetzen will, ist bereits in Planung, mehr als "Das wird ein ganz großes Ding!" möchte er aber noch nicht verraten. Wie lange er selbst noch als Akteur mit dabei sein wolle oder könne, wisse er derzeit nicht, erklärt der 83-Jährige, der Verein sei mehr für nachfolgende Künstler gedacht. Aber: "Noch mache ich mit, noch macht es mir Spaß." Um es in den Worten von Schauspielkollegin Haide Sanders zu sagen: "Das ist ein Beruf, den man liebt, den man braucht zum Leben."

Die Theatermacher ziehen mit ihrem Fundus von Forstinning nach Markt Schwaben und suchen Mitstreiter.

(Foto: Christian Endt)

Wer Interesse an der Schauspielerei hat, malt, Musik macht oder Erfahrung mit Bühnenbildern hat, darf sich gerne für zukünftige Projekte bei Karlheinz Thomas unter (0176) 47834911 melden.

© SZ vom 19.06.2020
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