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Geothermie in Markt Schwaben:Tiefergehende Verhandlungen

Noch ist es nicht mehr als eine Absichtserklärung: In Markt Schwaben kann man sich aber ein Kooperationsmodell mit Poing für die Geothermie durchaus vorstellen.

(Foto: Christian Endt, Fotografie & Lic)

Markt Schwaben und die Bayernwerke unterschreiben eine Absichtserklärung über gemeinsame Geothermie-Bohrungen in Poing.

Beteiligt sich die Gemeinde an einer dritten Tiefenbohrung in Poing? Kauft sie Erdwärme aus dem Nachbarort zu? Oder lässt sie die Finger ganz von Geothermie? In diese Fragen kommt jetzt Bewegung: Das Kommunalunternehmen Markt Schwaben (KUMS) wird am Montag mit dem Energielieferanten Bayernwerke Natur GmbH einen Letter of intent unterschreiben, der Grundlage für Verhandlungen über eine mögliche Kooperation ist und unter anderem regelt, dass beide Parteien über Gesprächsinhalte Stillschweigen bewahren müssen.

Diese Absichtserklärung ist "ein reiner Formalakt" und fixiert vertraglich noch gar nichts, wie Bürgermeister Georg Hohmann (SPD) betont. Die letztendliche Entscheidung über das Ob und Wie einer Zusammenarbeit fällen der Verwaltungsrat und in letzter Instanz der Gemeinderat als Geldgeber. Denkbar wäre bei der Kooperation zum Beispiel, dass sich die Gemeinde Markt Schwaben und die Bayernwerke zu einer Art Fünfzig-Fünfzig-Gesellschaft zusammenschließen, gemeinsam die Kosten für eine weitere Bohrung in Poing tragen und die Einnahmen durch zwei teilen. Poing deshalb, weil dort die Wassertemperaturen noch höher erwartet werden als in Markt Schwaben.

Das letzte Wort hat der Gemeinderat

Im Gemeinderat werden bereits vereinzelt Bedenken laut, das Gremium könnte bei dieser politischen Richtungsentscheidung übergangen werden. Der Grund: Der Gemeinderat hat die Fernwärme in das KUMS ausgelagert, dort werden also künftig Entscheidungen rund um das Thema eigenständig getroffen (siehe Infokasten). Also auch die Entscheidung darüber, ob Millionen in eine mögliche Geothermie-Bohrung in Poing gesteckt werden? Bürgermeister Hohmann beschwichtigt: Hat der Vorstand Varianten der Zusammenarbeit mit den Bayernwerken ausgearbeitet, entscheidet zunächst der Verwaltungsrat, in dem vier Gemeinderäte, zwei externe Experten und Hohmann selbst sitzen, über seinen Favoriten. Dieser wird im Gemeinderat vor- und zur Abstimmung gestellt, schließlich muss dieser darüber beschließen, ob die Gemeinde das Geld für die Bohrung aufnehmen und an das KUMS weiterreichen darf. Lehnt das Gremium den Vorschlag ab, ist nicht gleich die Geothermie für Markt Schwaben gescheitert, sondern der Verwaltungsrat gefragt, eine neue Variante vorzulegen.

Der Gemeinderat wird jedoch nicht alle Möglichkeiten auf einmal zur Abstimmung erhalten, bestätigt Hohmann auf Nachfrage. Mit Misstrauen habe das nichts zu tun: "Wir müssen nur schauen, dass die Arbeit dort erledigt wird, wo die Untergruppen sind." Der Verwaltungsrat sei in die Materie eingearbeitet, dafür sei das KUMS gegründet worden. Hohmann vergleicht das mit den Ausschüssen: Diese seien auch dafür da, die Arbeit in gewissen Bereichen zu erledigen und dem Gemeinderat so den Rücken frei zu halten.

Die Geothermie war im Gemeinderat zuletzt immer wieder für eine lange Diskussion gut. Einige Mitglieder sehen darin eine Chance, die Energiewende zu unterstützen und Einnahmen zu generieren. Andere fürchten, dass die Gemeinde Millionen in den Sand respektive die Erde setzt. Denn im Münchner Osten gibt es eine Anomalie, durch die die Wassertemperatur von der Landeshauptstadt Richtung Ebersberg deutlich abfällt. Im Markt Schwabener Bereich könnte sich eine Bohrung gerade nicht mehr rechnen. Daher auch die Idee, eine Kooperation mit den Bayernwerken in Poing einzugehen: In der Nachbargemeinde ist das Worst-case-Szenario bei den Berechnungen der Best-case-Fall in Markt Schwaben.

Die Kooperation wäre eine Abkehr vom Ziel der Unabhängigkeit

Die Zusammenarbeit ist jedoch durchaus umstritten. Sie würde, so die Kritiker, der Idee zuwiderlaufen, sich mithilfe von Geothermie unabhängig zu machen von großen Energiekonzernen. Diese Stimmen sind nicht verstummt, das weiß Hohmann. Ihm sei deshalb auch wichtig, - kommt erst einmal eine Variante in die engere Wahl - die Entscheidungsgründe des Verwaltungsrats transparent zu machen, sagt er: "Wir wären schlecht beraten, wenn wir dem Gemeinderat nicht erklären, warum wir was wie machen wollen."

© SZ vom 10.10.2015
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