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Markt Schwaben:Spannung im Schloss

Auch die Markt Schwabener müssen zur Stichwahl: Michael Stolze und Frank Eichner bleiben im Rennen

Es blieb spannend bis zuletzt. Jeder, der im Markt Schwabener Rathaus durch die Gänge lief, machte kurz vor dem kleinen Stehtisch hinter Auszählungstischen und Desinfektionsmittelspendern halt, auf einem Laptop die aktuellen Prozentzahlen verkündeten wurden. Erst am Ende war klar, dass es an diesem Abend keinen eindeutigen Sieger geben würde.

Kurz vor 20 Uhr stand das Ergebnis mit einer Wahlbeteiligung von 55,2 Prozent fest: Frank Eichner von der CSU steht mit 26, 4 Prozent der Stimmen in einer Stichwahl gegen Michael Stolze, der für SPD und freie Wähler zusammen 38,9 Prozent der Stimmen holte. Etwas weiter hinten im Feld lagen die beiden anderen Kandidaten, Sascha Hertel von der Zukunft Markt Schwaben (ZMS) erhielt 17,8 Prozent der Stimmen, Raphael Brandes, der Kandidat der Grünen 17,0 Prozent. Insgesamt war die Wahlbeteiligung höher ausgefallen als 2014, damals hatten 50,8 Prozent der Wahlberechtigten ihre Stimme abgegeben.

Michael Stolze verfolgte die Aktualisierungen entspannt mit Frau Sabine Stolze beim gemeinsamen Essen.

(Foto: Christian Endt)

Eine höhere Prozentzahl als 2014 erhoffe er sich schon, sagte der 42-Jährige Hertel, als er nachmittags mit Parteifreunden zusammensaß und dem Wahlabend entgegenblickte - diese Hoffnung wurde nicht erfüllt. Prinzipiell ging Hertel jedoch entspannt in den Wahlabend: "Ich hab einen ordentlichen Job, der geht ab Montag weiter wenns nicht klappt."

Raphael Brandes, der ehemalige Wirt des Oberbräus, sagte kurz vor der Auszählung, der Wahlabend sei "wie wenn man zur Prüfung geht, und dann schaut man - hat's gereicht?" Für die Stichwahl sollte es bei Brandes an diesem Abend nicht reichen.

Eichner

Auch Frank Eichner gab es keine offizielle Wahlparty sondern einen entspannten Abend mit der Familie.

(Foto: Elisabeth Urban)

Wahlpartys gab es aber ohnehin keine, sämtliche Parteiveranstaltungen waren auch in Markt Schwaben abgesagt worden. Die beiden Stichwahlkandidaten verbrachten den Abend recht ähnlich: Beide verfolgten die Auswertung am Smartphone, während sie mit der Familie beim Essen waren.

Auf die Frage, ob er mit dem Wahlergebnis zufrieden sei, schmunzelte Stolze in sich hinein und sagte dann: "Es erfüllt mich tatsächlich a bissl mit Stolz." Das ist dem 49-Jährige anzusehen, mit einer Stichwahl hätte er gerechnet, aber dass er dort mit 38,9 Prozent der Stimmen landen würde, sprengte seine Erwartungen. "Es war eigentlich eher gedacht, dass es so ein Kopf-an-Kopf Rennen wird." Die kommenden zwei Wochen will der Kandidat der Freien Wähler und der SPD ruhig angehen, "es war jetzt lang genug Wahlkampf." Er plane zwar, seinen Bürgertreff weiter geöffnet zu haben, aber ansonsten sei es ja "hinlänglich bekannt", was seine politischen Ziele seien.

CSU-Mann Eichner hingegen zeigte sich "schon enttäuscht" vom Wahlergebnis. Der 55-jährige Leiter des Bauamts hat sich seinerseits selbst mehr Stimmen erhofft. Er hätte allerdings auch seinen Konkurrenten Sascha Hertel von der ZMS deutlich weiter vorne gesehen. Bis zur Stichwahl, die diesmal wegen der Coronakrise nur per Briefwahl erfolgen wird, will Eichner jetzt vor allem in den sozialen Medien und per Flyersendung Wähler überzeugen. Er hoffe, dass die Wahlbeteiligung auch bei der Stichwahl nicht viel geringer ausfallen werde, denn da könne sich das Blatt ja noch einmal unerwartet wenden. Seine Frau fügt hinzu: "Kämpfen muss man bis zuletzt."

© SZ vom 16.03.2020

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