Das Schulzentrum in Markt Schwaben riecht nach Holz, Kleber und Putzmitteln. Oder um es simpler auszudrücken: Es riecht neu. Unter einem Dach aus Glas, das das an diesem Montagnachmittag nur spärlich vorhandene Sonnenlicht hereinlässt, beginnen Bürgermeisterin Walentina Dahms (CSU) und ihr Bauamtsleiter Martin Behling den Rundgang durch das Gebäude.
„Das Innenleben der Schule ist fertig“, so Behling – wenn man von den vielen Kartons absieht, die noch ausgeräumt werden müssen. Durch eine Fensterfront sieht man allerdings, dass es im Außenbereich noch zu tun gibt. Bis zur letzten Minute werden Geländer montiert und Bauzäune herumgeschleppt. Hinzu kommt, dass die Außensportanlagen bisher nicht fertig seien, so der Bauamtsleiter. Hierfür sei das vierte Quartal dieses Jahres angepeilt. Dennoch: Am Dienstag, pünktlich zum Schulbeginn, konnten die Klassenräume bezogen werden.

Dabei hätte das schon viel früher passieren sollen. Insgesamt fünfmal musste die Eröffnung des Schulzentrums verschoben werden, zuletzt von April auf September. Die Gründe dafür waren vielfältig: Die Corona-Pandemie führte zu Lieferschwierigkeiten bei wichtigen Baumaterialien und machte den zusätzlichen Einbau einer Lüftungsanlage notwendig. „Ursprünglich hatten wir geplant, nachts die Fenster offenstehen zu lassen“, so Bürgermeisterin Dahms. Die Pandemie habe die Notwendigkeit einer modernen Lüftungsanlage allerdings klar vor Augen geführt.
Hinzu kam der Ausbruch des Ukraine-Krieges, der ebenfalls zu Preissteigerungen und Lieferengpässen bei Baumaterialien führte. Im Sommer 2022 musste außerdem überraschend die ausführende Estrichfirma aufgrund finanzieller Probleme ihre Arbeit einstellen und eine neue Firma gefunden und beauftragt werden.

„Die Eröffnung noch einmal zu verschieben wäre ein No-Go gewesen“, sagt Dahms. Deswegen sei sie froh, dass in den letzten Tagen und Wochen alle mit angepackt hätten, um sicherzustellen, dass das Schulzentrum zum September-Termin eröffnet werden kann.
Das Zentrum besteht aus vier Gebäudeteilen, die in farbenfrohen Wandmarkierungen als „Cluster“ bezeichnet werden. Dahms und Behling führen weiter in den östlichsten Gebäudeteil, den Cluster 4. Hier ist die neue Turnhalle untergebracht. Die Sprossenwände können herauf- und heruntergefahren werden, ebenso wie Trennwände zum Aufteilen der Halle. Sie wird vom örtlichen Turnverein mit genutzt und auch eine Berufsmesse hat sich als erste externe Veranstaltung bereits angekündigt.
Maximal 1100 Schülerinnen und Schüler finden in den beiden Schulen Platz
Als Nächstes geht es in die Räume der Grafen-von-Sempt Mittelschule. Vorbei an jeder Menge Sichtbeton, Edelstahl und Holz, die dem Gebäude einen minimalistisch-modernen Look verleihen, geht es in eines der Klassenzimmer. Es ist hell, für 28 Schülerinnen und Schüler ausgelegt und hinter jeder scheinbar gewöhnlichen Tafel versteckt sich eine digitale. „Auf diese Weise kann zukunftsorientiert Unterricht gestaltet werden“, so Behling.

Zwischen den Klassenzimmern finden sich häufig sogenannte Differenzierungsräume. In ihnen können Schülerinnen und Schüler getrennt vom Rest der Klasse Gruppenarbeiten vornehmen und dennoch von der Lehrkraft durch eine Glastür im Auge behalten werden.
Mit zur Ausstattung gehören außerdem acht Lehrküchen in zwei Räumen für das Fach Hauswirtschaftslehre. Passend dazu: Richtet man seinen Blick an die Decke, könnte man direkt Hunger bekommen. Die verzwirbelten Akustikplatten, die den Schall dämpfen, haben aufgrund ihrer Oberflächenstruktur den Spitznamen „Sauerkrautplatten“ erhalten, wie Behling erklärt.

Die beiden westlichen Gebäudeteile wiederum beherbergen die Grundschule, die sich jetzt nach einigem Hin und Her auch offiziell „Falkengrundschule“ nennen darf. Die Grund- und Mittelschule sind durch verschlossene Türen voneinander getrennt, damit die Schüler nicht von einer Schule in die andere wechseln – so einfach ist der Übergang dann doch nicht.
Die Schule bietet Platz für maximal 1100 Schülerinnen und Schüler. Derzeit sind es an der Mittelschule 253, aufgeteilt in 13 Klassen – an der Grundschule 521 in 23 Klassen. Es ist also noch Luft nach oben. Apropos oben: Auf dem Dach befindet sich eine großflächige PV-Anlage. Außerdem wird auf dem Gelände der Schule Wasser gesammelt, mit dem etwa die Blumenkästen auf den Balkons automatisch bewässert werden.

Dahms freut sich, dass das Gebäude jetzt steht. „Es ist ein Stück Infrastruktur für die Zukunft“, sagt sie. Sie habe die Debatte um den Neubau als Mutter und vor ihrer Zeit in der Politik verfolgt. „Ich hätte nicht gedacht, dass ich die Schule als Bürgermeisterin einweihen würde.“
So schön die Schule ist, so teuer war sie auch. Die finale Rechnung ist noch nicht da, allerdings bleibe man im finanziellen Rahmen, sagt Dahms: 69,4 Millionen Euro – zu Beginn der Planung war man von etwa 45 Millionen Euro ausgegangen. Doch zum Glück heißt es ja: Geld stinkt nicht.

