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Markt Schwaben/Poing:Bohren auf fremdem Gebiet

Bayernwerke und Markt Schwaben prüfen Kooperation bei Geothermie

Wird Markt Schwaben auf Poinger Gebiet expandieren, um sein Nahwärmenetz künftig mit Erdwärme betreiben zu können? Derzeit loten die Bayernwerke Natur GmbH und die Gemeinde Markt Schwaben aus, wie eine Kooperation in Sachen Geothermie ausschauen könnte. Ein Variante ist dabei offenbar, dass das Energieunternehmen die Bohrung realisiert und das Netz bis zur Gemeindegrenze baut und dort die Wärme in das Markt Schwabener Fernwärmenetz einspeist.

Ob es dazu aber kommt, ist aber weder zwischen Gemeinde und Firma geklärt, noch hat der Gemeinderat darüber beschlossen. Auch ist offen, wie lange die Verhandlungen noch dauern, sagt Pressesprecher Christian Martens: "Es gibt keine Frist." Bei den Bayernwerken habe man den Wunsch, dass das Förderloch der zweiten Bohrung für die mögliche dritte genutzt werde, so Martens. Für das Unternehmen würde das bedeuten: Die Kosten sinken, weil nur einmal gebohrt wird. Denn um Erdwärme nutzen zu können, braucht es eine Art Kreislauf mit zwei Öffnungen - eine, durch die das heiße Wasser an die Oberfläche gelangt, und eine, durch die es wieder in die Erde gepumpt wird.

Geht der Wunsch des Unternehmens in Erfüllung, würde die dritte Geothermiebohrung in unmittelbarer Nähe zur zweiten realisiert werden. Für Poing ist die Wärme nicht in erster Linie gedacht, es könnte aber - falls Markt Schwaben nicht alles benötigt - zum Beispiel das Areal am Bergfeld oder Poing-Süd mitversorgen. Das sei aber noch nicht angedacht, sagt Poings Bürgermeister Albert Hingerl (SPD). Dass Markt Schwaben auf seinem Gebiet bohren könnte, beunruhigt ihn nicht: "Wenn wir keine Nachteile davon haben, ist es doch gut, wenn zwei Kommunen zusammenarbeiten." Es dürfe aber nicht zu höheren Strompreisen oder Stromengpässen für seine Bürger kommen.

In Markt Schwaben würde das Rathaus das Fernwärmenetz, das mittlerweile einen Großteil des Kernortes umfasst, gern mit regenerativer Energie betrieben wissen. Ursprünglich hatte die Gemeinde die Geothermiebohrung entweder selbst anstellen oder es ganz bleiben lassen wollen. Doch die Haushaltslage zwingt die Markt Schwabener zu Kompromissen. Geld für eine millionenteure Bohrung ist nicht vorhanden, zumal das Risiko selbst Erdwärmebefürwortern viele Argumente aus der Hand genommen hat. Im Osten von München sinkt die Temperatur in der Erde sehr schnell von 100 Grad ab. In Ebersberg beispielsweise sind es nur noch 60 Grad, entsprechend wenig rentiert sich dort Geothermie. Markt Schwaben könnte genau in einem Bereich liegen, in der sich die Kosten nicht mehr amortisieren. Der Vorteil einer Zusammenarbeit mit Bayernwerke wäre für die Gemeinde, dass sie die Risiken einer Bohrung, die möglicherweise kein oder zu kaltes Wasser an die Oberfläche bringt, nur anteilig oder eventuell sogar gar nicht tragen müsste.

Für den Fall, dass aus der gemeinsamen Geothermiebohrung nichts wird, könnte Markt Schwaben immer noch sein Fernwärmenetz mit Hackschnitzeln beheizen. Doch an ein Scheitern der Gespräche will derzeit weder das Rathaus noch Bayernwerke denken.