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Markt Schwaben:Das La Piazza sagt Arrivederci

Rosamaria Muggianu und Pizzabäcker Andrea Ferro vom La Piazza in Markt Schwaben müssen sich auf einen Standortwechsel innerhalb des Orts einstellen.

(Foto: Christian Endt)

Nach 120 Fehlalarmen in neun Jahren zieht die Markt Schwabener Pizzeria die Konsequenzen. Es könnte aber an anderer Stelle weitergehen.

Von Korbinian Eisenberger, Markt Schwaben

Es sind nur eine Handvoll Rauchmelder, die verlässlich Fehlalarme auslösen. Ein scheinbar winziges technisches Problem. Möchte man meinen. Insgesamt ist die Markt Schwabener Feuerwehr wegen dieses winzigen Problems in 14 Jahren 170 Mal in das historische Gebäude Unterbräu ausgerückt, 170 Mal musste das dortige Lokal unter Sirenengeheul geräumt werden. 170 Mal reagierte die Brandmeldeanlage auf die Rauchzeichen der Regina aus dem Pizzaofen. 170 Einsätze für die Katz. Neun Jahre und 120 Fehlalarme hat zuletzt die Belegschaft der Pizzeria La Piazza mitgemacht. Damit ist es nun vorbei. Am Sonntag, 25. Juli, hat das La Piazza im Markt Schwabener Unterbräu zum letzten Mal geöffnet.

Die Pächter und die Eigentümer des Unterbräus haben sich auf eine vorzeitige Vertragsauflösung geeinigt, wie Anfang der Woche zu erfahren war. Den Gerichtsstreit haben sie mittlerweile beigelegt. "Es hat sich nicht abgezeichnet, dass wir zu einem Ergebnis kommen", erklärt die Firma Neumayer Wohnbau, der das Gebäude gehört. Insofern sei man über die "einvernehmliche Trennung" froh. Die Lokalbetreiberin Angela Dachs hat über die Jahre sechs Ordner mit Prozessakten gesammelt, stets in der Hoffnung, das La Piazza im Unterbräu zu erhalten. Am Montag erklärte sie: "Wir gehen nicht gerne, aber irgendwann ist man mit den Nerven am Ende."

Was Dachs zu diesem Zeitpunkt noch nicht wusste: Das winzige technische Problem mit der Brandmeldeanlage ihres bald Ex-Lokals ist offenbar gelöst. Ein Anruf beim Bürgermeister am Dienstag ergibt, dass es sich um eine Art Blitzheilung handeln dürfte. "Gestern hatte ich dafür den finalen Bauantrag auf dem Tisch", erklärt Michael Stolze (parteilos). Der Antrag aus Markt Schwaben an das Bauamt im Ebersberger Landratsamt sehe vor, dass die Brandmeldeanlage künftig immer nur in den Zeiten läuft, wo das La Piazza geschlossen hat. Bei Betrieb sollen die Rauchmelder automatisch ausgeschaltet werden.

Zusammenfassung: 14 Jahre findet keiner der Beteiligten eine Lösung für das offenbar doch nicht so winzige Problem mit den Brandmeldern. Jahrelang wird deswegen vor Gericht gestritten - ohne Ergebnis. So kommt es, dass Angela Dachs und ihre nicht minder entnervten Mitarbeiter ihren Gästen im La Piazza am Freitag, 16. Juli 2021, erstmals von der Aufgabe des Lokals am Monatsende erzählen. Drei Tage später, am Montag, 19. Juli, hat Markt Schwabens Bürgermeister die Lösung für das 14 Jahre lang ungelöste Problem auf seinem Tisch liegen. Als wäre das Ganze nicht schon kurios genug.

Angela Dachs reagiert relativ entspannt auf diese neuste Pirouette. Jemanden wie sie kann so schnell nichts mehr überraschen. "Das ist mir jetzt auch schon egal", sagt sie. Einem möglichen Nachfolger wünsche sie schlichtweg, "dass es für den Lokalbetrieb erst dann eine Genehmigung gibt, wenn die Meldeanlage in Ordnung gebracht ist".

Geht der Antrag im Landratsamt durch, ist es eine ziemlich einfache Lösung. Offenbar stehen die Chancen gut, wie vom Bürgermeister und der Firma Neumayer zu erfahren ist. Warum brauchte es für diesen Geistesblitz 14 Jahre - und 170 Einsätze der Freiwilligen Feuerwehr Markt Schwaben? Bürgermeister Stolze, der seit gut einem Jahr im Amt ist, wüsste auch gerne eine Erklärung, sagt er. Die Firma Neumayer erklärt, dass es sich "um ein ganz spezielles Fachproblem" gehandelt habe. Über die Jahre habe die Firma immer wieder "Leute beauftragt, die vom Fach sind, um eine Lösung zu finden", erklärt Geschäftsführer Hubert Neumayer am Telefon. Aber: "Uns ist der entscheidende Tipp nie gegeben worden." Sein Fazit: "Der Streit zwischen den Pächtern und uns ist uns zunehmend auf die Nerven gegangen."

Wie es aussieht, darf sich die Firma Neumayer der Nähe des La Piazza weiterhin gewiss sein. Angela Dachs und ihr Team stehen in engen Verhandlungen mit dem in unmittelbarer Nachbarschaft gelegenen Oberbräu, das seit einem Jahr leer steht. Dort ist die Atmosphäre zwar kaum vergleichbar mit dem Kellergewölbe des La Piazza - dafür müssen sich die Wirtsleute keine Gedanken über spontane Besuche der örtlichen Feuerwehr machen, es sei denn, der Appetit treibt sie ins Lokal. Noch ist nichts unterschrieben - doch wenn es dazu kommt, werden die Neumayers und das La Piazza im Herbst Nachbarn. Der Abschiedsgruß lautet also nicht auf Nimmerwiedersehen Unterbräu - sondern Arrivederci im Oberbräu.

Was dem Nachbarschaftsfrieden zuträglich sein dürfte: Die Firma Neumayer will nicht selbst ins Oberbräu einziehen. Stattdessen könnte die Pizzeria von Oktober an Konkurrenz bekommen. "Wir sind in Verhandlungen mit einem Interessenten", erklärt Hubert Neumayer. Es handle sich um einen Wirt, der dort ebenfalls italienische Küche anbieten möchte. Auch hier ist noch kein Vertrag unterschrieben. Noch ist dieses winzige technische Problem ja nicht endgültig behoben.

© SZ vom 21.07.2021/koei
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