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Neujahrsbegegnung in Markt Schwaben:Applaus für eine Rastlose

Die Theaterautorin und Regisseurin Marga Kappl wird offiziell zur ersten Ehrenbürgerin der Gemeinde ernannt

Sie hat uns als Schauspieler und als Zuschauer immer für ihre Theaterstücke begeistert - meine Ehrenbürgerin war sie deshalb schon lange", befand Laudatorin Antonia Buchenrieder, eine der Nachwuchsdarstellerinnen in Markt Schwaben. Seit der dortigen Neujahrsbegegnung am Sonntagnachmittag ist Theaterfrau Marga Kappl auch offiziell Ehrenbürgerin ihrer Heimatgemeinde. Im Unterbräusaal hat die früheren Lehrerin sowie langjährige Regisseurin und Autorin von Bürgermeister Georg Hohmann (SPD) die Ehrenbürgerurkunde erhalten. Den Beschluss dazu hatte der Gemeinderat in seiner Dezembersitzung gefällt.

Mit Fallhöhen kennt sich eine so gewiefte Theaterregisseurin wie Marga Kappl natürlich bestens aus. Deshalb machte die 75-Jährige bei der Ehrung um die üblichen Floskeln einen weiten Bogen - um gleich bei der Urkundenüberreichung einen Lacher für sich zu verbuchen: "Manches hat mich schon sehr genervt!" Kunstpause. "Zum Beispiel der ganze Organisationskram: Wo darf ich überhaupt ein Plakat hinhängen? Wer hilft mir, wenn ich plötzlich für ein Stück einen Kachelofen brauche? Und überhaupt: Wer passt mir auf, dass die Kinder bei den Weiherspielen nicht in den Weiher fallen?"

Marga Kappls jüngster Streich ist ein selbst geschriebenes Stück über die einstige AWO-Gründerin Marie Juchacz, gespielt von der Gruppe "Futura".

(Foto: Christian Endt)

Aber auch die andere, positive Seite betont die Regisseurin natürlich: "Ich habe unglaublich viel zurückbekommen: Die Freude des Publikums, die Freude und den Spaß der Schauspieler." Beides sei regelrecht umwerfend gewesen, über all die Jahre. "Ich möchte mich für diese Auszeichnung heute sehr herzlich bedanken. Ich freue mich auch deshalb so sehr, weil man für ehrenamtliche Tätigkeiten ja nicht so oft belobigt wird." Und natürlich ging noch ein Dank an ihren Mann, der - wieder eine Kunstpause - "meistens" alles so klaglos über sich habe ergehen lassen.

Auch an diesem Sonntagnachmittag im Unterbräusaal finde eine Premiere statt, blieb Bürgermeister Hohmann bei seiner Würdigung im Theaterjargon. Denn in Marga Kappl habe Markt Schwaben nun erstmals eine Ehrenbürgerin, ihre 13 Vorgänger waren allesamt Männer. "Sie haben die Theaterarbeit im Landkreis ganz entscheidend beeinflusst und eine enorme Zahl junger und etwas älterer Menschen fürs Theater begeistert", zollte Hohmann den Respekt seiner Gemeinde - " mit einer Fülle von Produktionen, die die Theaterlandschaft weit und breit belebt haben!"

Bürgermeister Georg Hohmann überreicht der neuen Ehrenbürgerin von Markt Schwaben ihre Urkunde.

(Foto: Christian Endt)

Mehr als 50 Theaterstücke habe Marga Kappl in all den Jahren selbst geschrieben oder auf ihre ganz eigene Weise inszeniert, berichtete Hohmann. Als eine der tragenden Säulen der berühmten "Weiherspiele" des Markt Schwabener Theatervereins, als Gründerin von Kindertheater, Junger Bühne und der Jugendgruppe Futura. Kappl habe nicht nur bei unzähligen Kindern aus Markt Schwaben und dem Landkreis Begeisterung fürs Theaterspielen geweckt, sondern ihnen ehrenamtlich und über Jahrzehnte hinweg auch eine fundierte schauspielerische Ausbildung ermöglicht. "Was für eine besondere Lebensleistung, was für ein außergewöhnliches Engagement!"

Zudem seien Kappls Aktivitäten übers Künstlerische weit hinausgegangen, ging der bürgermeisterliche Dank weiter. "Dass es zum Beispiel am Weiher kostenlose rollstuhl- und rollatorgerechte Plätze im Schatten gibt, damit auch Pflegebedürftige und Markt Schwabener mit Behinderungen an den Festspielen und somit am öffentlichen und kulturellen Leben teilnehmen können, geht ebenfalls auf Magda Kappl zurück."

"Sie hat alles mit einem Anspruch gemacht, der immer weit über dem lag, den man so von anderen Laientheatern kennt", befand Laudatorin Antonia Buchenrieder - die es wissen muss, ist sie doch Darstellerin der Gruppe Futura. Als solche berichtete sie auch von der immensen Rastlosigkeit der Regisseurin: "Während wir noch vom Scheinwerferlicht geblendet dastanden, war sie mit dem Kopf schon wieder beim nächsten Stück."

Nun aber sei der Zeitpunkt gekommen, kürzer zu treten, erklärte die neue Ehrenbürgerin. Zumindest ein bisschen. "Mit der Regiearbeit höre ich auf" - Kunstpause - "aber als Autorin mache ich weiter." Ein Kinderbuch sei geplant, ein weiteres Theaterstück für Kinder ebenso. Und dann noch eines über Lena Christ. "Glauben Sie mir: Ganz weg bin ich noch nicht!" Wollen wir es hoffen.