Mit zehn Jahren hatte er zum ersten Mal eine tragende Rolle – in einem Stück zur Verabschiedung seiner Lehrerin. Seitdem hat Hermann Bogenrieder die Begeisterung für die Bühne niemals losgelassen, auch wenn er beruflich letztlich einen anderen Weg ging. Als Komponist, Sänger und Schauspieler bei den Weiherspielen kannten und liebten ihn die Markt Schwabener, ebenso als Gstanzlsänger bei verschiedenen Anlässen. Mehr als zwei Jahrzehnte lang engagierte er sich für die CSU im Marktgemeinderat. Am Dienstag ist Bogenrieder im Alter von 77 Jahren gestorben. „Sein Tod hinterlässt eine große Lücke in unserer Gemeinschaft“, schreibt Zweite Bürgermeisterin Walentina Dahms (CSU).
„Ich bin eine Rampensau, die Bühne ist Teil meines Lebens“, sagte Hermann Bogenrieder einmal im Interview mit der SZ. Deshalb klappte es auch mit dem Abschied von den Weiherspielen nicht so ganz, den er 2010 ankündigte – als 2022 nach der Corona-Pause erstmals wieder auf dem See gespielt wurde, war Bogenrieder natürlich mit dabei und blieb in seiner rührenden Rolle als verliebter Kaplan Benedikt den Zuschauern besonders in Erinnerung.
Bogenrieder sorgte dafür, dass die Musik am Weiher nicht mehr aus der Konserve kam
Über Jahrzehnte hinweg hatte Bogenrieder die Spiele mit geprägt: Kurz nachdem 1984 die Freilichtaufführungen am Markt Schwabener Schlossweiher ins Leben gerufen worden waren, holte deren Leiter Sepp Schmid Bogenrieder mit ins Boot, der gleich dafür sorgte, dass die Musik fortan nicht mehr aus der Konserve kam. Es dauerte nicht lang, bis die Weiherspiele Kultcharakter erlangten – von weit her pilgerten die Menschen mit Picknickkörben und Decken nach Markt Schwaben, um sich in idyllischem Ambiente aufs Beste unterhalten zu lassen. Und dass es gut wurde, wenn Hermann Bogenrieder die Seebühne betrat, verstand sich irgendwann von selbst.
Auch bei vielen anderen Aufführungen des Theatervereins Markt Schwaben stand Bogenrieder auf der Bühne, in heiteren, aber auch in ernsten Rollen. Mit großer Trauer ist dort die Todesnachricht aufgenommen worden: „Er trug durch seine Lieder und sein einzigartiges Schauspiel maßgeblich zum Erfolg der Weiherspiele bei. Hermanns Spielwitz und sein Humor bereiteten Zuschauern und Freunden auch abseits der Bühne viele freudige Stunden. Seine gefühlvollen Texte und Melodien bleiben unvergesslich“, heißt es in einer Stellungnahme des Vereins auf dessen Facebook-Seite.
Als Gstanzlsänger verband der Markt Schwabener gekonnt Musik und Politik
Doch auch wenn das Theater sicher die größte Leidenschaft Bogenrieders war, engagierte er sich auch in einem ganz anderen Bereich viele Jahre ehrenamtlich: Bei der CSU war der Systemanalytiker lang im Ortsvorstand vertreten und gestaltete über Jahrzehnte hinweg als Gemeinderat die Politik im Ort mit. Nachdem er 2020 den Wiedereinzug knapp verpasst hatte, zog er im März 2023 erneut in das Gremium ein. Bisweilen gelang es Bogenrieder sogar, Politik und Musik zu verbinden – bei seinen großartigen Auftritten als Gstanzlsänger, in denen er die Eigenheiten der Gemeindepolitik pointiert kommentierte. 2014 stellte er sogar die Kandidatinnen und Kandidaten für die Gemeinderats- und Kreistagswahl musikalisch vor: Für Walentina Dahms, heutige Zweite Bürgermeisterin und Kandidatin bei der anstehenden Bürgermeisterwahl, komponierte er eigens einen „Walentina-Rap“ zum Queens-Klassiker „We Will Rock You“ – für Dahms im Rückblick immer noch ein Highlight.
Und doch war Bogenrieder für sie und viele andere noch viel mehr als der Spaßmacher, Musiker, Gemeinderats-Kollege: „Wir erinnern uns an Hermann auch als einen Freund, der stets ein offenes Ohr und ein großes Herz für die Anliegen anderer hatte. Sein Humor, seine Herzlichkeit und seine menschliche Wärme machten ihn zu einem unverzichtbaren Teil unserer Gemeinschaft“, schreibt Dahms in ihrem Nachruf.

