Am Ende wussten Jan Havlicek und Julian Bohnsack wohl ziemlich genau, wie sich Marietta Slomka, die Moderatorin des Heute-Journals, manchmal fühlen mag: Politiker in ihrem Redefluss einzubremsen, nachzuhaken, auf leichte Themaverfehlungen hinzuweisen – das alles ist bisweilen gar nicht so einfach. Doch die beiden Schüler des Markt Schwabener Franz-Marc-Gymnasiums haben sich souverän bewährt und dazu beigetragen, dass sich ihre Mitschülerinnen und Mitschüler inzwischen ein wenig besser als zuvor vorstellen können, wie Kreispolitik funktioniert.
Die jungen Leute vom Arbeitskreis Politik und Zeitgeschichte hatten am Freitagvormittag Landrat Robert Niedergesäß (CSU), Ulrich Proske (als Parteiloser SPD-Fraktionschef im Kreistag), Thomas von Sarnowski (Grüne), Günter Scherzl (Freie Wähler), Renate Glaser (ÖDP) und Manfred Schmidt (AfD) in ihre Schule eingeladen. Hier sollten sie auf dem Podium in der Aula erklären, wie sie beispielsweise zur Energiewende, zur Bildungspolitik oder zur Verkehrsinfrastruktur stehen. Man habe sich bewusst nur auf Themen konzentriert, bei denen der Kreis etwas entscheiden könne, erzählte Julian Bohnsack nach der Veranstaltung. Fragen zum Sportpark Markt Schwaben oder das Freizeitangebot, die zunächst auch auf der Liste standen, fielen daher weg.

Es blieb trotzdem genügend zu besprechen, am Ende wurde die Zeit sogar richtig knapp: Im Vergleich zu einer Mathedoppelstunde seien ihm die eineinhalb Stunden auf dem Podium wie 20 Minuten vorgekommen, stellte Julian Bohnsack am Ende der Veranstaltung fest. Auch die Politiker waren ordentlich gefordert: Sie mussten schnell mit Assoziationen zu Fotos aufwarten, vorgegebene Halbsätze beenden, eine Vision für den Landkreis Ebersberg in zehn Jahren entwickeln und immer wieder versuchen, die eher sperrigen Aspekte der Kreispolitik der Jugend nahezubringen – etwa das Pro und Contra einer Erhöhung der Kreisumlage.
Zum Einstieg zeigten die Moderatoren Bilder von Themen, die nahe an ihrer eigenen Lebenswirklichkeit andockten. Gesperrte Toiletten, Kabelsalat rund um Computer, nicht geputzte Fenster waren da etwa zu sehen. Letzteres spielte darauf an, dass der Kreis sich aus Kostengründen in diesem Jahr die gründliche Sommerreinigung der Schulen spart. In diesem Fall waren sich die Gäste auf dem Podium allerdings fraktionsübergreifend einig, dass das zu verkraften sein müsste. Und dass der Zustand der Schultoiletten in der Gastgeberschule jedenfalls nicht zu bemängeln sei, wie man aus eigener Erfahrung berichten könne.
Unterschiedliche Positionen waren eher bei der Frage zu erkennen, wie es mit dem Ausbau der Bildungslandschaft im Landkreis weitergehen soll. Thomas von Sarnowski verwies auf die stark steigenden Schulden und forderte, nicht die beiden Großprojekte – das Gymnasium in Poing und das Berufsschulzentrum in Grafing – gleichzeitig in Angriff zu nehmen, „das gefährdet den Handlungsspielraum“. Widerspruch erntete er beispielsweise von Günter Scherzl, der betonte, das Gymnasium in Poing brauche man unbedingt angesichts der Tatsache, dass die umliegenden Schulen überfüllt seien, aber auch das Berufsschulzentrum sei für ein breites Bildungsangebot nötig. Der Landrat verwies darauf, dass man ohnehin beide Schulen für viel weniger Geld als ursprünglich kalkuliert bauen könne. Auf die Geldnot der Kommunen wiesen wiederum alle Diskussionsteilnehmer hin, „strecken, schieben, streichen“, das müsse leider deshalb manchmal die Devise sein, sagte Ulrich Proske.
Zur Vorbereitung haben die Moderatoren viel Zeit aufgewendet
Einen großen Teil der Diskussion nahm die mangelnde Zuverlässigkeit von Bus und Bahn ein, die viele Schülerinnen und Schüler nervt. Es gebe insbesondere bei der Bahn viel zu tun, leider werde man die Situation nicht auf die Schnelle ändern können, weil die Infrastruktur „über Jahrzehnte kaputtgespart worden sei“, sagte Thomas von Sarnowski. Auch die Energiewende war ein Thema, hier warnte Renate Glaser davor, die gesetzten Ziele aufzugeben, nicht zuletzt sei die Energiewende auch ein Wirtschaftsfaktor.
Die Moderatoren zeigten sich gut informiert und hakten kundig nach. Seit Wochen hatten sie sich vorbereitet, Zeitungsartikel gelesen, auch die Sitzungsunterlagen des Kreistags durchgeschaut und sich von Livestreams anderer Podiumsdiskussionen inspirieren lassen. Am Ende gab es großen Applaus und viel Anerkennung. „Es hat mir sehr, sehr gut gefallen, vieles war überraschend, was ich gehört habe“, sagte Schülersprecher Simon Lohner.

