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Markt Schwaben:"Für mich ist das mein Weg"

Simon Ruderer aus Markt Schwaben wird an diesem Samstag im Freisinger Dom zum Priester geweiht. Mit einer Mischung aus Respekt, Nervosität und Vorfreude sieht der 31-Jährige diesem Moment entgegen

"Christus erhöre uns": Simon Ruderer wird ausgestreckt auf dem Boden vor dem Altar liegen, wenn der Ruf an diesem Samstag durch den Freisinger Dom schallt. Das Gebet der Gemeinde um Fürsprache der Heiligen - die Allerheiligenlitanei - wird fast vorbei sein, nach dem "Amen" werden er und seine vier Kommilitonen aufstehen und es wird soweit sein: Kardinal Reinhard Marx legt Ruderer die Hände auf und weiht ihn im Beisein Hunderter andächtiger Gläubiger zum Priester. Ein klassischer Gänsehautmoment.

"Aufgewühlt" sei er, sagt Ruderer einige Tage vorher, während er an einem Tisch in seinem Elternhaus in Markt Schwaben sitzt. In ihm herrsche eine Mischung aus Respekt, Nervosität und Vorfreude, erzählt der 31-Jährige. Kein Wunder, denn schließlich ist es jetzt - sieben Jahre nachdem er das Theologiestudium begonnen hat - endlich soweit. "Das ist ein Ziel, das ich erreiche - auch wenn es danach natürlich weitergeht", sagt Ruderer. Zunächst vor allem mit Feiern: Nach der Priesterweihe an diesem Samstag um 9 Uhr im Freisinger Dom wird der Neupriester am Abend von der Pfarrgemeinde St. Margaret empfangen. Am Sonntag beginnt dann um 9.30 Uhr seine Primiz im Sportpark - der erste Gottesdienst, dem er als Priester vorsteht.

Am Fronleichnamstag stand Simon Ruderer noch einmal als Diakon an der Seite von Pfarrer Herbert Walter.

(Foto: Christian Endt)

In Zeiten hoher Kirchenaustrittszahlen sind solche Ereignisse selten geworden, in Markt Schwaben wurde der letzte Primiziant vor rund 16 Jahren empfangen. Entsprechend groß ist die Vorfreude in der Gemeinde. "Das hat eine ganz außergewöhnliche Bedeutung für den Ort", sagt Pfarrer Herbert Walter. Die Menschen, auch die weniger religiösen, spürten das und wollten teilhaben. Vor einigen Wochen hat Ruderer zum ersten Mal seit sieben Jahren an der Fronleichnamsprozession der Gemeinde teilgenommen. Als Diakon war er zentral am Geschehen beteiligt. "Ich war überrascht, wie ich wahrgenommen wurde", erzählt er. Viele erinnerten sich an den jungen Mann, der schon früher am Altar präsent war - als Ministrant, 19 Jahre lang. Die kirchliche Kerngemeinde habe den Werdegang Ruderers eben durchaus verfolgt, erklärt Walter.

Das hat sich gelohnt, denn Ruderers Weg zur Priesterweihe war alles andere als alltäglich. Nachdem er die Hauptschule in Markt Schwaben abgeschlossen hatte, begann er zunächst eine Erzieherausbildung. Schon damals aber wollte er Priester werden. Sein großes Interesse an Automobiltechnik blieb deshalb bei der Berufswahl auf der Strecke. "Da hätte ich auch eine Ausbildung machen können", erzählt Ruderer. Aber das hätte ihm eben nichts für die Arbeit als Seelsorger genutzt. "So habe ich jetzt auch noch ein paar pädagogische Kompetenzen", sagt der 31-Jährige.

Die Markt Schwabener Katholiken haben auch in der Vergangenheit den Werdegang des 31-Jährigen Diakons Simon Ruderer mit Interesse verfolgt.

(Foto: Christian Endt)

Den einen Moment der Berufung, von dem an er Priester werden wollte, gab es bei Ruderer nicht. Vielmehr erlebte er das Geschehen im Gottesdienst als Kind und Jugendlicher immer bewusster. Er habe nach und nach verstanden, welche Botschaft hinter den Gebeten stehe, erzählt er heute. "Und mir ist wirklich das Herz dabei aufgegangen." Im Alter von 14 oder 15 Jahren wollte er erstmals Priester werden. "Aber zu dem Zeitpunkt war mir klar, dass das unrealistisch ist", erinnert er sich. "Wie soll man auch als Hauptschüler Theologe werden?"

Doch Ruderer hatte einen Ratgeber an der Seite: Herbert Walter, den Markt Schwabener Pfarrer, der zugleich sein Firmpate war. Der hatte den Fleiß seines Ministranten bereits registriert, als Ruderer ihm von seinem Wunsch erzählte. "Mir ist sehr früh aufgefallen, dass er den Dienst sehr aufmerksam und umsichtig macht", erzählt Walter. Auch für ihn wird die Priesterweihe ein besonderer Moment: Er wird Ruderer beim Anziehen des Messgewandes helfen und ihm - wie alle anderen anwesenden Priester auch - die Hand auflegen. "Das wird bei Simon nochmal emotional bewegender als bei anderen Priesterweihen, weil wir uns freundschaftlich nahestehen", sagt Walter und fügt dann hinzu: "Ich freue mich irrsinnig."

Priesterweihe Simon Ruderer

Bereits seit Anfang Juni macht ein Schild am Ortseingang auf den großen Tag von Simon Ruderer aufmerksam.

(Foto: privat)

Nach der Aussendung von Agnes Huber als Pastoralassistentin in der vergangenen Woche wird Ruderer bereits der zweite junge Mensch aus der Pfarrei sein, der sich binnen kurzer Zeit für einen Dienst in der Kirche entscheidet. Gemeinsam waren die beiden lange Jahre bei den Ministranten aktiv, auch in der Ausbildung begegneten sie sich regelmäßig. Als "Kaderschmiede" sieht Walter seine Pfarrei dennoch nicht: "Jemanden in diese Richtung zu drängen, geht garantiert schief", sagt der Pfarrer. "Berufungen wachsen immer leise." An der seinen hatte Ruderer nie Zweifel, auch wenn das Theologiestudium teilweise anstrengend war. "So eine Entscheidung hat große Konsequenzen, aber ich möchte durch und durch Priester sein", sagt er. Dass sein Beruf längst nicht mehr so viel Ansehen genießt wie noch vor einigen Jahrzehnten und Kirchenkritik in Mode ist, stört ihn dabei nicht. Nebensächlich sei das, sagt Ruderer, denn: "Für mich ist das mein Weg." Der geht mit dem "ersten Schritt in die priesterliche Selbstständigkeit", wie Ruderer es formuliert, nach der Primiz weiter. Jeweils zwei Wochen wird er in den Sommerferien in Markt Schwaben und Rosenheim den Pfarrer vertreten und die Gemeinde leiten. Von September an wird er dann als Kaplan in Moosburg an der Isar wirken. Die Gemeinde erhält gleichzeitig einen neuen Pfarrer, es wird ein Neuanfang für alle Beteiligten.

Ruderer hat darin bereits Erfahrung, als angehender Priester gehört Umziehen zum Alltag. Von Markt Schwaben aus ging es nach der Erzieherausbildung zu Beginn des Studiums nach Passau, von dort auf ein deutschlandweit einzigartiges Priesterseminar für Spätberufene in die Eifel. Drei Monate lang kam Ruderer dann während des dortigen Theologiestudiums zurück in die Heimat - für ein Praktikum in der Pfarrgemeinde von Heufeld bei Bad Aibling. In den vergangenen zwei Jahren war er in der Pfarrei Rosenheim am Wasen, parallel dazu absolvierte er weiter Kurse am Priesterseminar, wurde im vergangenen Jahr zum Diakon geweiht. Und auch mit der Weihe an diesem Samstag ist die Ausbildung noch nicht zu Ende. Ruderer muss weiter lernen, im letzten Jahr als Kaplan wartet die zweite Dienstprüfung. Dafür muss er nochmals eine Arbeit schreiben, ein Kolloquium absolvieren und mehrere Prüfungen bestehen. Erst dann darf er eine eigene Gemeinde übernehmen. Viel Arbeit also, die auf den Neupriester zukommt. Aber Ruderer ist gelassen. "Schritt für Schritt. Das hat in den letzten Jahren auch immer geholfen." Wichtig ist ihm dabei, einen Ausgleich zur Arbeit und zum Lernen zu haben. Ruderer ist begeisterter Billardspieler, auch auf dem Fahrrad ist er häufig anzutreffen.

Als künftiger Priester sieht der 31-Jährige seine Hauptaufgabe darin, "gemeinsam zu lachen und zu weinen, einfach das Leben zu teilen". Als Seelsorger könne man viel Beziehungsarbeit leisten, sagt er. Das hat Ruderer bereits in den vergangenen zwölf Monaten als Diakon gemerkt. Von der meist fröhlichen Arbeit mit Kindern in der Schule und der Jugendarbeit der Pfarrgemeinde bis hin zu Trauergesprächen und Beerdigungen: Ruderer war in verschiedensten Situationen als einfühlsamer Gesprächspartner gefordert. "Da ist es gut, wenn man nicht so vergeistigt spricht, sondern klare und einfache Worte findet", erzählt er. Ruderer empfindet sich deshalb auch weniger als wissenschaftlicher Theologe, sondern mehr als volksnaher Seelsorger. "Ich sehe mich schon mit beiden Füßen im Leben stehend", sagt er.

Seinen Primizspruch hat er aus dem Zweiten Korintherbrief entnommen: "Er aber antwortet mir: Meine Gnade genügt dir, denn sie erweist ihre Kraft in der Schwachheit." Nur seine eigenen Fähigkeiten seien eben nicht genug, um das Priesteramt vollständig auszufüllen, sagt Ruderer. "Es braucht die Gnade Gottes."

Die Priesterweihe von Simon Ruderer ist am Samstag (27. Juni) um 9 Uhr im Freisinger Dom, um 14.30 Uhr gehen die Feierlichkeiten dort mit einer Vesper zu Ende. Um 17 Uhr wird der Neupriester am Ortseingang in Haus abgeholt und um 17.30 Uhr im Bürgersaal des Unterbräu durch die Pfarrgemeinde St. Margaret empfangen. Im Anschluss daran feiern die Gläubigen eine Dankandacht in der Pfarrkirche .Die Primizfeierlichkeiten am Sonntag beginnen mit einem Zug vom Elternhaus in der Böhmerwaldstraße 31 zur Dreifachturnhalle um 8.10 Uhr, der Festgottesdienst ist um 9.30 Uhr im Sportpark. Ab 12 Uhr ist in der Halle das Primizfest.