Markt Schwaben DAV-Kletteranlage bleibt geschlossen

Unbenutzbar sind sowohl das Kletterzentrum als auch die dort gelagerte Ausrüstung - was erhebliche finanzielle Verluste für den Verein bedeutet.

(Foto: Photographie Peter Hinz-Rosin)

Trotz eines positiven Gutachtens sieht die Gemeinde zu hohes Risiko. Wie es nun weiter geht.

Von Korbinian Eisenberger, Markt Schwaben

Es war genau jene Nachricht, die sich die etwa 50 Zuschauer im Rathaussaal nicht erhofft hatten: Die Markt Schwabener Kletterhalle auf dem Gelände der alten Kläranlage bleibt geschlossen. So teilte es Markt Schwabens Bürgermeister Georg Hohmann (SPD) am Dienstagabend auf der Gemeinderatssitzung mit. Damit bleibt dem mit 1700 Mitgliedern zweitgrößten Sportverein im Ort auch nach drei Wochen weiterhin der Zutritt zum Gelände verwehrt. Entgegen der Hoffnung des Alpenvereins (DAV).

Selten kommt es vor, dass im Sitzungssaal des Rathauses die Plätze ausgehen, diesmal war es soweit. Viele Mitglieder der Markt Schwabener DAV-Sektion waren in der Hoffnung gekommen, dass die Gemeinde die Schließung des Kletterzentrum rückgängig macht. Grund dafür war vor allem das Ergebnis eines Gutachtens, welches Bürgermeister Hohmann in der Sitzung kurz umriss. Es handelt sich um die Auswertung eines Statikers, der die Halle als stabil einordnete. Das Gutachten beinhalte aber auch, "dass dort noch was zu tun ist", so Hohmann. Sein Hauptproblem: Rechtlich gesehen haftet nach jetzigem Stand weiter der Bürgermeister, würde die Gemeinde das Areal wieder freigeben.

Die DAV-Mitglieder zeigten sich nach dem Ende der Sitzung um kurz vor Mitternacht enttäuscht. Zuvor hatten die Vereinsvorsitzenden Sven Idek und Marina Krauss der Gemeinde ein Schreiben vorgelegt, wonach man keine Informationen erhalten habe, worin die Bedenken am Sachgutachten bestehen. Auch über die Schlüsse daraus für das Haftungsrecht sei man nicht informiert worden.

Unbenutzbar sind sowohl das Kletterzentrum als auch die dort gelagerte Ausrüstung - was erhebliche finanzielle Verluste für den Verein bedeutet.

(Foto: Photographie Peter Hinz-Rosin)

Die Vereinsmitglieder kommen nicht in ihre gesperrte Geschäftsstelle

Man könne derzeit das Verleihmaterial, also etwa Touren- oder Kletterausrüstung, nicht nutzen, zudem würden die Jugendgruppen ersatzlos ausfallen. "Es werden bereits Anfragen für Rückerstattungen von Mitgliederbeiträgen gestellt", heißt es. Die monatlichen Ausfallkosten lägen bei um die 20 000 Euro. Angesichts mangelnder Alternativen sei die Existenz des Vereins gefährdet.

Bürgermeister Hohmann las das Schreiben der Markt Schwabener DAV-Sektion im Sitzungssaal vor, erklärte anschließend jedoch, dass dies nichts an seiner Lage und Haltung ändere. Er habe einen Fachanwalt eingeschaltet, auf dessen Anweisung werde nun gehandelt. Dazu, so Hohmann, wolle er nun "schnellstmöglich" alle Beteiligten an einen Tisch bekommen, also das Landratsamt, die Kreisfeuerwehr (sie führt in den Räumen der Anlage Übungen mit Realfeuer durch), den Alpenverein und die Gemeinde als Eigentümer des Grundstücks. Welches Ergebnis dabei zu erwarten ist? Hohmann: "Es wird darauf hinauslaufen, dass der DAV oder der Landkreis die Verantwortung übernehmen."

Auffällig war die Reihenfolge der Sitzungsthemen. Die 50 Zuschauer, fast alle vom Alpenverein, einige in Kletterschuhen erschienen, mussten nahezu vier Stunden warten, ehe sich der Gemeinderat mit ihrem Anliegen befasste. Dass es überhaupt dazu kam, lag an einer Wortmeldung von Gemeinderat Heinrich Schmitt (CSU), der um kurz vor 23 Uhr beantragte, den Punkt zwölf auf der Tagesordnung nach vorne zu ziehen und alles weitere auf die nächste Sitzung zu vertagen. Inzwischen hatte etwa ein Drittel der Gäste den Saal verlassen, der Großteil harrte bis zum Schluss aus.

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