Knapp vier Jahre ist es inzwischen her, dass ein Haus direkt am Marktplatz von Markt Schwaben gebrannt hat. Ein Haus, in dem es einen türkischen Laden gab, einen Bäcker, ein Eiscafé, eine Frühförderstelle und einen Versicherungsmakler, außerdem hatte dort eine Familie gewohnt. Man kann also sagen: ein Haus, das viel Positives zum Leben am Ort beigetragen hat. Entsprechend groß war die Hilfsbereitschaft nach dem Feuer, die Menschen unterstützten die Betroffenen mit Spenden, neuen Unterkünften und anderen Angeboten.
Dann aber kam es zur großen Wende: Die Polizei verdächtigte den Ladenbesitzer und einen seiner Mitarbeiter, den Brand selbst gelegt zu haben. Das Landgericht fällte später ein entsprechendes Urteil wegen schwerer Brandstiftung und versuchten Mordes in vier Fällen, beide Männer sitzen nun im Gefängnis. „Da war das Entsetzen natürlich groß“, sagt die heutige Bürgermeisterin Walentina Dahms (CSU). Inzwischen aber habe sich der öffentliche Fokus verlagert: weg von der Brandstiftung, hin zur Brandruine. „Darauf werde ich sehr oft angesprochen.“

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Das Gericht sieht es als erwiesen an, dass der Inhaber und sein ehemaliger Mitarbeiter das Geschäft in Markt Schwaben absichtlich angezündet haben. Der eine wollte seine Schulden loswerden, der andere einen beruflichen Neustart. Nun werden beide lange Zeit im Gefängnis sitzen.
Das ist wenig überraschend, denn bis heute nämlich steht das Haus am Marktplatz da wie kurz nach dem Feuer. Immer noch sieht man die Rußspuren an der Fassade, die Schaufenster sind teils mit Holzplatten vernagelt. Die früheren Bewohner und Geschäfte haben sich längst woanders niedergelassen. „Viele Menschen empfinden als großes Ärgernis, dass im Herzen unserer Gemeinde nun schon so lange eine Ruine vor sich hin modert“, sagt Bernhard Winter, Ex-Bürgermeister und Autor, der nun mit einer Lesung auf diesen Missstand aufmerksam machen will. „Dabei geht es aber nicht nur um die hässliche Optik für unser Ortsbild, auch die Läden und Firmen, die dort waren, fehlen zur Belebung des Marktplatzes“, erklärt er. Früher habe man vor dem Haus immer glückliche Gesichter an den Tischen sehen können.
Das Problem: Das Haus ist in Privatbesitz, die Gemeinde hat also keinen Einfluss. „Wir haben die Eigentümerin natürlich kontaktiert und unsere Unterstützung angeboten“, sagt die Bürgermeisterin. Das Projekt habe sich jedoch als schwierig erwiesen. „Erst wurde das Gebäude wegen der polizeilichen Ermittlungen lange nicht freigegeben, dann gab es wohl Schwierigkeiten mit der Versicherung.“ Und die Idee einer mobilen Eisdiele als Trostpflaster für die Markt Schwabener habe sich leider als nicht machbar herausgestellt.
Doch nun gebe es endlich Licht am Horizont: Inzwischen sei klar, dass das Haus nicht abgerissen, sondern saniert werde, sagt die Rathauschefin. Und der Bauantrag liege bereits zur Begutachtung beim Landratsamt. „Ich bin guter Dinge, dass wir im kommenden Jahr am Marktplatz Fortschritte sehen können“, so Dahms. Geplant sei, im Erdgeschoss wieder italienische Gastronomie unterzubringen, darüber wolle man Wohnraum schaffen. „Die Nachfrage nach beidem ist definitiv da.“
Lesung „Feuer, Fürsten, Finsternis“ vor der Brandruine am Marktplatz in Markt Schwaben am Sonntag, 26. Oktober, um 15 Uhr. Bernhard Winter und andere Rezitatoren tragen einen Reigen an Balladen und Gedichten Alter Meister vor. Bei Regen findet die Veranstaltung in der Buchhandlung „Kapitel Zwei“ statt.

