Was soll man angesichts dieser frohen Kunde sagen? „Immerhin“ ist vermutlich das höchste der Gefühle. Die Deutsche Bahn wirbt mit einem neuen „Kunstbahnhof“ in Markt Schwaben. Das bedeutet: Anstatt dringend notwendige Umbauten vorzunehmen, hat der Schienenkonzern erst einmal in die Optik investiert. Gemeinsam mit der Gemeinde hat die Bahn Schülerinnen und Schüler sowie Mitglieder des Aktivkreises Kunst und Kultur eingeladen, die Personenunterführung künstlerisch zu gestalten. Doch sie haben nicht die Wände direkt bemalt, vielmehr wurden die Darstellungen digitalisiert und in silberne Rahmen gefasst.
Mit vier Gleisen gehört der Bahnhof der Marktgemeinde zu den größeren im Landkreis Ebersberg, er ist Umsteigepunkt zwischen S-Bahn und Regio-Verkehr. Trotzdem musste sogar ein Bahnvertreter kürzlich zugeben, dass der Haltepunkt „nicht schön“ sei. Bürgermeisterin Waltina Dahms (CSU) sagt, dass es lange an der Sauberkeit gemangelt habe, außerdem sei die Unterführung bei Starkregen immer unter Wasser gestanden, also kaum passierbar gewesen. Immerhin: Dieser Defekt ist laut Bahn inzwischen behoben, und laut Dahms wird das Areal nun auch öfter gereinigt.

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Das größte Problem aber ist, dass es lediglich einen Aufzug gibt, mit dem man zwar in die Unterführung gelangt. Zu den Bahnsteigen jedoch führen nur zwei Treppen. Einen barrierefreien Zugang gibt es nicht. Und vorerst wird sich laut DB daran auch nichts ändern. Grundlegende Verbesserungen nämlich sind gekoppelt an den Ausbau der Strecke von München über Markt Schwaben und Mühldorf nach Freilassing, der seit Jahrzehnten in der Planung ist. Das bedeutet: Weitere Aufzüge, mit denen man bis zu den Gleisen gelangt, sind erst Ende 2028 zu erwarten. Vollständig barrierefrei, sodass man einen Zug besteigen kann, ohne Höhenunterschiede zu überwinden, wird der Markt Schwabener Bahnhof voraussichtlich sogar erst Mitte der 2030er-Jahre sein.

Nun aber schreibt die DB: „Ein Bahn-Stopp in Markt Schwaben lohnt sich ab sofort! Neue Kunst in der Personenunterführung verleiht dem Bahnhof ein anschauliches, freundliches und zugleich lebendiges Erscheinungsbild.“ Mit der Initiative hätten Gemeinde und DB einen „Ort der Begegnung geschaffen, bis der Bahnhof schrittweise barrierefrei ausgebaut wird“. Der Titel des Projekts lautet: „Bahnausbau aus künstlerischer Perspektive“. Dazu hatte der Konzern mehrere Leitthemen vorgegeben – darunter die Geschichte Markt Schwabens im Eisenbahnzeitalter ab 1871, die Rolle der Bahn als Verbindung für Menschen und Regionen sowie ihre Bedeutung für das Gemeinwohl und eine nachhaltige Zukunft.


Und tatsächlich, so manches Bild wirkt wie ein Werbeplakat für den Schienenkonzern, die Bahn erscheint als hochmodernes, effizientes Transportmittel, das die Menschheit in eine grüne, ökologisch bessere Zeit katapultiert. Doch da gibt es auch Alltagsszenen aus dem Zug, Reflexionen über die Landschaft vor dem Fenster oder das Unterwegssein an sich, nostalgische Rückgriffe auf die Eisenbahnvergangenheit und bunte Ortsporträts. Immer wieder wird auch das verbindende Element der Bahn herausgestellt: Menschen, die sich am Bahnhof in die Arme fallen. Eine schöne Szene, die man in Markt Schwaben wahrscheinlich ebenfalls des Öfteren beobachten kann. Treppen hin oder her.

