Süddeutsche Zeitung

Egmating:Magdalena Wagner kandidiert für den Bundestag

Die 29-Jährige aus Egmating gilt als Favoritin für die SPD-Kandidatur bei der Bundestagswahl 2021.

Von Korbinian Eisenberger, Egmating/München

Den Aufstieg zu ihrem Lieblingsberg, dem Hochfelln im Chiemgau, gestaltet sie still und heimlich. Magdalena Wagner geht meistens hinten über Kohlstadt rauf, unbemerkt und ohne den Menschenmengen zu begegnen, die über die Vorderseite zum Gipfel pilgern. Weil Wandern nicht wie Politik ist: Beim Wandern ist die Einsamkeit auf dem Weg zur Spitze etwas Schönes.

Politisch steht die Lehrerin aus Egmating als oberbayerische Bezirksvorsitzende der Jusos seit 2018 in der Öffentlichkeit. Und auch hier könnte die 29-Jährige schon bald die nächste Stufe nach oben nehmen. Einer Pressemitteilung der Ebersberger Kreis-SPD nach zu urteilen, ist Magdalena Wagner die klare Favoritin für die Kandidatur bei der Bundestagswahl in einem Jahr. "Der Gesamtvorstand begrüßt die Bewerbung von Magdalena Wagner, die sich als engagierte Politikerin in unserer Region einen Namen gemacht hat und selbst als Mitglied des Kreisvorstands aktiv ist", heißt es in dem Schreiben vom Donnerstagabend. Die Gymnasiallehrerin Wagner steht damit kurz davor, den amtierenden Bundestagsabgeordneten Andreas Lenz von der CSU im September 2021 herauszufordern. Offiziell ist ihre Kandidatur noch nicht, dies entscheiden die Delegierten bei der SPD-Aufstellungskonferenz beider Landkreise im Winter. Laut Ebersbergs Kreis-SPD hat Wagner einen Gegenkandidaten, offenbar ein Ingenieur aus Markt Schwaben. Es sei eine "schriftliche Bewerbung" eines "dem Vorstand nicht persönlich bekannten Bewerbers" eingegangen. Die Konferenz findet voraussichtlich am Freitag, 27. November, in Ebersberg im Sparkassensaal statt.

Am Tag nach der Meldung ist Wagner schwer zu erreichen. Erst am Nachmittag hat sie Zeit zurückzurufen. Die Schule hat wieder begonnen, und sie hat ihre neue Stelle als Mathelehrerin und Schulpsychologin am Lise-Meitner Gymnasium in Unterhaching angetreten. In den vergangenen zwei Jahren arbeitete sie an einer Schule in Cham. "Die ersten Tage war ziemlich viel los", sagt sie, "aber ich bin sehr froh, dass ich wieder so nah an meiner Heimat arbeite und zuhause wohnen kann."

Gut möglich also, dass 2021 ein Frauenneuhartinger gegen eine Egmatingerin in den Wahlkampf zieht. Ein Wirtschaftspolitiker von der CSU gegen eine Sozialpolitikerin von der SPD, so klingt es, was Wagner am Telefon berichtet. Ihr gehe es vor allem um soziale Themen, "die bei uns vor Ort wichtig sind". Bezahlbares Wohnen, Bildungsgerechtigkeit, "nicht nur an der Schule sondern auch bei der frühkindlichen Förderung, bei Weiterbildung und in der Ausbildung", sagt sie. "Armut beenden wäre mein großes Ziel", sagt sie. Wer von den beiden Politikern junge Wähler besser ansprechen kann? Andreas Lenz, 39, "ist jetzt auch nicht so besonders alt, aber vielleicht bin ich an manchen Stellen frischer".

Der politische Landkreis Ebersberg erlebte bei der Kommunalwahl im Frühjahr ein Aufbegehren der Frauen. Statt bisher einer Bürgermeisterin sind es jetzt vier, dazu zählt auch Inge Heiler (Aktive Bürgerliste Egmating) in Magdalena Wagners Heimatgemeinde. Sie sitzt dort im Gemeinderat. Das Landkreis-Ergebnis der Frauen habe sie gefreut, sagt sie, insgesamt gesehen sehe sie das Geschlechterverhältnis in der Politik aber kritisch. "Der aktuelle Bundestag ist der unweiblichste seit langem", erklärt Wagner. Ihre Einschätzung: "Themen wie etwa Alten- und Kinderpflege gelten immer noch als Frauenthemen und werden von Männern nicht angemessen gesehen." Ihre Forderung: "Für eine gleichberechtigte Bevölkerung brauchen wir auch ein Parlament, das paritätisch besetzt ist."

Und dennoch stellt sich die Frage: Steht Wagner, die Wanderin, die dem Himmel gern nahe ist, vor einem Himmelfahrtskommando? In einer Partei, die ihre schwächste Phase seit Gründung erlebt. Wagner muss kurz lachen. Dann fasst sie sich und kontert. Der SPD traue sie bis 2021 vielmehr einen Aufschwung zu, sagt Wagner: "Weil wir soziale Antworten geben und nicht nur das Geld zusammenhalten und versuchen, den Verbrennungsmotor zu retten." Ihr Ziel: "In den Bundestag zu kommen", sagt sie, aber gleichwohl auch, "mit den Menschen in der Region ins Gespräch zu kommen und hier vor Ort in die politische Diskussion zu bringen, um Dinge zu bewegen". Es sei falsch, an Investitionen etwa für Schulen zu sparen, "das fällt einem dann zehn Jahre später auf die Füße. Bestes Beispiel: Markt Schwaben.

Von ihrer sozialen Ader hat "Nilai" profitiert, ein spanischer Straßenhund, der bei Magdalena Wagner und ihren Hühnern im Egmatinger Ortsteil Neuorthofen wohnt. Der Hühnerstall steht 579 Kilometer Luftlinie südlich des Berliner Reichstagsgebäudes.

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Quelle:
SZ vom 12.09.2020
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