bedeckt München 20°

Linke:Neue Mitspieler

Premiere für die Partei bei den Kommunalwahlen in Grafing

Zwar nur acht Kandidaten, dafür aber eine auffallend junge Liste mit vielen, die in sozialen Berufen ihr Geld verdienen oder auf dem Weg dorthin sind: Spitzenkandidatin Lena Huppertz ist 28 Jahre und studiert aktuell Soziale Arbeit, Michael Pleitner, drei Jahre älter arbeitet als Sozialpädagoge. Dann sind da noch die beiden 18-jährigen Schüler Maya Zitzlsperger und Lucca Kühne, der auf die Sozial-FOS geht. Zum ersten Mal bewirbt sich in Grafing die Linke um den Einzug in den Stadtrat.

"Von wegen radikal: Inhaltlich sind wir ziemlich nah an dem, wo vor 15 Jahre noch die SPD war", sagt Spitzenkandidatin Lena Huppertz. "Unser Hauptthema ist die soziale Ungerechtigkeit und die Frage, was wir auf städtischer Ebene dagegen unternehmen können."

Natürlich ist das nur eine rhetorische Frage, bei der die junge Frau die Antwort gleich mitliefert: "Die Stadt hat einen Wirtschaftsförderer und eine Klimaschutzmanagerin. Wir sind der Meinung, dass es auch einen Sozialmanager braucht." Der würde zum Beispiel Bedürftige bei den oft komplizierten Förderanträgen unterstützen, als Ansprechpartner für Vereinbarkeit von Familie und Beruf, bei drohender Krankheit oder Arbeitsunfähigkeit bereitstehen, sich aber auch um die Themen Migration, Asyl und Wohnen kümmern. Genauso müsse die Stadt Kita-Plätze für alle Kinder zur Verfügung stellen - und zwar in ausreichender Anzahl sowie gebührenfrei. Von wegen also, Sozialpolitik würde nur auf Bundes- und Landesebene stattfinden.

Der Fokus aufs Soziale bedeutet Huppertz zufolge keinesfalls eine restriktivere Wirtschaftspolitik - wohl aber eine mit einem anderen Fokus. Im Mittelpunkt des lokalen Wirtschaftens müsse das Allgemeinwohl stehen, schreibt etwa Maya Zitzlsperger auf der Linken-Homepage. "Dabei sollen möglichst viele lokale Gewerbe und Unternehmen deutlich stärker in einen kommunalen Wirtschaftskreislauf eingebunden werden."

Kleine Notiz am Rande: Die Linke war die einzige der Grafinger Parteien, die sich bereits vor dem rechten Terror in Hanau deutlich für eine klare Kante gegen rechtsnationale bis rechtsextreme Umtriebe starkmachte. Weil von ihnen zuletzt auch gerade Grafinger, Ebersberger und Steinhöriger Umfeld wieder vermehrt berichtet worden war.

© SZ vom 10.03.2020 / thri

Lesen Sie mehr zum Thema

Zur SZ-Startseite