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Letzte Dinge:Baumschäden durch Baumbestattung

Die neuen Grabsteine auf dem Neuen Friedhof in Ebersberg gefallen nicht jedem

Ein im doppelten Sinne schweres Thema hatte der Umweltausschuss kürzlich zu beraten. Denn es ging um die Letzten Dinge, genauer: eine Ergänzung zur Friedhofssatzung. Es sollte entschieden werden, welche Gedenksteine bei Baumbestattungen auf dem Neuen Friedhof zugelassen werden sollten. Damit sich die Stadträte auch ein Bild von der Sache machen konnten, hatte Hauptamtsleiter Erik Ipsen zwei Prototypen der Grabsteine in den Sitzungssaal mitgebracht. "Ich dachte, die trage ich einfach mal rauf", so Ipsen. Doch aufgrund von Größe und Gewicht der beiden Steine bediente er sich dann doch lieber eines Handwagens.

Dessen Fracht soll einmal Urnengräber auf dem Ebersberger Neuen Friedhof zieren, und zwar jene unter Bäumen. Im vergangenen Jahr beschloss der Stadtrat, dass auf diesem Friedhof künftig auch Baumbestattungen möglich sein sollten. Dazu werden unter großen Bäumen Urnen begraben. Ganz anonym kann man sich dort zwar nicht bestatten lassen, die Friedhofsverwaltung weiß, wer wo begraben liegt, aber man kann auf einen Grabstein verzichten. Wer seinen Angehörigen aber einen Platz zum Trauern geben will, kann sein Baumgrab auch mit einem Gedenkstein versehen lassen. Diese, so vereinbarten es die Stadträte in einer vorangegangenen Sitzung, sollten in zwei Varianten - einmal als schlichte Steine und einmal als Steine mit Metallplatte - möglich sein.

Doch die nun vorgestellten Entwürfe für die Gedenksteine, stießen im Ausschuss nicht unbedingt auf Gegenliebe. Mehr als deren Gewicht waren es die Ausmaße, ein Würfel mit der Grundfläche einer mittelgroßen Gehwegplatte, welche einige Ausschussmitglieder Kritik äußern ließen. So etwa Angela Warg-Portenlänger (SPD), die keinen Hehl daraus machte, dass die vorgestellten Grabsteine überhaupt nicht ihren Geschmack träfen. Sie habe bei Gedenksteinen für die Grabbäume eher an etwas in der Größe der "Stolpersteine" gedacht, mit denen einige Kommunen an Opfer der Nazizeit erinnern, so Warg-Portenlänger. Solch riesige Steine würden die Ästhetik rund um die Grabbäume doch empfindlich stören, kritisierte die Stadträtin. Dies gelte ganz besonders, wenn über mehreren Gräber unter demselben Baum eine solche Platte läge.

Auch die Versicherung von Bürgermeister Walter Brilmayer (CSU), man habe sich bereits mit dem Landschaftsarchitekten Karl Kagerer, der den Neuen Friedhof entworfen hat, über die Steine unterhalten, und der habe keine Einwände, half da wenig. Zumal der Bürgermeister selbst zugeben musste, er habe sich die Steine auch etwas handlicher vorgestellt. Besonders der Entwurf mit der Metallplatte, der noch ein Stück größer ist als der reine Stein, schien auch Brilmayer etwas zu groß.

Grünen-Stadträtin Rosemarie Will wies auf ein weiteres mögliches Problem der Gedenksteine hin: Da diese nicht nur eine große Grundfläche hätten, sondern dazu auch noch sehr tief ins Erdreich ragten, bestünde die Gefahr, so die Wurzeln der Grabbäume erheblich zu beschädigen.

Die Ausschussmitglieder verständigten sich schließlich darauf, dass man beim Hersteller der Steine nachfragen solle, ob man nicht wenigstens die Version mit Metallplatte etwas verkleinern könnte. Ansonsten, so Brilmayer, sei ohnehin noch nicht gesagt, dass der Friedhof bald mit Steinen zugepflastert würde. Denn schließlich müsse ja niemand sein Grab mit einem Stein verzieren lassen. Und die bisher bei der Stadt vorstellig gewordenen Interessenten für ein Baumgrab hätten sich gegen eine solche Verzierung entschieden.