Lesung zur WM"Shakespeare hätte eine Fußballkomödie geschrieben"

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Regisseur und Schauspieler Thomas Peters erklärt, warum Theater ein Mannschaftssport ist - und Kicken ein kulturelles Ereignis.

Rita Baedeker

"Was hat Fußball mit Büchern zu tun?" So lautet das Thema einer Lesung mit anschließendem Public Viewing des WM-Spiels am Sonntag in der Gemeindebücherei Vaterstetten. Thomas Peters, Schauspieler und Regisseur am Gärtnerplatz-Theater, präsentiert Fußball als Phänomen, das unsere Kultur stärker prägt, als manche denken. Rita Baedeker hat er erklärt, was Fußball faszinierend macht.

Thomas Peters: "Was den Fußball betrifft: Ich bin kein Aktiver, aber ich gucke sehr gern Fußball."
Thomas Peters: "Was den Fußball betrifft: Ich bin kein Aktiver, aber ich gucke sehr gern Fußball." (Foto: Peter Hinz-Rosin)

SZ: Theaterleute sind nicht gerade typische Fußballfans. Bilden Sie da eine Ausnahme?

Thomas Peters: Ich stelle immer wieder fest, dass es im künstlerischen Bereich, etwa am Theater, zahlreiche Fußballanhänger gibt. Denken Sie etwa an Leander Haußmann, der ein Bochum-Fan ist. Am Augsburger Stadttheater, wo ich früher beschäftigt war, gehörte Fußball zu jedem Betriebsausflug. Bei einem Autorenwettbewerb hat einer einen Text eingereicht über eine Fußballnationalmannschaft auf Odysseus' Spuren. Das war amüsant zu lesen. Am Theater findet man ja oft beide Extreme: Die einen lehnen Fußball kategorisch ab, die anderen sind begeistert.

SZ: Das Thema hat längst die Bühne erobert. Beispiel: der Fußball-Liederabend zur EM vor zwei Jahren an den Kammerspielen.

Peters: Ja, denn Fußball hat sehr viel mit dem Theater zu tun. Er ist eine Mannschaftssportart, bei der alle an einem Strang ziehen, sich die Bälle zuspielen, um Erfolg zu haben. Auf der Bühne ist es genauso. Jedes Stück ist das Ergebnis eines Zusammenspiels von Schauspielern, Sängern, Musikern, von Technikern, Künstlern und Regisseuren.

SZ: Was sind die Gründe für die Faszination, die Fußball ausübt? Was gefällt zum Beispiel Ihnen an diesem Sport so gut?

Peters: Es ist eigentlich eine simple Sportart, die aber unheimliche Spannung erzeugt. Fußball ist schön und grausam und ungerecht - so wie das Leben. Hätte es zu Shakespeares Zeiten Fußball gegeben, er hätte sicher eine Komödie darüber geschrieben.

SZ: Was haben Sie beim Durchforsten der Literatur zum Thema Fußball entdeckt?

Peters: Ich kannte so gut wie keine Fußballgeschichten und habe daher angefangen, ziellos Material zu sammeln. Vor zwei Jahren zur EM habe ich schon einmal eine Lesung zum Thema veranstaltet. Damals habe ich zum Beispiel bei Loriot witzige Texte entdeckt, dieses Mal wird die Unterhaltung im Vordergrund stehen. Die äußerst lesenswerte Biografie von Sebastian Deisler etwa passt zu diesem Programm nicht, dennoch möchte ich sie jedem empfehlen.

SZ: Was haben Sie da alles entdeckt? Poesie, Sachbücher, die Biografie eines Torwarts?

Peters: Alles mögliche - das reicht von skurrilen Anekdoten über Fußballersprüche à la Andi Möller bis zu Trainer-Ansprachenvon Trappatoni bis Hans Meyer (bei Borussia Mönchengladbach: die Red.), der übrigens ein intellektueller Freigeist und rhetorisch geschliffener Redner ist.

SZ: Welches Publikum wollen Sie mit der Lesung ansprechen?

Peters: Menschen, die sich entweder nur für Fußball oder nur für Literatur interessieren. Eine Gruppe kann dann die andere entdecken. Ich hoffe, dass eine Lesung wie diese der ganzen Angelegenheit auch den heiligen Ernst nimmt.

SZ: Wäre es umgekehrt denkbar, mit solchen Lesungen kulturferne Fußballfans in Bücherei und Theater zu locken?

Peters: Über Fußball bekommt man einen Zugang zu den Leuten. Es gibt aber Fälle, da braucht man viel Geduld und Fingerspitzengefühl. Hooligans wird man nicht so leicht für Kultur begeistern.

SZ: Sie haben mehrere Sportarten erlernt, zum Beispiel Schwertkampf. Kicken Sie auch selbst?

Peters: Den Schwertkampf habe ich für meine Rolle als Robin Hood gelernt. Was den Fußball betrifft: Ich bin kein Aktiver, aber ich gucke sehr gern Fußball. Mein Sohn spielt in der G-Jugend und meine Frau schaut sich ebenfalls gerne die Spiele an.

SZ: Um 20.30 Uhr wird in der Bücherei das Vorrundenspiel Deutschland gegen Australien gezeigt. Wer wird Ihrer Meinung nach Weltmeister?

Peters: Ich sollte natürlich sagen, dass Deutschland es wird, aber ich fürchte, Argentinien wird sehr stark sein. Ich veranstalte am Sonntag auch ein Ratespiel. Wenigstens der Quiz-Weltmeister wird dann feststehen.

Lesung am Sonntag, 13. Juni, in der Gemeindebücherei Vaterstetten, von 18 Uhr an. Das erste Vorrundenspiel beginnt um 20.30 Uhr an als Public Viewing. Der Eintritt ist frei, Anmeldung unter buecherei@vaterstetten.de, Telefon 08106/35 88 88. Es gibt nur mehr wenige Plätze.

© SZ vom 12.06.2010 - Rechte am Artikel können Sie hier erwerben.
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