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Lesung in Zorneding:Märchenhafter Krimi

Tanja Kinkel erfindet sich als Autorin immer wieder neu. In ihrem Krimi "Grimms Morde", den sie beim "Literarischen Herbst in Zorneding" vorstellen wird, verwebt sie historische Fakten mit Fiktion.

(Foto: Alessandra Schellnegger)

Erfolgsautorin Tanja Kinkel präsentiert beim "Literarischen Herbst in Zorneding" ihren Roman "Grimms Morde" und stellt sich den Fragen des Publikums

Interview von Michaela Pelz

Große Freude in Zorneding und nicht nur dort: Der "Literarische Herbst" geht weiter! Am Donnerstag, 22. November, liest Tanja Kinkel, die seit 1990 kontinuierlich in den Bestsellerlisten vertreten ist, aus "Grimms Morde". Die Süddeutsche Zeitung Ebersberg sprach mit der 51-Jährigen über ihren im Jahr 1821 spielenden Roman, in dem zwei höchst unterschiedliche Geschwisterpaare auf die Suche nach einem Mörder gehen.

SZ: Ihre Protagonisten sind Wilhelm und Jacob Grimm sowie Jenny und Annette von Droste zu Hülshoff. Wer davon steht Ihrem Herzen am nächsten?

Tanja Kinkel: Als Schriftstellerin hängt man natürlich an all seinen Figuren. Ich muss aber sagen, dass mir besonders jene Szenen Spaß gemacht haben, bei denen Annette und Jacob anwesend sind. Die beiden kannten sich ja tatsächlich. Und sowohl die gespannte Beziehung Wilhelms zu Annette, als auch die Tatsache, dass ihre Schwester Jenny in ihn verliebt war, sind sehr gut durch Briefwechsel dokumentiert.

Was trug noch dazu bei, sich gerade für diese Personen zu entscheiden?

Bei meiner Lektüre der Grimm-Biografie von Steffen Martus fühlte ich mich sehr an Holmes und Watson erinnert - der eine scharfsinnig-scharfzüngig, der andere eher konziliant, aber auch mit passiv-aggressiven Zügen. Annette von Droste-Hülshoff wiederum schrieb in der "Die Judenbuche" eine der frühesten deutschen Kriminalerzählungen überhaupt. Und sie hatte ein traumatisches Erlebnis, das oft als "Jugendkatastrophe" bezeichnet wurde. Deswegen gibt es im Buch zwei rote Linien: Wer ist der Mörder und was ist im Vorjahr mit Annette passiert?

Eine intensive Mischung zwischen Fakten und Fiktion also ...

Sagen wir es so: Der Mord ist erfunden. Dafür habe ich zwei historische Inspirationen vermengt: Den gewaltsamen Tod eines Lakaien etwa anderthalb Jahre nach der Zeit, in der das Buch spielt. Was zur so genannten "Drohbriefaffäre" führte. Die andere Inspiration hat mit der ältesten Mätresse von Wilhelm I. zu tun, die irgendwann nicht mehr in der Literatur auftaucht. Um nicht zu riskieren, dass nach Erscheinen des Buches womöglich doch noch etwas über sie gefunden wird, habe ich mich entschieden, den zahlreichen Frauen in seinem Leben eine weitere hinzuzufügen. (lacht)

Alles äußerst gründlich recherchiert - wie in sämtlichen Ihrer bisher 20 Bücher. Für "Grimms Morde" mussten Sie dafür vermutlich nach Kassel reisen ...

Genau. Seinerzeit auch kein Problem. Ich war in Kassel und im Münsterland.

Welche anderen Orte haben Sie im Vorfeld Ihrer Romane noch aufgesucht?

Meine bisher sicher weiteste und spannendste Reise führte mich für "Manduchai - Die letzte Kriegerkönigin" in die Mongolei. Das war vor allem auch deswegen sehr abenteuerlich, weil ich, abgesehen vom Aufenthalt in der Hauptstadt, nur in Jurten geschlafen habe. Was im Übrigen kein größerer Kontrast zu der Recherche für das Buch davor hätte sein können. Denn da ging es um Giacomo Casanova und ich konnte sogar in einem echten Palazzo übernachten.

Aktuell ist das nicht mehr möglich .

.. Die ersten paar Corona-Monate habe ich genutzt, um meinen neuen Roman zu schreiben - zunächst noch ohne Recherche. Weil das Buch zum größten Teil in Deutschland spielt, konnte ich das nachholen, als die Bedingungen ein wenig lockerer wurden.

Darf man erfahren, worum es geht?

Leider kann ich noch nicht zu viel verraten (lacht). Nur so viel: Der Roman ist in einer der interessantesten Epochen überhaupt angesiedelt und von den beiden Hauptfiguren wurde eine noch gar nie und die andere nicht in dieser Hinsicht beleuchtet...

Das klingt vielversprechend und auf jeden Fall nach einem "historischen" Stoff. Ganz anders verhält es sich mit dem Projekt "Die Gefängnisärztin"...

Genau, das ist ein Hörbuch in zehn Folgen, das ich dazwischengeschoben hatte.

Im Vergleich zu Ihren bisherigen Büchern auch das wieder etwas komplett anderes. Was ist so reizvoll daran, sich immer wieder neu zu erfinden?

Die Herausforderung, sich jedes Mal in ein komplett anderes Setting einzuarbeiten. Darum habe ich in meinen bisherigen historischen Romanen auch nie linear von einer Zeit in die nächste gewechselt.

Und sind außerdem nicht bei einem einzigen Genre geblieben: Auf das im alten Rom spielende "Die Söhne der Wölfin" folgte 2003 der Gentechnologie-Thriller "Götterdämmerung"...

...in dem am Ende eine Pandemie steht. Das hat dieses Jahr schon für sehr seltsame Momente gesorgt.

Hui ... und wie geht es aus?

Im Buch? Noch schlimmer!

Dann reden wir lieber noch über eine "märchenhafte" Sache, die zu den Gebrüdern Grimm passt: Sie haben schon mal die Königin von Schweden getroffen?

Das war auf der Insel Mainau, bei der Jahrestagung der "World Childhood Foundation", deren Schirmherrin sie ist. Ich selbst war nicht als Schriftstellerin eingeladen, sondern weil ich 1992 mit Familie und Freunden den Verein "Brot und Bücher" gegründet habe, der sich für Kinder einsetzt.

Und wie war die Königin so?

Es hat mich sehr beeindruckt, dass sie bei ihrer Ansprache dezidiert auf die Probleme einging, also keine reine "Feelgood"-Rede gehalten hat. Man merkte, dass ihr die Sache wirklich am Herzen liegt. Ich kann mich noch gut daran erinnern, wie ihre Romanze während der Olympischen Spiele 1972 meine Großmütter sehr entzückt hat. So jemandem jemals persönlich zu begegnen, erwartet man nicht. Als es dann doch passierte, war sie keine Figur mehr aus längst vergangenen Klatschblättern, sondern eine sehr engagierte und beeindruckende Frau.

Lesung von Tanja Kinkel am Donnerstag, 22. Oktober, um 20 Uhr in der Christophoruskirche Zorneding, im Anschluss Fragestunde. Karten für 15 Euro gibt es im Pfarramt, bei der Gemeindebücherei, Steffis Schreibwaren, bei AP-Buch in Baldham sowie an der Abendkasse

© SZ vom 17.10.2020

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