An die SZ EbersbergLeserbriefe

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Bunt statt Braun entfernt sich vom Markenkern

Zum Bericht „Umstrittener Professor stellt VHS vor Zerreißprobe“ vom 9. Oktober:

Wenn die Gruppe Bunt statt Braun fordert „Kein Platz für Verschwörungserzählungen und Antidemokrat*innen“ müsste sie diese Vorwürfe nachweisen. Beim Vortragenden Prof. Michael Meyen kann sie das nicht, aber ihr genügt der oft gelesene mediale Hinweis, er sei „umstritten“. Weder hat Meyen Verschwörungserzählungen vorgetragen noch sich als Antidemokrat erwiesen – im Gegenteil. Allerdings sollen bei solchen VHS-Veranstaltungen kontroverse Themen diskutiert werden, um eigenständiges Denken zu fördern. Gerade dazu hatte Mayen mit seinem Vortrag „Medien und Macht“ Material, Hinweise und Nachweise geliefert – und man konnte dann eine Stunde lang diskutieren.

Warum nahmen die Gegendemonstranten diese Gelegenheit nicht wahr? Das nötigt zu einem Rückblick. Der Höhepunkt der Gruppe Bunt statt Braun war im März 2016 ihr Aufruf zur Kundgebung in Zorneding. Darin hieß es, man wolle nicht hinnehmen, wenn „... VertreterInnen rechtsgerichteter Parteien von Waffeneinsatz gegenüber Geflüchteten sprechen …“ dann sei „... der Weg frei für offene rassistische Anfeindungen gegenüber unseren Mitbürgerinnen und Mitbürgern wegen ihrer Hautfarbe, Religion oder Herkunft. ...Wir wollen jedweder Form von Rassismus entschieden entgegentreten…“ Das war damals der Markenkern der von dem damaligen Mitglied des Bundestages Ewald Schurer vorgeschlagenen und 2007 gegründeten Vereinigung Bunt statt Braun.

Als Gewerkschaftsmitglied habe ich damals dies mit gegründet. Von diesem selbst gestellten Kern der politischen Aufgabe hat sich Bunt statt Braun seit Corona weg bewegt. Daher habe ich mich aus dieser Gruppe entfernt. Sie ist mit der Kundgebung vom 7. Oktober in einer antiaufklärerischen Richtung unterwegs, indem sie die von ihr gecancelte Person in eine unklare, weit gefasste Gruppe einsortiert. Der Wendepunkt in ihrer Ausrichtung dürfte die Kundgebung vom 15. Januar 2022 in Ebersberg gewesen sein, denn danach wurden bei Anti-Corona-Demos Teilnehmende (mit teilweise anonym bleibenden Organisationen) gleich in die rechtsradikale Ecke geschoben. Seitdem verschwimmen die Kategorien der politischen Analyse, insbesondere richten sich solche Demonstranten gegen Personen, die als „rechts“ empfunden und gekennzeichnet werden.

Auch kamen die Demonstrierenden nicht zu dem Vortrag in den Saal, ließen sich nicht herab, an der Diskussion Teil zu nehmen. Das war Selbstschutz: sogar eine kritische Beteiligung an der Debatte hätte sie dem Vorwurf ausgesetzt, eine Kontaktschuld auf sich genommen zu haben. Und Kontakt mit (selbst so bezeichneten) „Rechten“ oder „Verschwörungserzählern“ würde sie selbst zu Ausgegrenzten machen – ein Zirkelschluss.

Den Förderverein der VHS Grafing möchte ich deutlich unterstützen im Bemühen, kritische Vorträge und Debatten über Politik und Gesellschaft zu fördern. Entsprechende Veranstaltungen habe ich in der Münchner VHS vor Jahrzehnten selbst durchgeführt, denn darin lebt die demokratische Kultur auf. Nur den derzeitigen Zustand bestätigende Vorträge halten zu lassen, langweilt die Zuhörer, wenn sie noch kommen würden.

Werner Schmidt-Koska, Zorneding

Nicht nur dem Mainstream folgen

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Volkshochschulen sollen der Bevölkerung die Möglichkeit bieten, sich weiterzubilden. Dazu sollte sich meiner Ansicht nach das Bildungsangebot der VHS nicht krampfhaft an den von der Politik über die Leitmedien propagierten und gewünschten „Bildungsrahmen“ halten; denn der ist immer von der politischen Lage und dem momentan herrschenden Zeitgeist abhängig. Schließlich haben wir die großen Entdeckungen und Erfindungen, die unser heutiges Weltbild prägen, „Querdenkern“ wie Einstein, Freud, Darwin oder Kepler zu verdanken, also mutigen und selbständig denkenden Menschen. Wieso sollen eigenständig denkende - also nicht dem „Mainstream“ folgende - Referenten nicht eingeladen werden dürfen? Die Mehrzahl der VHS-Interessierten dürfte dies kaum verstehen.

Es ist auch völlig unverständlich, wie das Wort Querdenker zu Beginn der Corona-Pandemie mithilfe der Medien zum Schimpfwort wurde, und damit Menschen häufig ins rechte Abseits gestellt werden. Deshalb danke ich Herrn Jörg Walter ausdrücklich für die Initiative, „spannende und kontroverse Referenten“ einzuladen. Dazu zähle ich beispielsweise den Historiker Daniele Ganser oder den Psychologen Rainer Mausfeld. 

Klaus Schöffel, Kirchseeon

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